Baden

Die Anhänger des Kino Royal wollen für ihr Juwel kämpfen

Genau vor drei Jahren startete der Kulturbetrieb im Royal. Archiv Az

Genau vor drei Jahren startete der Kulturbetrieb im Royal. Archiv Az

Bis spätestens Mitte 2016 soll der Kulturbetrieb im Badener Kino Royal eingestellt werden. Die Meldung des sich abzeichnenden Endes des Kulturbetriebs im «Royal» sorgt für Emotionen

Genau heute vor drei Jahren hat der als Zwischennutzung angelegte Kulturbetrieb im ehemaligen Kino Royal seinen Betrieb aufgenommen. Doch nach einer rauschenden Geburtstagparty ist den Verantwortlichen nicht zumute. Denn Ende letzter Woche wurde bekannt, dass das Gebäude zwar entgegen der ursprünglichen Pläne der Eigentümerin stehen bleibt und nicht einer Gesamtüberbauung weichen muss, der Kulturbetrieb aber spätestens Mitte 2016 eingestellt werden muss.

Die Reaktionen auf diese Nachricht liessen nicht lange auf sich warten. Auch auf dem az-Newsportal gaben Leser ihrem Frust Ausdruck. So schrieb ein Leser: «Ein weiteres Stück Kultur wird in Baden dem Erdboden gleichgemacht und schafft so Platz für noch mehr schnöde Verkaufslokale. Bravo, wirklich toll gemacht.»

Die Betriebsgruppe sprach von einer «Schockstarre», welche die Nachricht ausgelöst habe. Doch den Kopf wollen die Betreiber nicht in den Sand stecken. «Noch lebt der Kulturbetrieb Royal weiter. Wir alle werden uns in der verbleibenden Zeit mit noch mehr Herzblut engagieren, damit das Royal unvergessen bleibt und in unseren Köpfen und Herzen für immer weiterlebt», heisst es in einem Communique.

Doch auch kämpferische Töne sind zu vernehmen. «Vielleicht fordert gerade die 25-jährige Perspektive uns auf, erst recht für dieses Kulturjuwel zu kämpfen, Ideen auszuhecken und neue Pläne zu schmieden, damit Baden nicht zur Wüste wird.» Damit sprechen die Betreiber den Zeithorizont von 25 Jahren an, den Jean-Pierre Gallati, Anwalt der Grundeigentümerin, letzte Woche preisgab. Man plane, im Royal Verkaufsläden mit verlängerten Öffnungszeiten für den täglichen Bedarf einzurichten.

Was genau geplant sei und was für ein Ladenmix der Eigentümerin vorschwebt, war von Gallati nicht zu erfahren. Auch nicht, ob tatsächlich mit einem Tankstellen-Shop gerechnet werden müsse. Doch genau dieses Szenario malen die Betreiber: «Einen 24/7-Tankstellenshop zwischen die alten Mauern zu quetschen, grenzt an ein Massaker.» Der wohl älteste noch genutzte Kinosaalbau der Schweiz werde zur ausgekernten Fassadenmaskerade amputiert, heisst es in Mitteilung weiter. Kurz: «Shoppingtempel im Denkmalmantel.» Auf Nachfrage relativiert Fränzi Biedermann von der Betriebsgruppe: «Ein Tankstellenshop ist einfach unsere absolute Horrorvision.»

Doch noch Unterschutzstellung?

Hoffnung setzen die Betreiber in die Stadt, wie der Medienmitteilung zu entnehmen ist. «Vielleicht entschliesst sich die Stadt ja doch, den wiederholten Empfehlungen der Denkmalschutzbehörde nachzukommen und das Gebäude unter Schutz zu stellen?» Doch was würde das ändern, jetzt wo feststeht, dass das Gebäude (zumindest vorläufig) ja ohnehin stehen bleiben soll? «Wir haben die Hoffnung, dass die Fassade zumindest nicht mit einer Fensterfront ruiniert werden oder anderswie ausgeschlachtet werden könnte, wenn das Gebäude unter Schutz gestellt würde», sagt Biedermann. Zudem würde es eine Unterschutzstellung erschweren, die Pläne mit den Verkaufsläden auch tatsächlich zu realisieren.

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