Neuenhof
Dicke Post für «Sonnmatt»-Bewohner

Auch die Bewohner der Alterssiedlung «Sonnmatt» müssen jetzt nebst der Miete eine Pauschale für betreutes Wohnen bezahlen. Die Betroffenen sind entrüstet.

Roman Huber
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Als betreute Alterssiedlung ist die «Sonnmatt» nur mit zusätzlicher Pauschale existenzfähig. walter schwager

Als betreute Alterssiedlung ist die «Sonnmatt» nur mit zusätzlicher Pauschale existenzfähig. walter schwager

Die Mieter der Alterssiedlung Sonnmatt in Neuenhof haben dieser Tage ein Schreiben erhalten. Darin kündigt der Vorstand an, dass ab April zur Miete eine monatliche Pauschale pro Person von 180 Franken für betreutes Wohnen dazugeschlagen werde. Ein Ehepaar bezahlt 360 Franken mehr im Monat. Dem Schreiben lag die Zusatzvereinbarung bei, die es zu unterschreiben gilt.

Neue Pflegefinanzierung

«Wollen wir alten Leuten, die eine Pflege benötigen, die Möglichkeit geben, im Dorf zu bleiben, dann kommen wir nicht darum herum», sagt Urs Humbel, Apotheker und Präsident des Vereins für Alterssiedlungen. Er macht vor allem das neue Gesetz der Pflegefinanzierung dafür verantwortlich, dass diese Pauschale nun erhoben werden müsse.

Die «Sonnmatt» ist zwar eine Alterssiedlung mit Mietwohnungen und kein Altersheim, verfügt aber im ersten Geschoss über eine Pflegeabteilung mit rund 24 Betten. So ist auch für die Bewohner in der Nacht oder an Wochenenden bei Bedarf oder im Notfall die Pflege sichergestellt. Mit dem neuen Gesetz muss die «Sonnmatt» nun die Vollkostenrechnung machen. Das heisst, dass die Bewohnerinnen und Bewohner die ganzen Kosten zu tragen haben.

Entrüstung bei Betroffenen

Die Botschaft kam überraschend. An einer Vereinsversammlung war davon nie die Rede. Spitex-Präsident Anton Lütolf hat mit dem Vorgehen ebenfalls Mühe. Die Spitex habe davon nichts gewusst; die Leistungen der Spitex würden aber beibehalten, sagt Lütolf. Ältere Leute, die zurzeit keine Pflege in Anspruch nehmen, verstehen es nicht, warum sie plötzlich so viel mehr bezahlen müssen. «Leute, die ein Leben lang gearbeitet haben und schon Ergänzungsleistungen beziehen müssen, sind nun gar auf Sozialhilfe angewiesen. Das ist nicht in Ordnung», sagt Erna Becher, Mieterin in der «Sonnmatt».

Einer Kündigung sieht sie gelassen entgegen. Sie sei willkürlich und könne angefochten werden. Es gäbe ein längeres Verfahren, bei dem die Kündigungsfrist mehrmals erstreckt würde. Becher rät auch den Mieterinnen und Mietern, «sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen».

Neuenhof war bislang Sonderfall

Andere Altersheime mit ähnlichen Strukturen haben die Pauschale schon längst eingeführt. Im «Gässliacker» in Nussbaumen beträgt sie ebenfalls 180 Franken, im «Kehl» (Baden-Ennetbaden) sind es gar 250 Franken, allerdings mit zusätzlichem Leistungsangebot. Jetzt sei dieser Schritt auch in der «Sonnmatt» unumgänglich, erklärt Urs Humbel. Er versteht zwar den Unmut über die höheren Kosten, hofft aber auf Verständnis. Am 10. Februar gibt es für die Betroffenen einen Informationsanlass.

Auch wenn Mieter im jetzigen Zeitpunkt keine Pflege benötigen oder ihnen die Dienstleistungen der Spitex ausreichen würden, müssen sie vielleicht später den Pflegeservice im Haus in Anspruch nehmen. Das könne in der Nacht oder am Wochenende sein. «Diese Leistung rund um die Uhr kann nur die Pflegeabteilung erbringen. Doch sie kostet etwas», fügt Humbel an.

Auch andere Betreuungsarbeit

Man habe festgestellt, dass nahezu alle Bewohner schon Mal die Pflege im Hause benötigt hätten. Dies mache ja den Unterschied zu einer gewöhnlichen Wohnsiedlung aus, so der Präsident. Ohne Pauschale müsste man laut Humbel die Pflegeabteilung in der Sonnmatt schliessen. Wesentlich sei auch die Betreuung, die für die Bewohnerinnen und Bewohner in grossem Umfang durch die Verwaltung mit Astrid Hutzli und Edith Allemann wahrgenommen werde, ergänzt Humbel. Der Aufwand dieser beiden Personen für die Hilfe bei Alltagsproblemen sei beträchtlich. Müsste man die Pflegeabteilung schliessen, würde auch viel Arbeit der Verwaltung wie Buchhaltung, Lohnbuchhaltung usw. wegfallen.

Urs Humbel hofft, dass man Verständnis zeige und dass die Informationen am 10. Februar alles klären würden. «Es könnte Härtefälle geben, bei denen wir eine Kündigung aussprechen müssten.» Er betont aber, dass keine Alternative da sei. Ob man die Pflege brauche oder nicht: «Der Vorstand muss das betreute Wohnen mit dieser Pauschale einführen.»