Freienwil
Der «Weisse Wind» soll erste Hürde nehmen

Die Stimmbürger entscheiden am Freitag, ob die Genossenschaft der Dorfbeiz «Weisser Wind» ein Darlehen von 200'000 Franken von der Gemeinde erhält.

Martin Rupf
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In den letzten zwei Jahren kehrte in der Dorfbeiz «Weisser Wind» am Freitag und Sonntag jeweils wieder Leben ein. (Archiv)

In den letzten zwei Jahren kehrte in der Dorfbeiz «Weisser Wind» am Freitag und Sonntag jeweils wieder Leben ein. (Archiv)

Philippe Neidhard

Seit Ende September die «Austrinkete» im «Weissen Wind» stattfand, ist es in der ehemaligen Dorfbeiz etwas ruhiger geworden. Während zweier Jahre war das Lokal jeweils am Freitagabend und am Sonntagnachmittag geöffnet. Geht es nach den Plänen der Genossenschaft Weisser Wind, soll spätestens Anfang 2017 wieder Leben in den «Weissen Wind» kehren – dann aber richtig und nicht in Form eines Testbetriebs.

Damit dieses Ziel Realität werden kann, muss das Projekt «Weisser Wind» heute Abend an der Gemeindeversammlung die erste Hürde nehmen. Unter Traktandum 4 beantragt der Gemeinderat, der Genossenschaft total 200 000 Franken als zinsfreies Darlehen zu gewähren. 100 000 Franken aus dem Kulturfonds, 100 000 Franken aus dem Fonds «för’s Dorf». Doch die Gemeinde knüpft die Darlehen an Bedingungen. «Beide Darlehen werden zweckgebunden für einen Kulturraum und ein Restaurant gewährt. Der Kulturraum oder das Restaurant muss einen Raum für mindestens 80 Personen Platz bieten.» Und: Pro Kalenderjahr stünden Kulturraum oder Restaurant für 15 Veranstaltungen unentgeltlich der Gemeinde zur Verfügung. «Die Gemeinde kann die unentgeltliche Benützung an Dorfvereine abtreten», steht weiter in der Vorlage. Stünden Kulturraum oder Restaurant nicht mehr als öffentliches Lokal zur Verfügung, könne der Gemeinderat die Darlehen auf sechs Monate kündigen.

Eine klare Ansage: Doch Genossenschaftspräsident Urs Rey hat damit wenig Mühe: «Die Gelder stammen zur Hälfte aus einem Legat, das für einen Kulturraum vorgesehen sind. Daher ist es verständlich, dass die Gemeinde sicher gehen will, dass das Geld nicht zweckentfremdet wird.» Auch über die Höhe der Darlehen zeigt sich Rey erfreut. «Aus dem Fonds ‹för’s Dorf› – der nicht über unbeschränkte Mittel verfügt – erhalten wir einen angemessenen Betrag.» Rey ist zuversichtlich, dass die Freienwiler heute Abend grünes Licht für die Darlehen geben, auch wenn er relativiert: «In einem kleinen Dorf wie Freienwil gibt es natürlich immer verschiedenen Interessen. Aber ich glaube, die Bevölkerung hat erkannt, welche Chance unser Projekt für das Dorf sein kann.»

Hauptziel der geplanten Renovation ist der Erhalt der Beiz im Erdgeschoss sowie des Kultursaals aus dem Jahr 1910 im Obergeschoss. In diesem ist unter der Woche der Betrieb einer Kindertagesstätte vorgesehen. An Wochenenden soll darin unter anderem die gut angelaufene Veranstaltungsreihe «Kultur im Saal» fortgesetzt werden. «Sowohl für den Betrieb der Beiz wie auch der allfälligen Kita haben wir konkrete Interessenten», sagt Rey, ohne Namen zu verraten. In den Dachgeschossen werden voraussichtlich zwei Wohnungen gebaut. «Der ‹Weisse Wind› wird ein Begegnungsort der Generationen», so Rey.

Noch fehlt eine halbe Million

Das alles ist natürlich nicht gratis zu haben; die Kosten werden auf total 1,8 Mio. Franken geschätzt. Ziel der Genossenschaft ist es, 1,2 Mio. Franken Eigenkapital zusammenzubringen. «Ende September hatten wir 600 000 Franken zusammen. Seither sind nochmals 130 000 Franken dazugekommen.» Somit stünde man jetzt bei 730 000 Franken, wobei in diesem Betrag auch die 200 000 Franken enthalten sind, die heute an der Gmeind aber erst noch bewilligt werden müssen. Es fehlt also noch knapp eine halbe Million Franken. Ursprünglich bestand das Ziel, die 1,2 Mio. Franken bis Ende Jahr zusammen zu haben. Rey ist zuversichtlich, dass dies nun bis im März 2016 der Fall ist. «Wir sind mit einigen Stiftungen und Darlehensgebern im Gespräch. Jetzt geht es vor allem auch darum, dass möglichst viele Personen Anteilsscheine zeichnen. Denn nur so sammeln wir genügend Eigenkapital und gleichzeitig fördert es auch die Identifikation mit dem Projekt», ist Rey überzeugt.

Unter Traktandum 4 soll der Gemeinderat zudem ermächtigt werden, das der Genossenschaft gehörende Land neben dem «Weissen Wind» für 600 Franken pro Quadratmeter zu einem Kaufbetrag von 421 800 abzukaufen. «Das Land verkaufen wir an die Gemeinde unter Vorbehalt, dass das Projekt realisiert werden kann», sagt Rey. Mit 600 Franken pro Quadratmeter würde man das Land einiges billiger an die Gemeinde abtreten, als die Genossenschaft vor zwei Jahren hingeblättert hat. «Wir haben knapp 700 Franken pro Quadratmeter bezahlt», sagt Rey. Doch für die Genossenschaft wäre es eine gute Lösung, wenn die Gemeinde das Land kaufen würde, weil es dann vorläufig von der Kita mitgenutzt werden könnte.

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