Baden
Der Unterstand für Gassenleute sorgt bei allen für Freude

Ein Holzhäuschen auf dem Bahnhofplatz dient als Treffpunkt für Gassenleute. Bereits im letzten Winter stand von November bis April ein Container auf dem Bahnhofplatz – damals war es noch ein Pilotprojekt.

Britta Gfeller
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Daniela Fleischmann vom Hope gibt den Arbeitern des Werkhofs Anweisungen für den Aufbau des Holzhäuschens. Alex Spichale

Daniela Fleischmann vom Hope gibt den Arbeitern des Werkhofs Anweisungen für den Aufbau des Holzhäuschens. Alex Spichale

«Ein Mensch braucht Gesellschaft. Ohne den Umgang mit anderen Menschen verliert er den Realitätsbezug und sein Selbstbewusstsein», sagt Daniela Fleischmann, Geschäftsleiterin des Christlichen Sozialwerks Hope. Doch es gibt Menschen, die keinen Besuch mit in ihre Wohnung nehmen können oder wollen und sich deshalb im Freien verabreden. Für diese stellt das Hope gemeinsam mit der Stadt Baden und dem Werkhof zum zweiten Mal einen Unterstand auf, der als Treffpunkt dienen soll.

«Im letzten Jahr hielten sich pro Tag 10 bis 15 Gassenleute im Unterstand auf.» Dabei treffen sich Menschen zwischen 18 und 80 Jahren verschiedener Nationalität und beider Geschlechter. Wenige sind obdachlos. Die meisten beziehen Sozialhilfe oder eine IV-Rente und haben eine Wohnung. Der Unterstand ist nicht als Schlafplatz gedacht. «Das Häuschen wird nur bis 20 Uhr geheizt.»

Bereits im letzten Winter stand von November bis April ein Container auf dem Bahnhofplatz – damals als Pilotprojekt. Passanten, Anwohner und Ladenbesitzern hatten sich von den Gassenleuten gestört gefühlt, die sich während der kalten Jahreszeit im Metro Shop aufhielten. «90 Prozent verhielten sich anständig. Doch einige liessen ihre Hunde frei herumlaufen oder entsorgten ihren Abfall nicht», sagt Fleischmann.

Pilotprojekt hat sich bewährt

Die von der Liegenschaft engagierten Sicherheitsmänner konnten das Problem nicht lösen. «Die Gassenleute hatten keinen alternativen Ort, an dem sie sich aufhalten konnten.» Deshalb lancierte eine Arbeitsgruppe bestehend aus dem Hope, der Stadt Baden, der Polizei, dem Werkhof und der Liegenschaft den Container.«Das Pilotprojekt hat sich bewährt», sagt Daniela Oehrli, Zuständige für das Ressort Gesundheit und Soziales der Stadt Baden. «Die Leute haben den Container als Unterstand angenommen. Wir hatten keine Meldung der Polizei und keine Beschwerde vom Metro Shop oder von den Passanten.» Deshalb suchte die Arbeitsgruppe für die nächsten Jahre nach einer definitiven Lösung. «Der Container war zu klein und unpraktisch», sagt Oehrli. Die Schreinerei Peterhans Schibli und Co. AG aus Fislisbach anerbot sich, gemeinsam mit den Gassenleuten kostenlos einen Unterstand aus Holz zu bauen. «Das war wie ein frühes Weihnachtswunder», sagt Daniela Fleischmann.

Gassenleute engagieren sich

Die Benutzer des Unterstands schätzen, dass sich die Stadt für sie einsetzt. «Sie haben Freude an ihrem Treffpunkt und sorgen teilweise selbst für Sauberkeit», sagt Fleischmann. Luxus brauchen die Gassenleute nicht. «Wir haben sie gefragt, welche Einrichtung sie sich wünschen. Statt Fernseher oder Sofas wollten sie lediglich eine einfache Sitzgelegenheit.» Auch die Idee, das Mobiliar anzuschrauben, stammt von den Benutzern selbst.

«Das Projekt ist sehr günstig», sagt Daniela Oehrli. «Die Stadt Baden hat schon seit Jahren in die Gassenarbeit investiert. Wir konnten die direkt Betroffenen in die Problemlösung einbeziehen und dadurch ein günstiges und geniales Projekt realisieren», sagt Fleischmann.

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