Fünf unbekannte Gestalten in Mönchskutte schreiten durch den Gang der Reformierten Kirche Untersiggenthal. Eine Orgel klingt, majestätisch, ein Mönchsgesang erfüllt den Raum. Kurz darauf greifen die für prüde gehaltenen Mönche zu Trompete, Tuba, Posaune und Horn. Irgendwann warfen sie die Kutten ab, schmissen sich in Schale und wagten sich aus den Klängen der alten Musik zu Oper und Operette, später gar in die Welt der Musicals und Volksmusik.

Die «Philharmonic Brass Zürich – Generell5» bot am Samstagabend zusammen mit dem Organisten Jonas Herzog mit «Brass Confection» ein unterhaltungsreiches Programm mit theatralischen Einlagen und Filmsketchs auf der Leinwand. Dabei verliessen die Musiker ihre anonyme Rolle, sprachen zum Publikum, kommunizierten während des Spiels mit den Zuschauern. Spätestens als sie mit rot-weissen Turnschuhen und leuchtend rotem Kittel dastanden, war das Eis zwischen den Musikern und den Zuschauern gebrochen.

Melodien malen Landschaften

Die beiden Heimspieler, Jonas Herzog aus Fislisbach und Markus Hauenstein aus Endingen, sorgten für Verblüffung. Dass eine Trompete virtuos spielen kann, das wusste man bereits. Doch wer kann sich vorstellen, wie die Finger eines Tubisten fliegen? Markus Hauenstein bewies den Zuschauern, dass bisher für unmöglich gehaltenes für ihn, den «Tuba-König» genannt, durchaus machbar ist: Er spielte das virtuose Trompeten-Concerto von Harry James auf seiner Tuba – ein beeindruckendes Schauspiel.

Ob es jedoch nötig war, an der Leinwand Bilder und Animationen zu projizieren, dies sei infrage gestellt. Den Musikern gelang es bereits mit ihren Melodien, Landschaften zu malen – da machten sich die klischeehaften Bilder aus dem Wilden Westen selber überflüssig.

Die Orgel, für viele nur aus dem Gottesdienst in der Kirche bekannt, war hautnah mitzuerleben. Der Zuschauer konnte dem Organisten Jonas Herzog auf die Finger und die Füsse schauen. Über dem Organisten öffneten und schlossen sich je nach gewünschter Lautstärke die Klappen des Schwellwerkes. Die Orgel kann nicht nur Lieder aus dem Kirchenbuch spielen – dies hat Herzog überzeugend bewiesen. Dass der «Tuba-König» Markus Hauenstein sich mit liegenden Basstönen nicht zufriedengibt, ist spätestens nach seinem beeindruckenden Solo klar. Und dass man Orgelpfeifen auch ohne Tasten spielen kann, wird kein Konzertbesucher jemals vergessen. Zurück bleibt eine Verblüffung, was Finger, Pfeifen und Blech alles zustande bringen, wenn einer sie voller Herzblut mit Musik beglückt.