Unterschiedlicher könnten zwei Länder kaum sein: Hier, das Alpenland Schweiz – eines der reichsten Länder der Welt. Dort, rund 4700 Kilometer von Baden entfernt, der Inselstaat Kap Verde – wo eine Dusche keine Selbstverständlichkeit ist und die Menschen hauptsächlich von der Landwirtschaft leben. Auf einer der neun bewohnten Inseln lebt Maria Ressureição Silva, kurz «Sonja». Sie ist Profi-Fussballerin und spielt bis Ende Oktober in der 2.-Liga-Frauenmannschaft des FC Baden. Doch warum setzen die Badener ausgerechnet auf eine afrikanische Fussballerin?

Vor fünf Jahren beschloss der FC Baden, ein Projekt auf den Kap Verden zu unterstützen. Präsident Thomi Bräm: «Der Verein ‹bd sport active› fragte uns bezüglich einer Zusammenarbeit mit der Fussball-Akademie auf den Kap Verden an. Wir haben uns damals entschieden, dieses humanitäre Projekt mit Material und Manpower zu unterstützen.» Bräm selber besuchte die Akademie 2015 und war beeindruckt von der Arbeit: «Ich habe aber auch gesehen, dass die Akademie und der Vorstand von ‹bd sport active› personell dünn besetzt sind. Wir wollen mithelfen und die Situation weiter verbessern.»

Zuverlässig und einsatzfreudig

Mit der 23-jährigen Sonja weilt nun erstmals eine Sportlerin aus der Akademie in der Schweiz. Eine gute Gelegenheit, um endlich einen Vergleich mit den Fussballerinnen aus Baden zu ziehen, meint Beat Clerc, Präsident der Fussballschule im afrikanischen Inselstaat. «In Kap Verde haben wir keine Anhaltspunkte, wie gut unsere Spieler und Spielerinnen tatsächlich sind», sagt er.

Clerc gründete die Fussballschule 2009 und lebt heute noch sechs Monate im Jahr in Kap Verde. Sonja gehört seit 2010 der Akademie an. Sie habe sich durch grossen Einsatz und Zuverlässigkeit ausgezeichnet. «Darum habe ich sie für den dreimonatigen Aufenthalt in der Schweiz ausgewählt – auch als Belohnung.»

Anfang August kamen die beiden in die Schweiz. Bis Sonja allerdings in Zürich mit dem Flugzeug landete, war es ein langer und steiniger Weg. Sie musste erst nach Senegal reisen, um ein Touristenvisum für die Schweiz zu beantragen, weil es auf den Kap Verden keine Schweizer Botschaft gibt. Mit der Unterstützung des FC Baden erhielt sie die Bewilligung und wohnt nun seit rund drei Wochen bei der Familie Clerc in Oberentfelden. Schon bald soll Sonja in die Stadt Baden zu einer Bekannten des Vereins ziehen, um schneller im Esp zu sein. «Das erste Training machte nicht so Spass. Es regnete und ich fror am ganzen Körper», erzählt Sonja, die im Mittelfeld spielt. Sie spricht kreolisch und portugiesisch. In der Schule hat sie auch Französisch und Englisch gelernt. «Diese Sprachen habe ich aber wieder verlernt», sagt sie mit schüchterner Stimme.

Austauschspielerin aus Afrika

Die 23-jährige Sonja vom Inselstaat Kap Verde trainiert für ein paar Wochen bei den Frauen des FC Baden und erfährt einen kleinen Kulturschock.

Das Team habe sie gut aufgenommen. Nur die Sprache sei noch ein grosses Problem: «Im Augenblick kommunizieren wir nur durch Gesten.» Die Sprachbarriere hat auch schon zu einer lustigen Anekdote geführt. Clerc: «Als ich Sonja nach ihrem ersten Training abholte, zitterte sie am ganzen Körper. Sie hatte sich nicht
getraut, ihre Mitspielerinnen zu fragen, wie die Dusche funktionieren – und darum hat sie mit eiskaltem Wasser geduscht.»

Sonja ist auch Trainerin

Nach diesen Startschwierigkeiten hat sich Sonja gut in die neue Welt eingelebt. Mit der Ehefrau von Beat Clerc hat sie bereits die Hauptstadt Bern und die Altstadt von Aarau besucht. Sonja schwärmt von der Schweiz: «Hier ist alles so gut organisiert und aufgeräumt. Ganz anders als bei mir zu Hause.» In Santiago, wo sie wohnt, herrschen ärmliche Verhältnisse. Das Trinkwasser ist knapp. «Bei Meisterschaftsspielen können wir nicht einmal duschen», erzählt sie.

Die fleissige Afrikanerin hilft zu Hause auf den Kap Verden ihrer Mutter viel im Garten, wenn sie nicht gerade auf dem Fussballplatz steht. Neben ihrer Karriere als Fussballerin trainiert sie in der Fussballschule auch noch Kinder, was ihr grossen Spass bereitet. In ihrer spärlichen Freizeit singt sie gerne. Eine Kostprobe ihrer musikalischen Ader will sie aber nicht geben. Sonja lächelt verlegen und streicht sich die langen, schwarzen Haare aus dem Gesicht.

Eine Woche ist es her, als Sonja ihr Debüt im Auswärtsspiel in Bremgarten gab. Zufrieden mit ihrem Einstand war sie aber nicht: «Ich kann definitiv noch mehr», sagt sie angriffslustig. Am Samstag läuft sie erstmals im heimischen Esp ein. Die Badener Frauenequipe trifft um 20 Uhr auf den FC Windisch. Sonja hofft wieder auf einen Einsatz. Sie ist nicht nur zum Spass in der Schweiz: «Mein Traum ist es, im Ausland professionell Fussball zu spielen – am liebsten für den FC Porto.»