Niederrohrdorf

Der Schiri, der auf dem Feld nicht Chef sein will

Leonardo Fiumefreddo aus Niederrohrdorf

Leonardo Fiumefreddo aus Niederrohrdorf

Leonardo Fiumefreddo aus Niederrohrdorf leitet seit 25 Jahren auf den Aargauer Sportplätzen Fussballspiele. Nun ist er vom kantonalen Fussballverband als Aargauer Schiedsrichter des Jahres nominiert worden. «Für mich ist das eine grosse Anerkennung.»

Obwohl Leonardo Fiumefreddo als Jugendlicher gerne Fussball spielte, gab es etwas, das ihn auf dem Spielfeld mehr faszinierte: das Schiedsrichtern. «Anfangs hatte ich aber zu grossen Respekt davor, mich zum Schiedsrichter ausbilden zu lassen», sagt Leonardo Fiumefreddo und fügt an: «Ich dachte, ich wäre der Aufgabe nicht gewachsen.» Das war vor bald 30 Jahren.

«Im Nachhinein erwies sich alles als halb so schlimm», sagt der 43-Jährige aus Niederrohrdorf und lacht. Heute wurde er vom Aargauischen Fussballverbands (AFV) für den Titel «Schiedsrichter des Jahres» nominiert.

Den Entscheid, sich doch zum Unparteiischen ausbilden zu lassen, fiel an einem Frühlingsabend im Jahr 1991. Damals hielt der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Bruno Galler vor den Vereinsmitgliedern des FC Fislisbach – Fiumefreddos Stammverein – einen Vortrag über sein Schaffen.

«Ich war sofort begeistert und wusste, dass es eine Erfahrung wert ist», sagt der Familienvater. So stand er bereits wenige Monate später als offizieller Schiedsrichter auf dem Fussballplatz. Zuerst bei den Junioren C, dann arbeitete er sich bis in die 2. Liga interregional hoch.

Seit 2010 beschränkt er sich auf die Spiele der 4./5. Liga sowie der Senioren. Der Familie und des Berufes wegen, aber auch altershalber: «Ich will den jungen Schiedsrichtern nicht unnötig Platz wegnehmen, sondern ihnen eine Chance lassen.»

Leonardo Fiumefreddo aus Niederrohrdorf im Interview

Leonardo Fiumefreddo aus Niederrohrdorf im Interview

Gelbe Karte blieb liegen

Dass er nun als Aargauer «Schiedsrichter des Jahres» nominiert wurde, hat ihn überrascht. «Für mich ist es eine grosse Anerkennung», sagt Leonardo Fiumefreddo. Das Tüpfelchen auf dem «i» in seiner 24-jährigen Schiedsrichterkarriere.

Dabei hat er nicht nur dafür gesorgt, dass es auf dem Feld in geordneten Bahnen zu und her geht, sondern brachte die Fussballspieler auch gerne mal zum Schmunzeln.

So geschah es, dass er einmal nach der Halbzeit die Partie anpfiff und wenige Minuten später einen Spieler verwarnen musste. Doch als er in die Tasche griff, um die Karte zu zücken, fand er sie nicht vor: Er hatte sie in der Garderobe liegengelassen. «‹Ich muss meine Sachen holen!› Rief ich den Spielern zu», erinnert sich Leonardo Fiumefreddo. Einmal zurück auf dem Feld, nahmen die Spieler das Ganze mit Humor – so auch derjenige, der die gelbe Karte erhielt.

Neben Anekdoten wie dieser sind es auch andere Faktoren, warum ihm das Schiedsrichtern Spass macht, etwa die Kombination von Leistungssport und Verantwortung: «Auf dem Spielfeld hin und her sprinten, dabei einen klaren Kopf bewahren und die richtige Entscheidung treffen, ist zwar herausfordernd, aber faszinierend.»

Schwierig sei hingegen, beide Teams gleich gerecht zu behandeln. Sprich, in ähnlichen Situationen möglichst gleich zu reagieren und das Spiel in Einklang mit den Regeln in geordneten Bahnen zu lenken. «Wichtig ist, dass mich die Spieler nicht als Chef verstehen, sondern als Kollegen», erklärt Fiumefreddo.

Der Schiedsrichter sei Teil des Spieles und soll nicht als Gegenpol auftreten: «Den Respekt erkämpfe ich mir, indem ich den Spielern mit meiner natürlichen Autorität gegenübertrete.» Mit Fitness, Fussballverständnis und Regelkenntnisse, zum Beispiel. Dabei hilft ihm auch die Erfahrung, die er als Fussballspieler gesammelt hat.

Anlässlich der 4. Aargauer Fussballnacht am 28. November vergibt der Aargauische Fussballverband im Trafo in Baden mitunter den Award für den «Schiedsrichter des Jahres».

Neben Leonardo Fiumefreddo kämpfen auch Michèle Schmölzer sowie Silvio Blum um die Auszeichnung. Ob der Stamm-Schiri des FC Fislisbach diese gewinnt oder nicht, hat für ihn keine Priorität. «Bereits die Nomination ist für mich eine grosser Ehre.»

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