«Es gibt keinen besseren Ort als das Historische Museum, um über das nachzudenken, was Baden und Ennetbaden vereint – hier, wo die politische Grenze der beiden Gemeinden verläuft.» Mit diesen Worten begrüsste Museumsleiterin Carol Nater Cartier die rund 250 Gäste der Vernissage zur Sonderausstellung «Der Rebberg von Baden».

Die Sonderausstellung ist dem Jubiläum der Gemeinde Ennetbaden gewidmet, die 1819 von der Stadt zur Eigenständigkeit gezwungen wurde. Diese zeigt auf vielfältige Weise auf, wie es dem einstigen Weindorf gelungen ist, sich in den letzten 200 Jahren zu einem attraktiven Wohnort zu entwickeln, der nach wie vor Wein produziert – den Badener Wein.

Unter den Gästen befanden sich auch Vertreter der Politik, darunter der Badener Stadtammann Markus Schneider (CVP) und Ennetbadens Gemeindeammann Pius Graf (SP). Sie lieferten sich auf dem Podium unterhaltsame Wortwechsel. «Für das Museum ist der Wein das verbindende Element zwischen Baden und Ennetbaden», sagte Nater Cartier. «Was ist für Sie die wichtigste Verbindung?», fragte sie die beiden Ammänner. Pius Graf antwortete, dass es für ihn die Brücken seien und erwähnte den Limmatsteg. «Darauf stehend hat man die Sonne auf der Seite Ennetbadens und den Schatten auf der anderen Seite», sagte er mit einem Schmunzeln. Schneider seinerseits erwähnte, dass es für ihn die Menschen seien, die sich nicht in Grenzen, sondern darüber hinaus bewegen: Auswärtige, auch Ennetbadener, die nach Baden kommen und die Stadt geniessen so wie sie ist.

Anekdoten aus Ennetbaden

Hauptattraktion der Sonderausstellung sind die Fotografien des Ennetbadener Fotografen Werner Nefflen. Gut 11 000 seiner Bilder werden im Zuge des Gemeindejubiläums digitalisiert, rund 100 davon sind ausgestellt. Sie lassen Erinnerungen lebendig werden. Weiter sind zahlreiche kostbare Objekte zu sehen, die einen in die Geschichte Ennetbadens eintauchen lässt. Ausgestellt ist etwa die Originalurkunde von Königin Agnes von Ungarn, die 1354 die Spitalreben und die Spitaltrotte stiftete. Neben Fotografien und Objekten bietet die Ausstellung auch interaktive Erlebnisstationen. So gibt es einen Rebberg mit «Bänkli» und Hörspiel, Besucher können an Weinflaschen ihren Geruchssinn testen und sich im Rebschnitt üben.

Unter den vielen Personen, die bei der Ausstellung mitgewirkt haben, ist der Ennetbadener Journalist Urs Tremp. Er erzählte Geschichten aus der Vergangenheit und wie das Verhältnis zwischen Baden und Ennetbaden nach der Trennung angespannt war. «Verschiedene Gegebenheiten führten dazu, dass es sich weiter verschärfte», sagte er und nannte das Beispiel Friedhof. Ennetbaden hatte keinen eigenen und benutzte deshalb denjenigen der Stadt an der Bruggerstrasse mit. «Die Leichenzüge nach Ennetbaden führten mitten durch das Badener Kurgebiet», sagte Tremp. «Sie müssen sich vorstellen, da wollten sich kranke Menschen erholen und vor ihnen lief ihre Zukunftsaussicht!» Dies habe sich geändert, als die Ennetbadener einen Friedhof erhielten und sie die Toten in ihrer eigenen Gemeinde beerdigen konnten, erklärte er.

Zum Abschluss gab der Jugendchor «Funkybee» unter der Leitung von Cathryn Lehmann, passend zum Gemeindejubiläum, das Lied «Rechts von der Limmat» zum Besten.

Die Sonderausstellung «Der Rebberg von Baden» dauert noch bis zum 8. September.