200 Jahre Ennetbaden

Dicke Post zum Jubiläum: Sondernummer der «Ennetbadener Post» zur grossen Feier

Szene aus dem alten Ennetbaden: Das Café Brunner (später «Schief») und die Michaelskapelle vor dem Abriss 1966.

Szene aus dem alten Ennetbaden: Das Café Brunner (später «Schief») und die Michaelskapelle vor dem Abriss 1966.

Kurz vor dem grossen Dorffest zur 200-Jahr-Feier erscheint die «Ennetbadener Post» in einer Sondernummer.

Nur noch eine knappe Woche bis zum grossen Ennetbadener Dorffest: Am nächsten Wochenende feiert die Gemeinde auf dem Postplatz, dem Parkhausdeck und an der Badstrasse das 200-Jahr-Jubiläum ihrer Unabhängigkeit von der Stadt Baden – mit Dutzenden Festbeizen, dem zweiten Teil der Theatertrilogie «Ännet!» sowie zahlreichen Konzerten und Veranstaltungen.

Seit dieser Woche gibt es nun auch eine gute Lektüre, um sich geistig auf die Feier einzustimmen: Die «Ennetbadener Post» ist in einer Sondernummer mit deutlich mehr Umfang und höherer Auflage als sonst erschienen. Sie richtet sich explizit auch an einen Leserkreis jenseits der Gemeindegrenzen.  

Entstanden ist die «EP», wie sie gerne abgekürzt wird, einst als erweitertes Mitteilungsblatt der Gemeinde. Das ist sie noch heute, aber dank dem Engagement von Redaktor Urs Tremp ist sie seit Jahren weit mehr als nur Informationsblatt. Sie wird gern gelesen und ist stets angereichert mit Porträts, Kolumnen und Lokalhistorischem.

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Im Editorial der erweiterten Spezialausgabe schreibt Urs Tremp, 1819 habe sich wohl niemand vorstellen können, dass man dereinst den 200. Jahrestag der Trennung von Baden feiern würde. Der Badener Stadtarchivar Andreas Steigmeier schreibt in seinem Beitrag, wie schwierig das Verhältnis zwischen dem kleinen Weinbauerndorf und dem stolzen Badener Bürgertum vor der Trennung in der Zeit der Helvetik war (Fazit: «Es ist kompliziert»). Die Rechtsverhältnisse waren seit dem Spätmittelalter zersplittert, wie es Steigmeier schreibt. Die Ennetbadener organisierten sich in der sogenannten Gerechtigkeitsgenossenschaft, die erst 2011 aufgelöst wurde.

Der Entscheid zur Trennung fiel schliesslich 1819, drei Tage vor Weihnachten, in Aarau. Historiker und Verleger Bruno Meier beschreibt die radikale Aufräumstimmung, die in jener Zeit in der Stadt Baden herrschte. «Das Neue sollte Platz finden, das alte Zeug musste weg», so Meier. Zum alten Zeug gehörte eben auch das arme Ennetbaden. Aber auch die Standesscheiben aus dem Tagsatzungssaal oder der Lettner und die spätgotischen Altäre in der Stadtpfarrkirche mussten dran glauben.

Die Katholiken dies- und jenseits der Limmat blieben dagegen bis heute stets in einer Kirchgemeinde verbunden. Die Geschichte der Gemeinde – ein Umbruch war der Abriss der alten Michaelskapelle und der Bau der neuen, betonbrutalistischen Kirche St. Michael – ist nachzulesen im Abdruck eines Aufsatzes von Historiker Otto Mittler (1889–1970), den dieser zur Weihe der neuen Kirche im August 1966 schrieb. Das neue Gotteshaus wurde in einer Zeit geplant, als man von 10 000 Ennetbadenerinnen und Ennetbadenern um das Jahr 2000 ausging. Heute zählt die Gemeinde rund 3600 Einwohner.

Die «Türkengefahr» vor den Toren der Stadt

Weitere lesenswerte Beiträge befassen sich mit der turbulenten politischen Zeit zwischen der Französischen Revolution bis nach dem Sturz Napoléons 1815, mit den Vorurteilen der Badener gegenüber den bedrohlichen «Türken» jenseits der Schiefen Brücke und mit der Limmat als Grenzfluss und Lebensader.

Die Sondernummer der «EP» wird abgerundet mit spannenden Kurzporträts von 16 Ennetbadener Persönlichkeiten, die über die Region hinaus gewirkt haben – darunter Architektin Lisbeth Sachs, Malerin und Autorin Edith Oppenheim-Jonas, Architekt Eugen Schneider, Radiofrau Silvia Sempert, Lichtdesigner Willy Hans Rösch, Fotografin Anita Niesz oder Carl Schmid – der Erfinder des Fixpencils, des Stifts mit versenkbarer Mine, der von Pablo Picasso genauso geschätzt wurde wie auch heute noch von Mario Botta.

Meistgesehen

Artboard 1