Diese aussergewöhnliche Übernachtung wird ab Mitte Juni während dreier Monate durch die Städtekampagne «Swiss urban sleeping» von Schweiz Tourismus ermöglicht. Schweiz Tourismus hat Partnerstädte angeschrieben, die sich in ihrer Stadt einen Ort ausdenken sollen, wo ein aussergewöhnliches Hotelzimmer eingerichtet werden könne. «Wir möchten die Städte aus einem anderen Blickwinkel zeigen», sagt Felix Burch von Schweiz Tourismus.

Mathias Fleischmann vom Standortmarketing Baden zeigt das Hotelzimmer in einer Gefängniszelle im Badener Stadtturm.

Mathias Fleischmann vom Standortmarketing Baden zeigt das Hotelzimmer in einer Gefängniszelle im Badener Stadtturm.

In Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus und dem Hotel Trafo lanciert die Stadt Baden ein Pop-up Hotel im Stadtturm Baden.

Das Standortmarketing der Stadt Baden hat nebst dem Stadtturm zuerst an die Villa Langmatt und das Historische Museum als mögliche Orte für ein Pop-up-Hotel gedacht. Gemeinsam mit Schweiz Tourismus wurden die Ideen diskutiert. Für die Realisierung der Pop-up-Hotels müssen die Orte bestimmte Kriterien wie Zugang zu fliessendem Wasser oder Brandschutzbestimmungen erfüllen. Das Risiko, die Gäste in dem Museum mit den wertvollen Bildern übernachten zu lassen, war zu gross.

Die Stadt Baden entschied sich deshalb für eine der zwölf ehemaligen Bezirksgefängniszellen im Stadtturm. Vorrichtungen für die sanitären Anlagen waren in der Frauenzelle im zweiten Stock bereits vorhanden. Es mussten lediglich Leitungen verlegt und eine neue Toilette eingebaut werden. «Das Pop-up-Hotel bietet auch für eingefleischte Badener eine gute Gelegenheit, ihr Wahrzeihen näher kennen zu lernen», sagt Mathias Fleischmann vom Standortmarketing Baden.

In diesen aussergewöhnlichen Zimmern können Gäste neu während dreier Monate übernachten:

Wohlfühlfaktor im Gefängnis

Nachdem der Stadtturm als Ort feststand, ging es darum, mit der Interessengemeinschaft «IG Hotels Region Baden» einen geeigneten Hotelpartner zu suchen. Erik Roedenbeck, Direktor des Hotels Trafo, musste keine Minute nachdenken und sagte dem Projekt zu.

Bei der Einrichtung des Zimmers kam die Frage auf, ob das Thema Stadtturm weiter aufgegriffen werden soll. Das hätte geheissen, dass die Gäste auf einem Bett aus Strohballen schlafen würden. «Das wäre eine erlebnisreiche Nacht, doch im Vordergrund steht für uns, dem Gast einen angenehmen Schlaf fernab von zu Hause zu ermöglichen», sagt Roedenbeck. Im Kontrast zum historischen Gebäude hat das Hotel Trafo die Zelle deshalb mit einem modernen Boxspring-Doppelbett, zwei Sesseln und einem Tisch ausgestattet. Eine Kaffeemaschine und eine Flasche Badener Stadtwein tragen zum Komfort bei, den man von einem Hotel erwarten darf.

Das «Trafo» hat nicht nur die Einrichtung zur Verfügung gestellt, sondern ist wie bei einer üblichen Hotelübernachtung für das Wohl der Gäste verantwortlich. Von der Buchung über den Check-in bis zum Frühstück im «Trafo» ist das Partnerhotel zuständig. Pro Nacht kostet das aussergewöhnliche Hotelzimmer 139 Franken für Einzelpersonen und 149 für zwei Zelleninsassen. Vom 19. Juni bis 2. September können Erlebnislustige in der ehemaligen Gefängniszelle übernachten.

Und wie schläft es sich nun in einer ehemaligen Gefängniszelle? Die Zelle ist im Originalzustand, wie sie 1984 verlassen wurde. Trotz des authentischen Zustands ist das Zimmer gemütlich eingerichtet. Von möglichem Lärm durch den nahegelegenen Schienenverkehr oder das Glockenläuten ist dank den 1,5 Meter dicken Wände nichts zu hören. TV oder WLAN werden zu keinem Zeitpunkt vermisst – mit dem Entziffern der Wandkritzeleien ist für Unterhaltung bis spätabends gesorgt. Nach einer erholsamen Nacht braucht es einen Moment, bis man realisiert, dass man im ehemaligen Gefängnis übernachtet hat. Ein aussergewöhnliches Erlebnis, das so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird.

Wer selber einmal in dem aussergewöhnlichen Hotel übernachten will, kann hier ein Zimmer buchen.