Kinderbetreuung
Deshalb ist nach dem Mittagstisch in Wettingen Schluss

Die Diskussion war kontrovers, der Entscheid fiel klar: Mit 29 Nein- zu 19 Ja-Stimmen sprach sich der Einwohnerrat gegen durchgehende Tagesstrukturen an der Schule aus.

Nadja Rohner
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Marianne Rüegg, die Präsidentin des Vereins Tagesstrukturen hatte in ihrer Motion gefordert, die 22 bestehenden Betreuungseinheiten so umzuverteilen, dass an vier Nachmittagen eine durchgehende Betreuung bis 17.30 Uhr angeboten werden könnte. Zudem sollte die Betreuung allen Kindern zugänglich sein, und nicht wie bisher nur jenen, die am Nachmittag Unterricht haben.

«Es braucht Fremdbetreuung», sagte Thomas Meier (CVP), «die Motion geht allerdings in die falsche Richtung.» Meier und seine Partei bevorzugen eine Kombination aus Tagesfamilien, Tageshort, Krippenpool und Mittagstisch. «Bis im Sommer 2013 soll die Gemeinde einen Tageshort eröffnen, wo alle Primarschüler und Kindergärtner zentral betreut werden können», so Meier. «Die Schule könnte sich dann wieder auf ihre Hauptaufgabe, die Bildung und Ausbildung, konzentrieren.»

Leo Scherer (Wettigrüen) wies darauf hin, dass mit diesem Vorschlag bis 2013 eine Lücke entstehen würde. «Warum hat die CVP ihre Supervorschläge nicht schon vor einem Jahr gebracht? Dann hätten wir schon längst eine konstruktive Lösung.»

«Raum in Schulhäusern fehlt»

Einwohnerrats-Vizepräsident Marco Kaufmann, Fraktionsvorsteher EVP/Forum 5430, war Mitglied der Arbeitsgruppe, die sich mit den Tagesstrukturen befasste. «Ich bin für ein umfassenderes Angebot, aber die räumlichen, zeitlichen und politischen Rahmenbedingungen sind noch nicht optimal.» Konkret: «Der Raum in den Schulhäusern fehlt».

Auch Vizeammann Heiner Studer betonte, der Vorschlag des Gemeinderates sei das beste Modell, das sich auf nächsten Sommer mit den bestehenden Rahmenbedingungen realisieren lasse. Dieser sieht vor, statt 22 neu 13 Betreuungsstunden anschliessend an den Nachmittagsunterricht anzubieten. So wäre ein Schulkind jeden Vormittag und an mindestens zwei Nachmittagen betreut.

«Das reicht völlig aus», argumentierte Daniela Briner (SVP) im Namen ihrer Fraktion. «Die Schule ist keine Krippe. Es ist für ein Kind nicht zumutbar, in der Freizeit auch immer in der Schule sein zu müssen.» Den Argumenten des Gemeinderats und der bürgerlichen Fraktionen folgte letztlich die klare Mehrheit des Rats.

Volksinitiative wird lanciert

Scherer kündigte nach dem Nein zur Motion an, eine Volksinitiative für durchgehende Tagesstrukturen an fünf Wochentagen für alle Kinder zu lancieren. «Fragen wir das Volk, wie die Betreuung aussehen soll.» Marianne Rüegg zeigte sich «enttäuscht, aber nicht überrascht». Der Vorstand des Vereins Tagesstrukturen werde an der Mitgliederversammlung Ende November beantragen, den Leistungsvertrag mit der Gemeinde Wettingen auf den nächstmöglichen Termin aufzulösen.

Blockzeiten waren unumstritten

Auch nach dem Nein zur Tagesstruktur-Motion gibt es Verbesserungen bei der Betreuung in der Schule. Wettinger Primarschüler haben ab dem nächsten Schuljahr jeden Morgen von 8 bis 11.50 Uhr Unterricht. So will es eine Initiative aus dem Jahr 2010 - und so wollen es auch alle Einwohnerräte, von links bis rechts.

«Neue Lehr- und Lernformen halten Einzug», sagte Kirsten Ernst (SP). «Die geregelten Unterrichtszeiten bringen eine Beruhigung in den hektischen Schulalltag.» - «Wir sind klar für die grossen Blockzeiten», betonte Daniela Briner (SVP). «Sie sind zeitgemäss und vor allem für berufstätige Eltern eine Bereicherung.» Der Rat stimmte der Einführung der grossen Blockzeiten einstimmig zu und bewilligte alle notwendigen Kredite für die Umsetzung.

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