Aargauer Unternehmenspreis
Deshalb sind diese Betriebe die besten

Alle drei Firmen, die beim Aargauer Unternehmenspreis abräumten, stammen aus den Bezirken Baden und Zurzach. Die Publicare AG, die Lägerebräu AG und die Birchmeier Bau AG haben der «Schweiz am Wochenende» erzählt, was der Preis für sie bedeutet, wie sie gefeiert haben und welche Pläne sie für die Zukunft hegen.

Carla Stampfli, Stefanie Garcia Lainez und
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Braumeister Torsten Vullriede (links) und Brauer Manuel Amsler kontrollieren das Pale Ale der Lägerebräu AG in Wettingen.

Braumeister Torsten Vullriede (links) und Brauer Manuel Amsler kontrollieren das Pale Ale der Lägerebräu AG in Wettingen.

Alex Spichale

Auch der «Bestatter» trinkt ihr Bier

Ihre innovativen Ideen haben der Wettinger Lägerebräu AG zum Unternehmenspreis verholfen. Mit dem Preisgeld will die Brauerei ihre Projekte weiter vorantreiben.

Spätestens seit Mike Müller in «Der Bestatter» das Lägerebräu trinkt, ist das Wettinger Bier weit über die Region hinaus bekannt. Auch international ist die Kleinbrauerei bei Bierfreunden ein Begriff. Mit den Spezialbieren aus dem Holzfass gewann die Lägerebräu AG schon mehrmals Gold an der Bier-WM. Nun erhielt sie eine weitere Auszeichnung: Der Aargauische Gewerbeverband und die AKB verliehen Lägerebräu den Unternehmenspreis in der Kategorie Kleinstunternehmen bis neun Mitarbeiter.

Die AKB habe sie schon mehrmals angefragt, mitzumachen, sagt Verwaltungsratsmitglied Erik Aslaksen. «Jetzt war der Zeitpunkt reif – und wir konnten mehr als nur Bier bieten.» Die Brauerei ist stark am Wachsen, die Zahl der Aktionäre unterdessen auf 1200 angestiegen. Dass Lägerebräu den ersten Platz belegte, freut ihn sehr. «Das ist eine schöne Anerkennung für alle Mitarbeiter.» Und diese Auszeichnung helfe auch im Sinne des Marketings, ergänzt Aslaksen: «Es ist eine Bestätigung für Grossverteiler wie Coop oder Manor, die unser Bier in einzelnen Filialen in der Region verkaufen.»

Angefangen hat alles vor 17 Jahren in Mutters Küche: Der heutige Einwohnerrat Thomas Benz braute die ersten Sude und gründete 2003 mit ein paar Freunden die «LägereBräu». Das Bier wurde immer besser, die Nachfrage immer grösser. Also gründeten sie 2007 eine Aktiengesellschaft und quartierten sich in der alten Spinnerei in Wettingen ein. Innerhalb von zehn Jahren entwickelte sich die Lägerebräu zu einem erfolgreichen Unternehmen mit neun Vollzeitstellen – einer der Faktoren, den die Jury des Unternehmenspreises als sehr positiv bewertete. Im letzten Jahr machte die Firma 1,72 Millionen Franken Umsatz. «Das Ziel für 2017 liegt bei 2 Millionen Franken», sagt Aslaksen. Die Brauerei produziert mittlerweile fast 300 000 Liter Bier pro Jahr, daneben erzielt sie auch einen erheblichen Umsatzanteil mit dem Biergarten und dem Schalander, benannt nach dem Pausenraum der Bierbrauer.

Überzeugt hat die Lägerebräu die Jury auch mit ihren innovativen Ideen, dank derer das Unternehmen sich ständig weiterentwickelt. Im letzten Jahr eröffnete die Brauerei im ehemaligen Restaurant Löwen in Wettingen ihr Bieratelier. Und die preisgekrönten, im Fass gereiften Biere sollen in Zukunft als regelmässige Serie unter dem Namen «Meisterbier» erscheinen. Dafür will die Lägerebräu auch einen Teil des Preisgeldes von 10 000 Franken verwenden. «Wir sind gut unterwegs, investieren aber auch viel», sagt Aslaksen. «Denn die Konkurrenz schläft nicht.» Der Rest des Preisgeldes kommt den Mitarbeitern zu Gute: Die Firma organisiert einen Ausflug. Wohin, steht noch nicht fest.

Die Döttinger Birchmeier Bau AG reisst zurzeit die Gebäude im Bäderquartier in Baden ab.

Die Döttinger Birchmeier Bau AG reisst zurzeit die Gebäude im Bäderquartier in Baden ab.

Severin Bigler

Sie feierten wie die Römer

Die Birchmeier Bau AG hat im Thermalbad auf den Sieg angestossen. Das Preisgeld spendet die Döttinger Firma.

Es hat sich viel getan in den letzten Jahren bei der Döttinger Birchmeier Gruppe: Das Bauunternehmen hat verschiedene Tätigkeitsfelder so zusammengeführt, dass es vom Kiesabbau über Betonproduktion, Hoch- und Tiefbau bis hin zum Generalunternehmen sämtliche Leistungen des Bauens aus einer Hand anbieten kann. 150 neue Arbeitsplätze hat die Gruppe innerhalb von fünf Jahren geschaffen. Grund genug für den Aargauischen Gewerbeverband und die AKB, das Zugpferd und die älteste Firma der Birchmeier Gruppe letzte Woche auszuzeichnen: Die Birchmeier Bau AG gewann den Aargauer Unternehmenspreis in der Kategorie Industrie- und Produktionsunternehmen bis 250 Mitarbeiter.

«Wir haben viel erreicht», sagt Inhaber Markus Birchmeier, der die Firmengruppe in dritter Generation führt. «Der Zeitpunkt war perfekt, uns für den Unternehmenspreis anzumelden und die Firma von aussen bewerten zu lassen.» Dass es für den Sieg reichte, sei das Tüpfelchen auf dem i für die geleistete Arbeit und ein grosses Dankeschön für die Mitarbeiter. «Das ist ein grosser Meilenstein in unserer Geschichte und wird von unseren Kunden sicher positiv bewertet.» Schon nach der Preisverleihung habe man ordentlich gefeiert. Und am letzten Wochenende an der jährlich stattfindenden Kaderweiterbildung liessen es sich die Mitarbeiter in Baden nochmals so richtig gut gehen: «Am vorletzten Freitagabend mieteten wir den Limmathof, um zu baden und zu feiern, wie die Römer», sagt Birchmeier und lacht. «Das war sowieso so geplant. Dank unseres Sieges hatten wir aber noch einen Grund mehr anzustossen.» Das Preisgeld von 10 000 Franken investiert die Firma in eines ihrer Hilfsprojekte.

Die 1940 gegründete Unternehmung übernahm Markus Birchmeier von seinem Vater Georg «in gesundem und schlagkräftigem Zustand». Nach der Umstrukturierung und Neupositionierung sind heute acht Tochterfirmen unter dem Dach der Holding vereint. Über 350 Personen beschäftigt die Gruppe, 250 davon in der prämierten Birchmeier Bau AG. Viele davon sind langjährige Mitarbeiter, was neben dem guten Betriebsklima ebenfalls in die Bewertung der fünfköpfigen Jury eingeflossen ist. Auch in den Nachwuchs investiert die Gruppe. Alleine die Birchmeier Bau AG bildet zurzeit 26 Lehrlinge aus.

Rund 50 Baustellen stehen unter Federführung der Birchmeier Bau AG. Zu den grössten aktuellen Projekten gehört der Rückbau der Gebäude im Badener Bäderquartier. «Wir sind natürlich auch daran interessiert, die folgenden Hochbauarbeiten ausführen zu dürfen», sagt Birchmeier. Die Vergabe durch die Bauherrschaft steht aber noch aus. Ein neues wichtiges Projekt ist auch der Bau des Regionalen Alterszentrums Höfli in Bad Zurzach. Die Birchmeier Baumanagement AG hat den Zuschlag dafür erhalten. «Das ist der perfekte Bau – direkt vor der Haustüre, und wir können die gesamte Dienstleistungspalette der Birchmeier Gruppe damit ausschöpfen. Wegen einer hängigen Submissionsbeschwerde ist der Baustart aber zurzeit blockiert.

Seit 1993 liefert Publicare medizinische Hilfsmittel, wie jenes für die Versorgung eines künstlichen Darmausgangs.

Seit 1993 liefert Publicare medizinische Hilfsmittel, wie jenes für die Versorgung eines künstlichen Darmausgangs.

Zur Verfügung gestellt

Publicare spendet das Preisgeld

Für das Oberrohrdorfer Unternehmen, das medizinische Hilfsmittel vertreibt, ist die Auszeichnung Freude und Ansporn zugleich.

Zwischen 700 und 1000 Pakete täglich verlassen den Sitz der Publicare AG in Oberrohrdorf. Darin sind medizinische Hilfsmittel, die bei Inkontinenz, bei einem künstlichen Darmausgang, bei einer künstlichen Öffnung der Luftröhre und zur Wundbehandlung zum Einsatz kommen. Letzte Woche nun wurde das Unternehmen, zu dessen Kunden Privatpersonen, Ärzte, Spitex-Organisationen, Therapeuten und Krankenkassen gehören, prämiert: Die Publicare AG konnte in der Kategorie Dienstleistungs- und Handelsunternehmen bis 250 Mitarbeitende den diesjährigen Aargauer Unternehmenspreis entgegennehmen.

«Als verkündet wurde, dass wir gewonnen haben, waren wir freudig überrascht. Damit hätten wir nicht gerechnet», sagt Geschäftsleiter Martin Künzler. Auch weil mit den anderen Nominierten der Kategorie – der Reap AG aus Remetschwil und der KSL Ingenieure AG aus Kirchdorf – die Konkurrenz gross war. «Für uns ist der Preis eine Bestätigung, dass wir in der Vergangenheit vieles richtig gemacht haben.»

Gleichzeitig sei die Auszeichnung aber auch ein Ansporn für die Zukunft. «Das Gesundheitswesen befindet sich in einem Wandel», erklärt Künzler und fügt hinzu: «Statt in einer Pflegeinstitution leben Menschen heute länger zu Hause.» Die Herausforderung der Publicare AG bestehe nun darin, die neuen Bedürfnisse aufzuspüren – und dadurch ihr Produkteportfolio und ihre Dienstleistungen weiterzuentwickeln.

Auf den Aargauer Unternehmenspreis hat das Unternehmen, das 1993 von Walter und Silvia Signer in Bellikon gegründet wurde, zahlreiche Rückmeldungen erhalten – von Privat- und Geschäftskunden, aber auch von Regierungsrat Urs Hofmann (SP). «Für die Wertschätzung, die uns entgegengebracht wird, sind wir sehr dankbar», sagt Künzler. Nun würde man sich freuen, wenn die Firma in der Region verstärkt wahrgenommen würde. Denn: Dadurch, dass das Unternehmen keine Lifestyle-Produkte vertreibt, sei man hauptsächlich bei der Zielgruppe bekannt, also nur bei der Kundschaft, die auf dessen Produkte und Dienstleistungen angewiesen sei.

Noch hat das Unternehmen, das pro Jahr rund 56 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet und über 80 Mitarbeiter beschäftigt, keine Zeit zum Feiern gehabt. «Das werden wir aber sicher nachholen», sagt Martin Künzler, der die Geschicke der Publicare AG seit 2006 führt. Klar ist auch: Das Preisgeld von 10 000 Franken wird für einen guten Zweck gespendet. «Der Betrag soll anderen zugutekommen, die es nötiger haben als wir», so der Geschäftsleiter der prämierten Firma.

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