Baden

Der Tagsatzungssaal in Baden wird restauriert

Die Restaurierung des Tagsatzungsaals, die im Jahr 2013 angepackt wird, bedeutet viel Kleinarbeit.  Walter Schwager

Die Restaurierung des Tagsatzungsaals, die im Jahr 2013 angepackt wird, bedeutet viel Kleinarbeit. Walter Schwager

Die Eidgenossen machten bis 1712 in diesem Saal Europapolitik. Danach wurde hier auch Schule, noch später Gericht gehalten. Heute dient der Saal vor allem für Trauungen und bei Behördenempfängen.

Die Friedensverhandlungen nach dem Spanischen Erbfolgekrieg im Jahr 1714 fanden im Tagsatzungssaal in Baden statt. Es war für die Stadt Baden nochmals ein ganz besonderes Ereignis, wie in den Geschichtsbüchern nachzulesen ist. Denn mit dem 2. Villmergerkrieg verlor die Stadt nicht nur ihre Stellung als Tagsatzungsort, sondern wurde mit der Schleifung des Schlosses Stein auch noch gedemütigt. Danach folgte eine triste Zeit für den stattlichen Saal im ersten Geschoss des Rathauses, das in der historischen Gebäudezeile der Stadt zwischen Stadthaus und Zeughaus steht.

Für die Friedensverhandlungen hatte man den Saal ein letztes Mal schön herausgesputzt. In der Folge (um 1812) verkaufte die verarmte Stadt sogar die prunkvollen Wappenscheiben. Die Glasgemälde der zehn alten eidgenössischen Orte sind heute in verschiedenen öffentlichen oder privaten Kunstsammlungen über die Schweiz verstreut.

Einst provisorisches Schulzimmer

Der Tagsatzungssaal – unter eidgenössischem und kantonalem Denkmalschutz – musste später sogar als provisorisches Schulzimmer hinhalten. 1876 wurde ein Gerichtssaal eingerichtet. Die letzte grosse Renovation geht auf die Jahre 1914/15 zurück. Die alten Glasscheiben wurden damals nachgebildet. Seither legte niemand mehr im Saal Hand an, was sich an verschiedenen Stellen deutlich zeigt. Die originalen Stadtscheiben von 1500 und später aus dem Zyklus des Tagsatzungssaals sowie weitere Glasgemälde wurden im Stadtratssaal um 1925 bei dessen Erneuerung eingesetzt.

Die Glasscheiben weisen Risse und Absplitterungen auf, die der Sonne ausgesetzten Bilder sind verblasst, der Kitt stellenweise abgebröckelt und einzelne Bleie gerissen. Sie werden allesamt gemäss den Richtlinien der Kantonalen Denkmalpflege und des Instituts für Glasmalerei im Atelier in Romont restauriert. Hierfür betragen die Kosten über 120000 Franken. Für den Transport müssen die gesprungenen Gläser demontiert und aufwändig verpackt werden. Gesprungene Gläser werden neu verleimt und retuschiert, schadhafte Stellen des einfassenden Bleis ergänzt.

200000 Franken Subventionen

Die gesamten Arbeiten kosten 485000 Franken, wovon rund 200000 an Kantons- und Bundessubventionen zu erwarten sind. 360000 Franken kostet die Restauration des Tagsatzungssaals selber. Das mag auf den ersten Blick für einen einzigen Raum teuer erscheinen. Tony Stalder, Leiter der städtischen Abteilung Liegenschaften, macht aber darauf aufmerksam, dass diese Arbeiten von Spezialisten ausgeführt werden, die man bereits bei der Planung einbeziehen müsse.

Im Saal müssen die Fassungen der Holzdecke vollständig erneuert werden. Diese Restaurierungsvariante wird von der Kantonalen Denkmalpflege empfohlen und bringt am meisten Subventionen von Bund und Kanton ein. Im Wandtäfer werden die gerissenen Nasen verleimt oder ergänzt, Kratzer und Kerben retuschiert. Das Täfer wird gereinigt und mit Halböl aufgefrischt, die vergoldeten Stellen mit Goldfarbe frisch gestrichen. Der Boden – Parkett in Eichenholz – wird so belassen, geschliffen und mit Hartwachsöl behandelt. Die Elektroinstallation mit Beleuchtung wird erneuert. Ebenso will man die beinahe 100 Jahre alten Heizkörper ersetzen.

Der Tagsatzungssaal werde zweifellos in neuem Glanz erstrahlen, ist Stalder überzeugt. Die Benutzer werden es verdanken. Heute wird der Saal vom Zivilstandskreis als Trauungssaal verwendet. Bei den Stadtführungen von Info Baden ist er jeweils eine wichtige Station. Die Stadt selber benutzt den Tagsatzungssaal regelmässig für Behördenempfänge und andere wichtige Anlässe.

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