Oberrohrdorf
Der schnellste Hund: 480 Meter in 33,8 Sekunden

Fritz und Evelyne Jordis fünfjährige Windhündin JJ stach in Frankreich alle Konkurrenten aus und holte den Weltmeistertitel. Bereits beim ersten Lauf ihres ersten Rennens schlug die Hündin den Bahnrekord.

Britta Gfeller
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JJs Gewinn an der Weltmeisterschaft war eine Decke – und der Stolz von Herrchen Fritz Jordi.

JJs Gewinn an der Weltmeisterschaft war eine Decke – und der Stolz von Herrchen Fritz Jordi.

Annika Bütschi

«Als Turgai’s Jolie zu uns kam, war sie ein ungeschliffener Rohdiamant», sagt Fritz Jordi aus Oberrohrdorf über seine Barsoi-Hündin, die er JJ nennt. Heute, fünf Jahre später, glänzt dieser Diamant: der Windhund holte an der Bahn-Weltmeisterschaft in Frankreich Gold.

«Wir haben schon früh gemerkt, dass JJ unglaublich schnell ist», sagt Jordi. Trotzdem trainierte er lange mit seiner Hündin, bis sie den Titel holte. «Jeder Hund ist einzigartig.» Deshalb gebe es kein Allgemeinrezept, um einen Windhund zum Erfolg zu führen. «Man muss auf die Tiere eingehen. Das Zusammenspiel zwischen Hund und Mensch ist sehr wichtig», sagt Jordi.

Bei JJ habe er vor allem die Selbstsicherheit trainieren müssen. Bereits beim ersten Lauf ihres ersten Rennens schlug die Hündin den Bahnrekord. «Beim zweiten Lauf jedoch erschrak sie wegen eines Geräusches und blieb einfach stehen.» Nebst JJ haben Fritz Jordi und seine Frau Evelyne einen weiteren Barsoi-Hund.

Qualifikation in der Schweiz

Um an der Weltmeisterschaft antreten zu können, müssen sich die Hunde erst in der Schweiz qualifizieren. An der WM in Frankreich trat JJ gegen 14 Konkurrenten an. «An einem Tag machen die Hunde drei Läufe. Dies würde kein Leichtathlet schaffen», sagt Fritz Jordi. Den Weltrekord holte JJ mit einer Zeit von 33,8 Sekunden auf einer Strecke von 480 Metern. «Das sind mehr als 14 Meter pro Sekunde», sagt Jordi stolz. Stolz und Anerkennung sind die einzigen Gewinne für den Besitzer des schnellsten Barsoi-Hundes der Welt. «Wir haben eine Decke für den Hund bekommen. Ab und zu gibt es einen Sack Hundefutter. Um Geld oder sonstige Siegerprämien geht es nicht.» Doch dies sei auch gut so, meint Fritz Jordi. «In Ländern, in denen diese Regelung nicht gilt, werden die Hunde gedopt oder als Mittel zum Geldmachen eingesetzt.»

Fritz und Evelyne Jordi sind seit fast 20 Jahren Windhundebesitzer. JJ ist bereits der fünfte Barsoi-Hund des Paares. «Barsois waren ursprünglich Jagdhunde am Hof des Zaren. Früher hätten wir keine Chance gehabt, einen solchen Hund zu bekommen. Sie waren ausschliesslich für den Adel bestimmt.» Den Jagdtrieb haben die Hunde bis heute nicht verloren. «Diesen Instinkt nutzen wir für den Sport», sagt Jordi. Um die Hunde zum Laufen zu animieren, wird ein Hasenfell an einer Leine vor ihnen hergezogen. «Die Hunde freuen sich auf jedes Rennen. Wäre dies nicht so, könnten wir sie nicht zwingen, mitzumachen. Sobald die Startbox aufgeht, haben wir keinen Einfluss mehr auf den Hund. Dann zählt nur noch sein eigener Wille.»

JJ ist der erste Hund der Familie Jordi, der einen wichtigen Titel gewonnen hat. Mit fünf Jahren ist die Hündin schon fast zu alt für den Sport. «Bevor die Hunde zwei Jahre alt sind, sind sie nicht reif genug, um an Wettkämpfen teilzunehmen. Ab sechs Jahren zählen sie zu den Senioren. Die nächste Weltmeisterschaft in zwei Jahren wird JJ wohl nicht bestreiten.» Doch damit ist JJs Karriere nicht beendet. Im Winter erholen sich die Hunde. Im Februar beginnt Fritz Jordi mit seinen Barsois bereits wieder mit dem Konditionstraining. «Windhunde brauchen auch im Alter viel Bewegung.»

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