Fislisbach

Die App dieser Aargauer erobert Schweizer Schulen – und verdrängt Whatsapp

Elias Schibli, Reto Kaspar und Aljoša Bilic (v.l.) haben sich dazu aufgemacht, das Leben von Lehrern und Eltern zu erleichtern.

Elias Schibli, Reto Kaspar und Aljoša Bilic (v.l.) haben sich dazu aufgemacht, das Leben von Lehrern und Eltern zu erleichtern.

Immer mehr Schulen aus der Region führen «Klapp» ein, um den Austausch mit den Eltern zu vereinfachen.

Kurz vor den Sommerferien wurden die Eltern von Gebenstorfer Primarschulkindern dazu aufgefordert, die «Klapp»-App zu installieren. Ab sofort laufe die ganze Kommunikation zwischen Schule und Eltern über das «Klapp»-Portal. Erster Gedanke: Nein, bitte nicht noch eine App mehr. «Das ist eine der häufigsten ersten Reaktionen, die uns begegnen», erklärt der Fislisbacher Elias Schibli (42) lachend.

Er ist einer von drei Gründungsmitgliedern der Klapp GmbH mit Sitz in Fislisbach. Aber: «Klapp ist viel mehr als eine App», erklärt er. Es sei eine gesamtheitliche digitale Lösung, über die Nachrichten, Dokumente und Termine einfach versendet werden können. «Auch für Personen ohne Smartphone», versichert er.

Ein wenig Skepsis schlägt ihm auch von Lehrpersonen entgegen, wenn er «Klapp» an den Schulen zum ersten Mal vorstellt. Doch die Skepsis habe sich bisher immer schnell in Luft aufgelöst: «Wir wollen das Leben von Eltern und Lehrpersonen ja nicht komplizierter machen, sondern vereinfachen.» Und das tun sie offensichtlich: Nach einer Testphase im Frühling in zwei Klassen sei die Schule Gebenstorf so begeistert gewesen, dass sie «Klapp» für das neue Schuljahr 2019/2020 definitiv einführte: «Die Schulleitung ist davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist», so Schibli. 

Ebenso überzeugt hat die Lösung auch die Primarschulen in Obersiggenthal und Wettingen und weitere Schulen in anderen Kantonen, in Zürich, Luzern und Zug. Inzwischen sind es mehr als 50 Schulen in der ganzen Deutschschweiz, 1500 Lehrpersonen und Eltern von rund 15 000 Schülern, die «Klapp» nutzen.

Elias Schibli, der Vater von drei Schulkindern ist, freut sich über den Erfolg von «Klapp», das sozusagen in der Küche entstanden ist. So seien er und sein Schwager Reto Kaspar (36), auch er in Fislisbach wohnhaft, eines Abends gemeinsam am Tisch gesessen und hätten den mit Schuldokumenten volltapezierten Kühlschrank betrachtet: «Wir fanden, dass das doch einfacher gehen müsste.»

Zum Beispiel mit einer digitalen Lösung inklusive App. Bald darauf machten sie ernst: Sie holten mit Aljoša Bilic (32) aus Zürich einen Mann mit den ihnen noch fehlenden Fähigkeiten an Bord. Er ist ein Bekannter der beiden und für Architektur und Entwicklung der App zuständig. Das war vor drei Jahren. Seither hat sich viel getan. Anfang 2018 wurde aus dem Projekt eine GmbH, die Klapp GmbH. 

Kommunikation über Whatsapp erübrigt sich

Wenn der ehemalige IT-Sicherheitsmann Schibli über «Klapp» spricht, ist er ganz in seinem Element. Man merkt, dass er die Vorzüge mehrmals pro Woche Interessenten oder an Schulen präsentiert. Schibli und sein Team sind fleissig in der Region, aber auch in anderen Kantonen unterwegs. Und auch wenn zumeist Interesse da ist, seien die Wege teilweise sehr lang, bis eine Entscheidung für oder gegen «Klapp» getroffen werden könne.

«Schliesslich ist es auch eine Budgetfrage», sagt er. Seine Erfahrung habe gezeigt, dass es für öffentliche Schulen wichtig sei, dass die Eltern nichts für «Klapp» bezahlen müssen. Der Preis sei aber sehr moderat, findet Schibli: «Im Grunde ist es gratis, berücksichtigt man den Zeitgewinn und den sinkenden Papierverbrauch.» 50 Rappen pro Monat und Schüler kostet «Klapp» eine Schule.

Schibli und seine Mitstreiter treffen mit dieser Lösung einen Nerv der Zeit. Für ihn als Familienvater sei es sehr viel angenehmer, wenn er nicht immer alle Unterlagen zusammensuchen müsse, sondern sie ganz praktisch an einem Ort aufrufen könne. Für Hans Jürg Grunder, Schulleiter an der Schule Tannegg in Baden, überzeugt die «Klapp»-Lösung auch aus einem anderen Grund: «Ich wollte an der Kommunikation mit den Eltern, die oft über Whatsapp lief, etwas ändern.»

Da hätten zu den unmöglichsten Zeiten in den Gruppenchats Diskussionen unter den Eltern stattgefunden. «Ich wollte die Lehrpersonen davor schützen.» Als Grunder das erste Mal von «Klapp» hörte, sei er von der Idee sogleich angetan gewesen. Für ihn als Schulleiter und auch für die Lehrpersonen habe die Einführung nur Vorteile gebracht: «Auch der Papierkrieg, also der ganze administrative Aufwand, hat sich auf ein Minimum reduziert.»

«Klapp» sei in vielerlei Hinsicht ein gutes Tool, auch um den Eltern rasch wichtige Mitteilungen überbringen zu können – als Beispiel bringt er den Bombenalarm im Manor vom November 2018: «Da konnte ich mit nur einer Nachricht und einem Klick alle Eltern darüber informieren, dass ihre Kinder später zur Schule kommen sollen.» Ansonsten hätte er erst alle Lehrpersonen darüber informieren und diese danach die Nachricht an die Eltern weiterleiten müssen: «So ging das viel schneller und einfacher.»

Primarschule Baden

rüstet auf

Die Badener Primarschule Tannegg gehört, wie auch die in Fislisbach, Untersiggenthal und Oberrohrdorf, zu den Pionierschulen von «Klapp». Mit den gewonnenen Erkenntnissen an diesen Schulen konnten die drei Gründer das Portal weiterentwickeln, damit es den Ansprüchen der Schulen genügt.

Schulleiter Grunders Begeisterung und die positiven Rückmeldungen der Eltern führen nun dazu, dass ab 1. Januar 2020 auch die anderen Badener Primarschulen nachziehen: Dann wird «Klapp» in Dättwil, Kappelerhof, Meierhof und Rütihof eingeführt.

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