«Zum ersten Mal in meinem Leben als Lord Darth Vader (Bösewicht aus «Krieg der Sterne», Anm. d. Red.) war ich gezwungen, das dunkle Schwert anzuwenden», schrieb R.W. am Dienstagmorgen um 10.46 Uhr in seinen Blog. Rund 90 Minuten waren vergangen, seit er einen Polizisten mit seinem Samurai-Schwert am Arm verletzte. Während die Polizei die Wohnung umstellte, setzte er sich an den Computer und zeichnete als Lassiter51 das Geschehen auf. Mit «Lord Darth Vader, Special Operations Commander, Profikiller», beendete er seinen Eintrag.

291 solch wirrer Einträge hat der 53-Jährige seit Februar 2010 verfasst. «Ich bin weiss - hetero und ein Freigeist», stellt sich der gelernte Speditionsfachmann zum ersten Mal vor. Seine Aufgabe: Aus dem Reich des Bösen berichten.

Vernichtungskrieg

R.W. bezeichnet sich als «kalten Krieger» und Kopfgeldjäger, und sieht sich als dunkler Engel in einem Krieg, in dem man ihn «beruflich und privat fertigmachen» will. «Ich lasse mich von niemandem in irgendeine Ecke stellen, wo ich nicht hingehöre. Weder von Psychologen noch von sonstigen Quacksalbern», lässt er verlauten.

Sein mehrwöchiger Aufenthalt in die Psychiatrie in Königsfelden im Jahr 2009 scheint tiefe Furchen bei R.W. hinterlassen zu haben. Fast umgebracht hätten «sie» ihn damals, schreibt er. Er spricht von einem gegen ihn laufenden Vernichtungskrieg. «Es ist deshalb auch verständlich, dass ich mich weiterhin gegen diese Angriffe auf meine Person wehren werde.»

Das Herz der Finsternis

Bei jeder Gelegenheit macht er auf die fehlenden Menschen- und Bürgerrechte aufmerksam. «Das Ausspionieren von Andersdenkenden kennt man hier noch besser als in der ehemaligen DDR», rapportiert er beispielsweise. Hart ins Gericht geht er mit Biedermännern, Premium-Faschisten, Holocaust-Leugnern und Pädophilen in der reformierten Kirche.

Auch für seinen Wohnort Baden hat er keine guten Worte übrig. Er sieht die Stadt vielmehr als «Ort, wo man Bürger aus der Stadt mobbt». Dort stecke das Herz der Finsternis.

Methoden der Ninjas gegen Bedrohung

Diese Finsternis scheint R.W. immer mehr eingenommen zu haben. Bereits im Juli 2010 beschreibt er den «stahlharten Weg in diesem Krieg». Die letzten Skrupel würden dabei verloren gehen, weil die Maxime Überleben laute. «Diese dunkle Bedrohung kann nur mit Methoden der Ninja bekämpft werden.» Damit machte er schon damals seine Vorliebe für die Ninja-Kultur klar. Längts bevor er mit seinem Samurai-Schwert den Polizisten angriff.

R.W. liebt «natürliche, sinnliche Blondinen»

Auf seinem Blog gibt sich der Samurai auch ganz zahm. So erfahren die Leser, was R.W. liebt: Frauen, Pferde, Freunde, gutes Essen, guter Wein, Film, Literatur und Natur. Insbesondere Blondinen haben es ihm angetan. Der dunkle Engel macht im Forum klar: Er sehnt sich nach einem blonden Engel, der seine Wunden pflegt. «Solange es natürliche sinnliche Blondinen gibt, wird auch meine Welt nicht untergehen. Denn auch ich möchte nicht einsam sterben.»

Der 53-Jährige präsentiert sich als 1,72 Meter grosse Kämpfernatur, der niemandem vertraut und über den Killerinstinkt verfügt. Weiter hört er gerne Abba und Johnny Cash und zählt Dr. Schiwago zu seinen Lieblingsbüchern. Wolf, Adler und Bär sind seine Lieblingstiere. Aus dem Steckbrief geht ebenfalls hervor: R.W. würde sehr gerne einmal Michelle Obama treffen.

Doch wer der wichtigste Mensch in seinem Leben ist, darüber lässt der «Samurai» keinen Zweifel offen. «Es kann nur einen geben: mich», schreibt er.