Baden
Der «Sackboy» ist ein kleiner Bildschirm-Teufel

Das Kindermuseum stand am Wochenende unter dem Motto «Gamen». In der Werkstatt waren fünf Bildschirme aufgestellt, als Instruktoren drei «Profis» präsent. Hier der Selbstversuch einer Journalistin.

Von Rosmarie Mehlin
Drucken
Teilen
Eintauchen in die virtuelle Welt von «Super Mario», das Kindermuseum macht es möglich.Rosmarie Mehlin

Eintauchen in die virtuelle Welt von «Super Mario», das Kindermuseum macht es möglich.Rosmarie Mehlin

Im Kindermuseum steckt viel Nostalgie, aber auch die Gegenwart ist präsent. Am Wochenende war «Gamen» Trumpf. In der Werkstatt waren fünf Bildschirme aufgestellt, als Instruktoren drei «Profis» präsent.

Als solche kann man Marin Peterhans und Samuel Räber aus Fislisbach sowie Noah Loos aus Rütihof sehr wohl bezeichnen. Alle drei sind 14-jährig, als 3.-Bezler in Baden in derselben Klasse und «gamen» seit sie 8 Jahre waren.

Ist es denn spezifisch männlich? «Es gibt auch Mädchen, die ‹gamen›. Eine in unserer Klasse zum Beispiel bevorzugt dabei Kriegsspiele», klärt Marin auf. In einer Vitrine hat er seine Spielesammlung ausgestellt: «Fifa 09», «Wii Sport Resort», «Star Wars» oder «World of Warcraft».

«Napoleon total War», tönt total nach massenhaft Toten. «Nein, nein, das ist vor allem ein Strategiespiel», klärt Marin erneut auf.

Feinmotorik wird gefordert

Dann beginnt mein Selbstversuch. Ohne Kinder und Enkelkinder war «gamen» bis Samstag für mich ein abstrakter Begriff. Jetzt sind «Super Mario» und der «Sackboy» aus «Little Big Planet 2» kleine Bildschirm-Teufel, die nur ausnahmsweise tun, was ich will.

Dabei haben Noah, Samuel und Marin viel Geduld mit mir aufgewendet, mir akribisch die Funktion der Hebel und Knöpfe auf dem Kontroller erklärt. Aber wumm – innert Nullkommanichts war «Super Mario» auf die Nase gefallen und das Spiel vorbei.

Der «Sackboy» seinerseits lief – peng – gegen Mauern oder fiel – platsch – ins Wasser. Alles wegen grober Mängel in meiner Feinmotorik.

Ganz zu schweigen davon, was ich dem ganz und gar menschlich aussehenden «Skater» antat: Durch mich prallte der Ärmste mit vollem Tempo gegen einen Baum und mitten in einem Looping auf den Asphalt – zum Glück nur virtuell.

Wichtig: Kontrolle durch Eltern

Aber liegt nicht gerade in einem gewissen Realitätsverlust die Gefahr des «Gamen»? Und wie steht es eigentlich mit dem Suchtpotenzial? Denn spannend und aufregend fand ich die Erfahrung allemal, Zeit und Raum gingen dabei rasch verloren.

Marin gesteht, dass er in einzelne Spiele bisher bis zu 500 Spielstunden investiert habe. Er und seine beiden Kollegen verbrächten aber auch problemlos Wochen, ohne nur eine Minute zu spielen.

An ihrer Schule sei das «Gamen» sowohl im Deutschunterricht als auch an einem Vortrag über Suchtproblematik thematisiert worden. Es brauche, gibt das Trio zu, eine gewisse Kontrolle durch die Eltern.

Diese bezieht sich, was in der Werkstatt des Kindermuseums auch schriftlich vermittelt wurde, einerseits auf die Spieldauer, die dem Alter der Kinder angepasst sein muss. Andererseits auf die Wahl sinnvoller Spiele, welche zum Beispiel Pro Juventute nach dem Motto «Computerspiele
empfehlen, statt verbieten» unter www.gametest.ch zusammengestellt hat.

Aktuelle Nachrichten