Der Ennetbadener «Schwanen» gehörte jahrzehntelang zu den imposantesten und prächtigsten Hotels im Bäderquartier, bis er im Jahre 1976 seine Pforten schloss und fortan als Bürogebäude genutzt wurde. 2013 erteilte der Gemeinderat von Ennetbaden die Baubewilligung für eine Neuinstandstellung des teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Vorgesehen war, dass das Hotel gegen den Hang hin erweitert wird, mit insgesamt 43 Zimmern, einem Restaurant sowie 31 Mietwohnungen. Ende Jahr soll das Hotel nun endlich neu eröffnet werden, sagt Hans-Rudolf Wyss, Inhaber der für den Neubau verantwortlichen Bauherrin Wyss Holding AG. Doch bei der «Ennetbadener Post», dem offiziellen Mitteilungsblatt der Gemeinde Ennetbaden, hält sich die Vorfreude in Grenzen.

In der aktuellen Ausgabe heisst es: «Mit einem Hotel mit Direktor, Dienstpersonal, einer belebten Lobby, an- und abreisenden Gästen und abendlicher Unterhaltung im Saal hat der neue ‹Schwanen› kaum mehr etwas gemein.» Die hochfahrenden Pläne (Investitionskosten: 60 Millionen Franken) seien bald einem nüchternen Pragmatismus gewichen. Aus den ursprünglich versprochenen 64 Hotelzimmern seien 7 sogenannte Businessappartements und 5 konventionelle Mietwohnungen geworden. Weiter heisst es: «Immerhin soll der neue ‹Schwanen› ein Restaurant bekommen – im denkmalgeschützten Saal.

Für private oder öffentliche Veranstaltungen wird der Saal also – entgegen früher geäusserter Absicht – nur selten zur Verfügung stehen.» Journalist Urs Tremp, der den Artikel geschrieben hat, sagt: «Vonseiten des Investors wurde anfangs euphorisch behauptet, dass man das Hotel so aufleben lassen wird, wie es früher einmal war. Diese Versprechungen sind aber nicht eingehalten worden.»

Investor wehrt sich

Hans-Rudolf Wyss zeigt sich «bitter enttäuscht» über die Darstellung im Artikel. Er betont: «Der Entscheid für das Modell mit der Appartement-Vermietung ist bereits 2014 gefallen und ist der Gemeinde Ennetbaden schon lange bekannt.» Markttechnische Überlegungen seien der Grund dafür gewesen, weil die Nachfrage für Hotels im klassischen Sinne schlichtweg nicht mehr da gewesen sei. Dieses Modell sei im Raum Baden keine Neuheit: «Das Aparthotel in Dättwil beispielsweise funktioniert auf derselben Basis», sagt Wyss.

Einige Behauptungen seien zudem nicht korrekt. So werden nicht 12, sondern insgesamt 15 bis 16 Appartementeinheiten entstehen. Der Artikel erwecke den Eindruck, dass es sich beim neuen Bau um eine «Mogelpackung» handle, bei dem viele Kosten eingespart wurden. Dies weist Wyss entschieden zurück: «Die Investitionskosten betrugen sogar mehr als die kalkulierten 60 Millionen Franken, weil wir verschiedene Auflagen für den Denkmalschutz erfüllen mussten.» Auch sei der Komplex eher etwas grösser geworden, als ursprünglich geplant war, sagt Wyss weiter. Er könne nicht nachvollziehen, wieso das Projekt nun so kurz vor der Eröffnung kritisiert werde: «Die Gemeinde Ennetbaden kann doch glücklich darüber sein, dass das Hotel ‹Schwanen› endlich in neuem Glanz daherkommt.»

Gemeinde beschwichtigt

Pius Graf (SP), Gemeindeammann von Ennetbaden, distanziert sich auf Anfrage von der kritischen Haltung im Artikel: «Wir vom Gemeinderat stehen nach wie vor hinter dem Projekt und sind sehr stolz auf die getätigten Renovationen.» Es habe über die gesamte Bauphase hinweg eine sehr gute und enge Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und Hans-Rudolf Wyss bestanden. Von einem Konflikt über das Hotelkonzept könne daher keine Rede sein. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Textes sei zudem eher zufällig und habe wenig mit der bevorstehenden Hotelneueröffnung zu tun.

Der Gemeindeammann bestätigt, dass einige Angaben in der «Ennetbadener Post» nicht korrekt wiedergegeben worden sind. So stehe der Gemeinde der Restaurantsaal sehr wohl für öffentliche Anlässe zur Verfügung. Die Nutzung erfolge dabei in Absprache mit dem Pächter. Ein endgültiger Eröffnungstermin stehe noch aus, sagt Graf. Klar ist: «Die Mietwohnungen wurden schon seit dem 1. September bezogen, die Hotelappartements sind ab dem 1. Dezember bezugsbereit.»

Graf betont, dass die Neuinstandstellung des Hotels ein Glücksfall für die Gemeinde sei: «Wir sind sehr erfreut, dass der ‹Schwanen› wieder erstrahlt. Das tut nicht nur Ennetbaden, sondern auch der ganzen Region gut.»