Baden

Die 100-jährige Synagoge zieht Politiker und Energiepapst an

Mit Gästen aus der ganzen Welt feierten 200 Gläubige der Israelitischen Kultusgemeinde Baden am Sonntag das Jubiläum ihrer Synagoge. Es sprachen unter anderem Regierungsrat Urs Hoffmann, Stadtrat Roger Huber und Medienunternehmer Sacha Wigdorovits.

Rund 200 Gläubige haben sich am späten Sonntagnachmittag in Baden getroffen, um gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde das 100-jährige Bestehen der Synagoge zu feiern. Der Präsident der Gemeinde Josef Bollag begrüsste die Anwesenden mit dem traditionellen Schofarhorn.

Bollag übergab das Wort an Rabbi Aron Müller und Michael Kohn, den ehemaligen Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Diese sprachen gemeinsam den im Judentum üblichen Segensspruch und wünschten allen Gesundheit, Weisheit, Wohlstand und Frieden. Der auch als Energiepapst bekannte Kohn überraschte die Gemeinde daraufhin mit einer Spende von 20'000 Franken.

Diese Feier habe zwei Gründe, sagt Josef Bollag. Zum einen danke man dafür, dass die Synagoge den Vernichtungsschlägen des Zweiten Weltkriegs standgehalten habe und zum anderen «ist die Synagoge ein heiliger Ort ist für alle Menschen».

Medienmogul als Redner

Dementsprechend sprachen während der Feier verschiedene Redner. Diese äusserten sich zur Integration der Juden in Baden und erzählten von der Entstehung des Gotteshauses im Jahr 1913. Unter den Rednern waren Regierungsrat Urs Hofmann, Stadtrat Roger Huber und Medienunternehmer Sacha Wigdorovits. Die Familie des Unternehmers, der unter anderem die Gratis-Zeitung «20 Minuten» mitgegründet hat, ist 1941 aus dem jugoslawischen Zagreb in die Schweiz geflohen.

Das Publikum schmunzelte, als Zahlen und Fakten über die damaligen Kosten der Synagoge vorgebracht wurden. Das Grundstück, auf dem die Synagoge steht, kostete damals 23'000 Franken, der Bau 32'000 Franken. Die Mieten für die Bethäuser – diese existierten, bevor es der jüdischen Gemeinde erlaubt wurde, eine eigene Synagoge zu bauen – lagen bei 320 Franken pro Jahr. Die Qualität des Gebäudes hat an den aus heutiger Sicht geringen Kosten nicht gelitten. Nicht nur ist es die einzige Synagoge, deren Kuppel
der Davidstern ziert, auch die Tapisserien im Inneren sind alle noch original.

Kleine, aber offene Gemeinschaft

Immer wieder wurde betont, dass die Gemeinde zwar eine kleine, dafür aber eine herzliche und familiäre Gemeinschaft sei. Ausserdem sei sie offen für verschiedene religiöse Ausrichtungen des Judentums. Begleitet wurde das Fest von meist auf Hebräisch vorgetragenen und teilweise eigens für diesen Anlass komponierten Liedern.

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