Wettingen
Der Zivilschutz – «Vor 20 Jahren sprach man vom Nagelclub»

Der abtretende Zivilschutzkommandant Kurt Riner spricht vor seiner Pensionierung über seine Erfolge, seinen Ärger und seine Zukunftspläne. Er glaubt, dass sich das Image des Zivilschutzes verbessert hat.

Matthias Steimer
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Kurt Riner blickt auf 20 Jahre als Kommandant zurück.Pascal Häusermann

Kurt Riner blickt auf 20 Jahre als Kommandant zurück.Pascal Häusermann

Herr Riner, Ende Jahr werden Sie pensioniert. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Kurt Riner: Voller Zuversicht. Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt ohne Abendsitzungen. Ich werde endlich mehr Zeit haben für meine Hobbys: Kochen und Schiessen. Zudem gibt es im Haus und im Garten einiges zu werken.

Blicken wir zurück. 1994 wurden Sie in Wettingen Kommandant. Was haben Sie in den 20 Jahren erreicht?

Die Wiederholungskurse erhielten unter meiner Führung ein völlig neues Profil. Ich habe die ausserkantonalen Einsätze eingeführt. Seien dies Einsätze in Katastrophengebieten oder der jährlich wiederkehrende Einsatz in Emmetten, wo wir unter anderem Wanderwege und Brücken instand halten. Das sind keine Trockenübungen, sondern Einsätze mit Nutzen und von hohem sozialem Wert. So sehen die Zivilschützer auch in Wiederholungskursen einen Sinn.

Hat sich durch diesen Wandel auch das Image des Zivilschutzes in der Bevölkerung geändert?

Ja. Vor 20 Jahren sprach man noch vom Nagelclub. Weil die Zivilschützer scheinbar nichts anderes machten, als in Schutzräumen Betten zusammenzunageln. Heute wissen die Leute: Es braucht den Zivilschutz, er leistet unverzichtbare gemeinnützige Arbeit und steht im Ernstfall bereit.

Welchen Moment als Zivilschutzkommandant werden Sie nie vergessen?

Es sind emotionale Situationen, wo einem Katastrophenopfer Wertschätzung und Dankbarkeit entgegenbringen. Als wir in Elm wegen einer Lawine im Einsatz standen, brachten uns die Betroffenen Kaffee und etwas zu essen aufs Feld. Sie zeigten eine Riesenfreude, als ihr Land schliesslich vom Lawinenschutt befreit war. Das sind schöne Momente.

Neue Zivilschutzorganisation Wettingen-Limmattal

Per 1. Januar 2014 fusionieren die beiden Zivilschutzorganisationen Wettingen und Limmattal (Neuenhof, Killwangen, Spreitenbach, Würenlos). Damit entsteht die drittgrösste Zivilschutzorganisation des Kantons Aargau. 561 Personen werden ihr angehören, fast 50 000 Bewohner unter ihrer Versorgung stehen.

Der Wettinger Kommandant Kurt Riner erreicht Ende 2013 das Pensionsalter. Folglich wird Hans Rudolf Matter, bislang Limmattal-Kommandant, die neue Organisation führen. Während anderthalb Jahren hat eine Arbeitsgruppe die Fusion vorbereitet, währenddessen sämtliche betroffenen Gemeinden dem Vorhaben zugestimmt haben.

Vergangene Woche fand die erste gemeinsame Kadersitzung statt, wobei die genaue personelle Planung im Vordergrund stand. Sämtliche Angehörigen der beiden bisherigen Organisationen werden sich 2014 in neuen, gemischten Zügen wiederfinden. Stützpunkt der ZSO Wettingen-Limmattal wird Wettingen sein. (mst)

Was bleibt Ihnen negativ in Erinnerung?

Nur die Bürokratie. Ich wurde immer mehr eingeschränkt durch kantonale und eidgenössische Vorschriften. Sonst gibt es nichts Negatives zu berichten. Übrigens kam es während meiner Zeit bei all den Einsätzen zu nur einem einzigen Unfall. Das werte ich als grössten Erfolg.

Was war das für ein Unfall?

Ein Offizier zog sich Verbrennungen zu wegen unsachgemässem Umgang mit Brandbeschleunigern.

Am 1. Januar übernimmt Hans Rudolf Matter die fusionierte Zivilschutzorganisation. Was wünschen Sie sich von ihm?

Dass er die ausserkantonalen Einsätze beibehält. Ich bin aber sehr optimistisch: Die Organisation kommt in beste Hände.