Baden
Der tiefe Einblick in die weibliche Seele – auf Klo, Sofa und im Bett

Im Stück «Drama Queens» spielt Stella im Teatro Palino Frauen aus bekannten Shakespeare-Stücken. Damit will sie sich als ernst zu nehmende Schauspielerin beweisen.

Ursula Burgherr
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Stella Luna Palino spielt Frauenrollen aus den Dramen von William Shakespeare. Reto Landendörfer

Stella Luna Palino spielt Frauenrollen aus den Dramen von William Shakespeare. Reto Landendörfer

Reto Lanzendörfer

Stella Luna Palino scheint im Privatleben als Frau bei ihrer wahren Identität angekommen zu sein. Konsequenterweise will sie auf der Bühne weibliche Rollen spielen, die von den bisherigen Travestienummern wegführen und sie als ernstzunehmende Schauspielerin positionieren. «Ich bin hypernervös», sagte sie vor der Premiere von «Drama Queens – im Bett mit Shakespeare’s greatest Women».

Denn sie stellt sich einer gewaltigen Herausforderung: In eineinhalb Stunden spielt sie sieben Protagonistinnen aus bekannten Werken des englischen Dramatikers und Lyrikers. Als Kulisse dienen lediglich ein Bett, eine Kloschüssel und ein Sofa. Regisseurin Hilde Schneider hat die Figuren in die Neuzeit transportiert. Alle checken in einem Hotelzimmer ein, um die Nacht dort zu verbringen. «In dieser intimen Kulisse lassen sie sich tief in die Seele schauen», erzählt Schneider, «Jede bringt ihre eigene Geschichte mit. Es geht um Sehnsucht, Liebe, Verrat, schwierige Vater-Tochter-Beziehungen, Intrigen und Machtmissbrauch.» Unvergängliche Themen also, welche die Menschen heute noch genauso umtreiben wie zu Shakespeare’s Zeiten in der Elisabethanischen Ära.

Makelloser Körper

Zwei Zimmermädchen – sehr kontrastreich gespielt von Lena Wälly – schauen hin und wieder zum Rechten und sind die einzigen Ansprechpartnerinnen für die verschiedenen Frauen. Ihren ersten Auftritt gibt Stella als Titania aus «Der Sommernachtstraum». Sie sprüht vor Temperament und Lebenslust. Bald steht sie in Netzstrümpfen und Strapsen da und räkelt ihren makellosen Körper. Doch keine Angst, das Stück verkommt nicht zur billigen Posse.

In der Folge schlüpft Stella wieselflink in verschiedene Charaktere und Kostüme. Gibt den Vamp als Lady Macbeth, die sich nach ihrem Romeo verzehrenden Julia, die gute Cordelia aus «King Lear» und deren intrigante Schwestern Goneril und Regan. Und erwürgt sich als Desdemona gleich eigenhändig mit einem schwarzen Handschuh, der Othello symbolisieren soll. Nahtlos wechselt sie von Original-Shakspeare-Zitaten zu modernen Texten, spricht fliessend Cockney-Englisch und Französisch, gibt vollen Körpereinsatz in Martial-Art oder mit dem Schwert, und verleiht mit ihrer ausdrucksstarken Mimik jeder Rolle ihre eigene Identität.

Temporeich wechseln sich clowneske und tragische Momente ab, langweilig wird es keine Sekunde. Vor allem in den komischen Szenen neigt Stella manchmal zum «Overacting», aber insgesamt liefert sie mit «Drama Queens» eine absolut überzeugende Leistung. Das Premieren-Publikum zeigte sich begeistert: «Der Einstieg als Schauspielerin ist hervorragend gelungen», meinte Ernst Ringli, der extra aus Weinfelden angereist war, «das ist grosses Theater.» Isabelle und Mauro Guidi, Lengnau: «Uns hat es sehr gut gefallen!» Der Ennetbadener Roland Keller tut sich mit dem Geschlechterwechsel noch etwas schwer: «Ich kenne Stella Palino seit 30 Jahren und sehe immer noch den Mann in ihm.» Im Gegensatz dazu Catherine Emmenegger aus Baden: «Für mich ist Stella eine Vollblutfrau und hat mich mit ihrem Spiel total berührt.»

«Drama Queens – im Bett mit Shakspeare’s greatest Women» wird im Teatro Palino noch an folgenden Tagen aufgeführt: Bis zum 6. April jeweils am Mittwoch sowie Freitag/Samstag (ausser Ostern), 20.30 Uhr. Infos: www.ticket.baden.ch.

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