Baden
Der Schein trügt: Lokale Geschäfte überwiegen im Badener Ladenmix

Die Behauptung, einheimische Händler würden von internationalen Ladenketten verdrängt, trifft laut einer Analyse des Stadtrats nur sehr begrenzt zu

Pirmin Kramer
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36 von 330 Geschäften in der Badener Innenstadt werden von einer internationalen Kette betrieben.

36 von 330 Geschäften in der Badener Innenstadt werden von einer internationalen Kette betrieben.

Annika Bütschi

Letztes Jahr hat Stadtparlamentarier Olivier Funk (team baden) ein Postulat eingereicht, in dem er kritisierte, der Ladenmix in der Innenstadt sei zu wenig durchmischt. Die lokalen Händler und Gastronomen würden je länger, je mehr verschwinden, kritisierte er: «Immer mehr übernehmen anonyme, grosse Ladenketten und profitorientierte Immobilien-Investoren das Ruder in der Badener Innenstadt.» Baden habe deswegen in den vergangenen Jahren viel von seinem Charme verloren. Zum Glück gebe es noch einige wenige innovative Geschäfte, die sich krampfhaft zu halten versuchten; nicht wenige Betriebe zeigten jedoch vermehrt Schwierigkeiten, bestehen zu können.

In seinem Postulat verlangte Funk vom Stadtrat, aufzuzeigen, welche Möglichkeiten geeignet wären, um den Ladenmix in der Innenstadt im Sinne einer gewünschten Durchmischung zu beeinflussen. «Natürlich können wir am Kauf- und Konsumverhalten der Gesellschaft nichts ändern, natürlich reguliert der Markt das Angebot. Aber wollen wir wirklich den Ladenmix völlig aus der Hand geben?», fragte er die Stadtregierung, und gab gleich selber eine Antwort: «Ich glaube, wir müssen selbst aktiv werden, um diesen Trend zu stoppen. Auch wenn ein Eingriff der Politik in die Wirtschaft nicht immer sinnvoll ist, bin ich der Meinung, dass hier der Markt nicht korrekt spielt und daher der Eingriff zugunsten unserer Stadt nötig ist.»

Nun liegt auch die Antwort des Stadtrats vor. Er beauftragte ein externes Büro, eine sogenannte Nutzungsanalyse durchzuführen. Die Schlussfolgerung: «Insgesamt sind lokale Anbieter im untersuchten Perimeter gut bis sehr gut vertreten.» Der vorhandene Ladenmix werde nach wie vor von lokalen Anbietern dominiert. «Nur 36 von über 330 Geschäften in der Innenstadt werden von einer internationalen Kette betrieben», schreibt der Stadtrat. Die räumliche und funktionelle Ausdehnung der Innenstadt in die Vorstadt, ins Gebiet Bahnhof-West und nach Baden Nord habe neue Chancen für die lokalen Anbieter eröffnet.

Die vom Postulanten beobachtete Zunahme der anonymen, grossen Ladenketten treffe auch für die Badstrasse beziehungsweise das Gebiet Bahnhof nur sehr begrenzt zu, wobei auch hier das Angebot gut durchmischt sei und der Anteil der lokalen Anbieter immer noch bei 38 Prozent liege.

Der Spielraum für eine direkte Einflussnahme sei sehr klein, erklärt der Stadtrat weiter. «Denn der Anteil der stadteigenen Flächen an den Geschäftsflächen in der Innenstadt liegt bei knapp zwei Prozent.» Die Herkunft der Anbieter allein – ob international, national oder lokal – sage zudem wenig über den Zustand und die Qualität des Ladenangebots aus. Die Präsenz internationaler Anbieter spreche für die Attraktivität Badens als Einkaufsort, wobei richtig grosse Ketten in der Stadt eher schwach vertreten seien.

Obschon die Ladenlandschaft gemäss Stadtrat also bereits gut durchmischt ist, unternimmt er Anstrengungen, den Mix weiter zu verbessern. Deshalb stellt er dem Einwohnerrat den Antrag, für den Einbau einer zusätzlichen Gewerbefläche in der Fussgänger- und Velopassage des neuen Schulhausplatzes einen Zusatzkredit von 1,25 Mio. Franken zu bewilligen. Bereits genehmigt wurde im Jahr 2011 ein Kredit von 3,5 Mio. Franken, womit dort vier Geschäfte mit einer Gesamtfläche von 360 Quadratmetern realisiert werden können. Mit dem neuerlichen Kredit könnten nun 134 Quadratmeter zusätzliche Gewerbefläche geschaffen werden. Der Ladenmix in der Fussgänger- und Velopassage könnte so mit vertretbarem Aufwand verbessert werden, argumentiert der Stadtrat. Er sei sehr positiv überrascht, dass der Stadtrat das Thema so ernst genommen und sogar eine Analyse habe erstellen lassen, sagt Postulant Olivier Funk. «Klarere Antworten hätte ich mir zur Frage erhofft, was der Stadtrat unternimmt, damit es in Baden auch in Zukunft noch Platz für lokale Anbieter hat.» Kommentar rechts

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