Herr Lehmann, Sie spielen seit 49 Jahren Violine. Müssen Sie überhaupt noch üben?

Markus Lehmann: Selbstverständlich, schliesslich will ich weitere Fortschritte machen. Ich spiele heutzutage zwei bis drei Stunden – und das meistens mitten in der Nacht, wenn ich ungestört bin.

Reichen drei Stunden Üben also für einen Profimusiker?

Früher habe ich acht Stunden pro Tag geübt. Das geht heute nicht mehr, weil ich an der Musikschule Baden unterrichte und regelmässig konzertiere.

Was bedeutet Ihnen der Auftritt am Freitag und Samstag mit dem Kammerorchester 65?

Solistische Auftritte sind immer besondere Momente im Leben eines Musikers. Ich freue mich darauf mit dem Kammerorchester 65 und unserem hervorragenden Dirigenten, Alexandre Clerc, zusammen musizieren zu dürfen.

Was mögen Sie mehr, unterrichten oder konzertieren?

Es ist die Abwechslung, die mir Freude bereitet. Natürlich stehe ich gerne in Kammermusikformationen oder als Solist auf der Bühne. Aber mit dem Unterrichten habe ich die Möglichkeit, neuen Menschen zu begegnen und mit ihnen zu kommunizieren. Ein ehemaliger Schüler von mir war zehn Jahre lang Konzertmeister im Aargauer Symphonieorchester und ein anderer spielt im international bekannten Stradivari Quartett mit.

Wie alt sind Ihre Musikschüler?

Die jüngste Schülerin ist momentan fünf Jahre alt. Der Älteste ist 83.

Spielt man mit 83 noch Violine?

Warum nicht? Es ist nie zu spät, sich musikalisch weiterzubilden. Ausserdem spielte dieser Schüler schon in jungen Jahren. Jetzt übt er fleissig. Ich werde so lange spielen, wie ich laufen und hören kann. Vorher höre ich nicht auf.

Zu spielen begonnen haben Sie mit fünf Jahren. Haben Ihre Eltern Sie dazu gezwungen?

Ganz und gar nicht. In unserem Haus wurde einfach viel musiziert. Mein Vater war Pianist und unterrichtete an der Kantonsschule Baden. Er konzertierte mit vielen Musikern wie Hansheinz Schneeberger oder Peter-Lukas Graf. Sie beeindruckten mich sehr. Also begann ich Violine zu spielen.

Warum die Violine?

Das Instrument faszinierte mich von Beginn weg. Ihr Klang kommt der menschlichen Stimme sehr nah. Zudem sind die Möglichkeiten eines Streichinstruments enorm. Alles, was ich brauche, sind vier Saiten. Die ganze Mechanik wird durch den Menschen gesteuert. Und der Klang ist bei kaum einem anderen Instrument derart beeinflussbar.

Gibt es ein Leben neben der Musik?

Ich verbringe viel Zeit mit meiner Frau und meinen zwei Kindern. Ich musste mich aber nie zwischen Familie und der Musik entscheiden, schliesslich machen Sie auch alle Musik. Meine Frau gibt Gesangsunterricht. Meine Tochter spielt Harfe und mein Sohn macht ein Berufsstudium mit Gitarre. Er spielt in einer Heavy-Metal-Band.

Heavy Metal – geht das für Sie in Ordnung?

Ich finde es genial. Ich gehe an seine Konzerte. Dieses Head Bangen fand ich zwar sehr interessant, bin aber froh, dass ich das selber nie machen muss.

Konzert mit dem Kammerorchester 65: Freitag, Klosterkirche in Wettingen
19.30 Uhr.

Samstag, KuK in Aarau 20.15 Uhr.

Markus Lehmann spielt mit dem Siggenthaler Jugendorchester Mendelssohns Violinkonzert