Baden
Der «Samurai» sah sich als kalten Krieger und hörte gerne Abba

R.W. verletzte einen Polizisten mit seinem Samurai-Schwert und verschanzte sich während Stunden in seiner Wohnung in Baden. Der 53-Jährige meldete sich während Jahren mit wirren Blogeinträgen im Internet zu Wort.

Lea Durrer
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Der «Samurai» aus Baden bezeichnet sich als Kämpfernatur mit Killerinstinkt. Im Blog tauchte er als Lord Darth Vader aus «Krieg der Sterne» auf.

Der «Samurai» aus Baden bezeichnet sich als Kämpfernatur mit Killerinstinkt. Im Blog tauchte er als Lord Darth Vader aus «Krieg der Sterne» auf.

key/newspictures

«Zum ersten Mal in meinem Leben als Lord Darth Vader (Bösewicht aus «Krieg der Sterne», Anm. d. Red.) war ich gezwungen, das dunkle Schwert anzuwenden», schrieb R.W. am Dienstagmorgen um 10.46 Uhr in seinen Blog. Rund 90 Minuten waren vergangen, seit er einen Polizisten mit seinem Samurai-Schwert am Arm verletzte. Während die Polizei die Wohnung umstellte, setzte er sich an den Computer und zeichnete als Lassiter51 das Geschehen auf. Mit «Lord Darth Vader, Special Operations Commander, Profikiller», beendete er seinen Eintrag.

R.W. bloggte als Lord Darth Vader

R.W. bloggte als Lord Darth Vader

Keystone

Vernichtungskrieg

R.W. bezeichnet sich als «kalten Krieger» und Kopfgeldjäger, und sieht sich als dunkler Engel in einem Krieg, in dem man ihn «beruflich und privat fertigmachen» will. «Ich lasse mich von niemandem in irgendeine Ecke stellen, wo ich nicht hingehöre. Weder von Psychologen noch von sonstigen Quacksalbern», lässt er verlauten.

Sein mehrwöchiger Aufenthalt in die Psychiatrie in Königsfelden im Jahr 2009 scheint tiefe Furchen bei R.W. hinterlassen zu haben. Fast umgebracht hätten «sie» ihn damals, schreibt er. Er spricht von einem gegen ihn laufenden Vernichtungskrieg. «Es ist deshalb auch verständlich, dass ich mich weiterhin gegen diese Angriffe auf meine Person wehren werde.»

Mit diesen Figuren unterzeichnete R.W. seine Blogs

Lord Darth Vader (Bösewicht aus «Krieg der Sterne»)
Sith-Lord (dunkle Lords aus dem Orden der Sith. Auch Darth Vader war einer von ihnen
Shogun (Militärtitel für einen Anführer aus dem Kriegeradel der Samurai)
V wie Vendetta (Comic der 80er Jahre. Spielt im fiktiven England von 1997. V, ein Anarchist und Terrorist, kämpft gegen eine faschistische Partei, die nach dem dritten Weltkrieg an der Macht ist.)

Das Herz der Finsternis

Bei jeder Gelegenheit macht er auf die fehlenden Menschen- und Bürgerrechte aufmerksam. «Das Ausspionieren von Andersdenkenden kennt man hier noch besser als in der ehemaligen DDR», rapportiert er beispielsweise. Hart ins Gericht geht er mit Biedermännern, Premium-Faschisten, Holocaust-Leugnern und Pädophilen in der reformierten Kirche.

Auch für seinen Wohnort Baden hat er keine guten Worte übrig. Er sieht die Stadt vielmehr als «Ort, wo man Bürger aus der Stadt mobbt». Dort stecke das Herz der Finsternis.

Methoden der Ninjas gegen Bedrohung

Diese Finsternis scheint R.W. immer mehr eingenommen zu haben. Bereits im Juli 2010 beschreibt er den «stahlharten Weg in diesem Krieg». Die letzten Skrupel würden dabei verloren gehen, weil die Maxime Überleben laute. «Diese dunkle Bedrohung kann nur mit Methoden der Ninja bekämpft werden.» Damit machte er schon damals seine Vorliebe für die Ninja-Kultur klar. Längts bevor er mit seinem Samurai-Schwert den Polizisten angriff.

R.W. liebt «natürliche, sinnliche Blondinen»

Auf seinem Blog gibt sich der Samurai auch ganz zahm. So erfahren die Leser, was R.W. liebt: Frauen, Pferde, Freunde, gutes Essen, guter Wein, Film, Literatur und Natur. Insbesondere Blondinen haben es ihm angetan. Der dunkle Engel macht im Forum klar: Er sehnt sich nach einem blonden Engel, der seine Wunden pflegt. «Solange es natürliche sinnliche Blondinen gibt, wird auch meine Welt nicht untergehen. Denn auch ich möchte nicht einsam sterben.»

Der 53-Jährige präsentiert sich als 1,72 Meter grosse Kämpfernatur, der niemandem vertraut und über den Killerinstinkt verfügt. Weiter hört er gerne Abba und Johnny Cash und zählt Dr. Schiwago zu seinen Lieblingsbüchern. Wolf, Adler und Bär sind seine Lieblingstiere. Aus dem Steckbrief geht ebenfalls hervor: R.W. würde sehr gerne einmal Michelle Obama treffen.

Doch wer der wichtigste Mensch in seinem Leben ist, darüber lässt der «Samurai» keinen Zweifel offen. «Es kann nur einen geben: mich», schreibt er.

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