Baden
Deshalb braucht es in Baden ein Ja zum Schulhausplatz

Die Stadt Baden steht vor einer der wichtigsten Abstimmungshürden, die es in den vergangenen Jahren zu nehmen galt. Über manches Geschäft - beispielsweise über eine Fusion - kann nach einem Scheitern später nochmals abgestimmt werden.

Roman Huber
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Nicht über die Neugestaltung Schulhausplatz. Am 27. November wird ein verkehrspolitischer Entscheid gefällt, der sich auf die unmittelbare Entwicklung der Innenstadt, aber auch auf die ganze regionale Verkehrssituation auswirken wird. Wer abstimmt, muss sich dieser Verantwortung bewusst sein.

Mit den Tatsachen muss man sich abfinden: Baden liegt in einer Klus, in einem Bezirk, der in den nächsten knapp 20 Jahren um 30000 Einwohner wachsen wird. Entsprechend werden Verkehrsvolumen und Mobilitätsbedürfnis zunehmen. Die Stadt wird in den nächsten Jahren ebenfalls als attraktiver Arbeits-, Einkaufs-, Wohn- und Freizeit-Standort an Bedeutung wachsen. Es ist darum wichtig, dass die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehrsmittel und für den motorisierten Individualverkehr gewährleistet wird. Dazu braucht es neben dem neu gestalteten Knoten Schulhausplatz und den Teilprojekten des Gesamtprojekts Baden Zentrum das vom Grossen Rat beschlossene Verkehrsmanagement.

Stimmen die Gemeinden Ja?

Begleitend sollen mit dem Mobilitätsmanagement die Pendler zum Umsteigen angehalten werden. Das ist notwendig, wenn der Wirtschaftsstandort weiter pulsieren soll. All diese Massnahmen sind mit dem Projekt Schulhausplatz abgestimmt. Bemerkenswert ist, dass sämtliche 19 Gemeinden von Baden Regio den Massnahmen zustimmen und ihren Anteil daran leisten.

Kanton und Stadt haben in einem langen Prozess gemeinsam mit allen Bevölkerungskreisen, deren Interessenvertretern und den verschiedenen Verkehrsbeteiligten ein gutes Projekt erarbeitet. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Kanton der Bauherr ist und letztlich Regie führt. Mit der vorliegenden Lösung ist jedoch die Stadt Baden sehr gut bedient. Das Projekt ist pragmatisch, finanziell und technisch realisierbar. Es stempelt keinen Verkehrsteilnehmer zum Verlierer. Im Gegenteil: Alle - vom Autofahrer bis zum Fussgänger - profitieren. Das ist ein Resultat des breit abgestützten Planungsprozesses.

Das ist das Nadelöhr

Die Zeit, um kleine Details zu verbessern, bleibt nach wie vor. Wer aber jetzt noch glaubt, er habe eine bessere Lösung, welche die gestellten Anforderungen erfüllen könne, hat entweder nicht aufgepasst oder ist Illusionist. Wer sich indes mit der Verkehrssituation in Baden befasst, merkt schnell, dass die Zufahrtsstrassen das Nadelöhr darstellen.

Selbst mit einer knotenfreien Verkehrsführung am Schulhausplatz liesse sich die Klus nicht beseitigen.
Wiederholt wird eine grossräumige Umfahrung der Zentrumsregion gefordert, sprich Baldeggtunnel. Diesen wird es wohl dereinst brauchen. Der Weg bis dorthin wird aber harzig sein und Jahre dauern. Doch am Schulhausplatz braucht es jetzt und heute eine Lösung.

Selbst die Nur-Sanierung bringt keine Besserung. Das Konzept der vorliegenden Lösung hingegen schöpft ein Optimum aus dem, was aufgrund aller Rahmenbedingungen möglich ist: Dank Bustunnel und Busrampe wird die Weite Gasse fast ganz verkehrsfrei. Die Innenstadt wird dadurch einen Entwicklungsschub erfahren.

Fussgänger werden entlastet

Der öffentliche Verkehr rollt nicht nur stadtauswärts schneller. Davon, dass die Hälfte von rund 100 Bussen unter den Schulhausplatz verschwinden wird, profitiert die andere Hälfte, die oberirdisch zügiger abgewickelt wird. Das Verkehrsmanagement mit der konsequenten Pförtnerung wird den stadteinwärts fahrenden Bus bevorzugen. Die Zuverlässigkeit von Bus und Postauto wird somit massiv verbessert.

Die Situation für Fussgänger - direkte Verbindungen - wird, wenn auch unterirdisch, bequemer und sicherer. Die Velos erhalten oberirdisch konsequent Radstreifen, und unterirdisch, na ja, da muss man die Abwicklung neben den Fussgängern wohl noch präzisieren. Für den Autofahrer erfolgt endlich die Korrektur der Einspurstrecken: Die Beziehungen zur Bruggerstrasse sind zweispurig geplant. So lassen sich die Durchfahrtszeiten des motorisierten Individualverkehrs reduzieren. Darum sei so viel gesagt - wenn sich auch noch Detailkorrekturen aufdrängen: Dieses Projekt bringt allen etwas, nicht zuletzt der Stadt, die städtebaulich aufgewertet wird.

Wer jetzt Nein sagt, sagt Nein zu einer besser erreichbaren, attraktiveren, wirtschaftlich prosperierenden Stadt. Wer Nein sagt, muss sich bewusst sein, dass er gleichsam Ja sagt zu Staus in der Innenstadt, Ja zu Bussen und den Tausenden von Fahrgästen, die nicht pünktlich an den Zielort gelangen, Ja zu höherer Luft- und Lärmbelastung auf den Eingangsachsen und im Zentrum, Ja zu mangelhaften Veloverbindungen, Ja zu tristen Fussgängerpassagen. Vom wirtschaftlichen Schaden ist ganz zu schweigen. Darum ist es müssig, an dieser Stelle noch über ein Kosten-Nutzen-Verhältnis diskutieren zu wollen. Nur dies: Wer Nein sagt, gibt sein Einverständnis dafür, dass am Schulhausplatz rund 25 Mio. Franken für eine simple Sanierung durch den Kanton verlocht werden. Darum: Ja zur Schulhausplatz-Vorlage.