Oberrohrdorf
Der Vollblutdrucker: Sein Kleinbetrieb trotzt dem Druck der Konkurrenz

Trotz Konkurrenzdruck steht Lorenz Bräm auch nach 30 Jahren mit Freude in seinem Atelier. Immer an seiner Seite: Zwei Offsetmaschinen und seine Frau.

Carla Stampfli
Drucken
Teilen
Lorenz Bräm betreibt seit 30 Jahren ein Druck-Atelier in Oberrohrdorf. Seine beiden Offsetmaschinen halten ihm seither die Treue. Chris iseli

Lorenz Bräm betreibt seit 30 Jahren ein Druck-Atelier in Oberrohrdorf. Seine beiden Offsetmaschinen halten ihm seither die Treue. Chris iseli

Chris Iseli

Die NZZ-Druckerei in Schlieren, die Tamedia-Druckerei Ziegler in Winterthur, das traditionsreiche Grafikunternehmen Buag in Baden. Das sind nur einige Firmen, die in den letzten Jahren entweder geschlossen oder mit anderen Unternehmen zusammengelegt wurden. Hinzu kommen zig kleinere Druckbetriebe, die von der Bildfläche verschwunden sind.

Ein Kleinbetrieb, der sich bei fortschreitender Digitalisierung und wachsender Konkurrenz halten kann, ist das Druck-Atelier Bräm in Oberrohrdorf. Seit 30 Jahren produziert Lorenz Bräm Drucksachen aller Art. «Meine Stärke ist es, dass ich den Kunden individuell beraten und ihm genau das bieten kann, was er will», sagt der 63-Jährige. Das sei beispielsweise ein grosser Unterschied gegenüber Internetanbietern, bei denen sich Kunden ein Produkt ab ihrer Datei ausdrucken lassen und oft nur zwischen einigen Papierarten auswählen könnten.

In seinem Atelier entwickelt Bräm Logos und Briefköpfe. Er stellt Layouts für Druckwaren wie etwa Broschüren, Magazine oder Hefte her. Auch kreiert er Visiten- und Hochzeitskarten, druckt Flyer sowie Plakate. «Ob etwas Einfaches oder Anspruchsvolleres, ich versuche immer, die Idee des Kunden bestmöglich umzusetzen.» Das Kreative ist es denn auch, das er an seinem Beruf besonders mag: «Mein Herzblut liegt in der Gestaltung, der Bildbearbeitung, der Layouterstellung und den weiteren Prozessen, die zur Druckvorstufe gehören.» Doch auch den Druckprozess selber führt er gerne aus. «Meine Arbeit besteht aus einem idealen Mix zwischen schmutzigen Händen und Kopfarbeit.» Kein Wunder, freut er sich auch nach 30 Jahren noch, montags in die neue Arbeitswoche starten zu können.

Bräm hat den Entscheid nie bereut

Die Leidenschaft für das Gedruckte entflammte, als Lorenz Bräm 1972 seine Lehre als Schriftsetzer beim Aargauer Volksblatt und wenig später die Ausbildung zum Eidgenössischen Meister der Druckindustrie abschloss. «Schon damals war für mich klar, dass ich einmal ein eigenes Druck-Atelier eröffnen möchte», erinnert er sich. Nach verschiedenen Stationen bei Druckunternehmen wagte er 1987 den Schritt in die Selbstständigkeit. «Den Entscheid habe ich nie bereut», sagt Bräm.

Angefangen hat er im Keller einer Mietwohnung mit einer Einfarben-Offsetmaschine in Oberrohrdorf. Wenig später kam eine Zweifarben-Offsetmaschine hinzu. Da das Geschäft gut lief und der Platz knapp wurde, zog er mit seiner Frau Uschi und seinen drei Kindern in ein Einfamilienhaus an der Badenerstrasse. Er realisierte einen Anbau, in dem er bis heute das Druck-Atelier führt. Die beiden Maschinen halten ihm die Treue: «Sie sind zwar in die Jahre gekommen, doch sie funktionieren qualitativ genauso gut wie die modernsten Geräte.» Er kenne die Maschinen so gut, dass er bei Bedarf vieles selber reparieren könne. «Zudem reicht die Druckleistung der Geräte, um meinen Bedarf abzudecken.»

Was die Maschinen betrifft, ist der gebürtige Badener, der viele Jahre Präsident der mittlerweile aufgelösten Schränzer-Clique war, von alter Schule. Anders sieht es bei der Technologie aus. «Die Druckbranche erlebt mit der Digitalisierung einen riesigen Umbruch», sagt Bräm. Er habe nach der Buchdruckerkunst von Johannes Gutenberg gelernt. «Innerhalb kurzer Zeit kamen neue Technologien hinzu, in die ich mich vorzu eingearbeitet habe.» Vor allem im Bereich der Druckvorstufe. Was man mit den heutigen Computerbearbeitungsprogrammen machen könne, sei fast grenzenlos. «Die technische Entwicklung hat mich gezwungen, den Geist stets wach zu halten.»

Wie es weitergeht, steht noch offen

Seit der Eröffnung führt er das Geschäft selber. Wird es mit Aufträgen einmal zu viel, greift ihm seine Frau unter die Arme. «Ohne sie könnte ich meinen Traumberuf nicht ausüben.» Wie lange er das Druck-Atelier führen und ob jemand sein Lebenswerk einmal übernehmen wird, darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. «Solange ich Spass habe und die Gesundheit es zulässt, mache ich weiter», sagt Bräm. Und falls er sich doch einmal entscheidet, in den Ruhestand zu gehen, werde es ihm nicht langweilig: «Ich lese sehr gerne. Zudem haben wir einen Hund sowie zwei Katzen. Die wissen uns zu beschäftigen.» Bis es aber soweit ist, geniesst er die kreative Arbeit im Druck-Atelier und das Rattern seiner beiden Offsetmaschinen.