Spreitenbach
«Die Ärztliche Betreuung ist sehr gut»: Arzt verteidigt Senevita-Heim

Nach den Vorwürfen gegen das Spreitenbacher Senevita-Pflegeheim Lindenbaum meldet sich nun der zuständige Arzt zu Wort und betont: «Die ärztliche Betreuung ist sehr gut.»

Sabina Galbiati
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Senevita Lindenbaum

Senevita Lindenbaum

Alex Spichale

Nachdem ehemalige Angestellte und eine Angehörige einer Bewohnerin vergangene Woche unter anderem die ärztliche Betreuung im Senevita-Pflegeheim Lindenbaum in Spreitenbach kritisiert haben, meldet sich nun der zuständige Arzt des Pflegheims zu Wort. Hausarzt Karl Ehrensperger arbeitet seit März 2015 mit seiner Praxis für das Senevita Lindenbaum und betreut rund 60 Prozent der Bewohner. Gegenüber dem «Badener Tagblatt» sagt er: «Dass die Bewohner im Senevita-Heim Lindenbaum ungenügende ärztliche Betreuung erhalten, stimmt nicht und ist auch nicht spezifisch für das Senevita Lindenbaum.»

Zur Erinnerung: Im einen Fall beschreibt eine Angehörige, wie ihre Mutter nach einem Sturz immer schlechter gehen konnte, was dem Pflegepersonal aber nicht aufgefallen sei. «Zwar wurde ihr Ellenbogen kurz nach dem Sturz verarztet, doch man hätte merken müssen, dass sie auch Rückenschmerzen hat, die immer schlimmer werden», so die Angehörige. Spätestens als sie kaum mehr laufen konnte, hätte das Pflegepersonal den Arzt nochmals konsultieren müssen.» Als der Zustand nicht mehr tragbar gewesen sei, habe sie ihre Mutter zum Hausarzt ausserhalb des Pflegheims und anschliessen ins Röntgeninstitut Baden gebracht. «Dort stellte man fest, dass meine Mutter einen Lendenwirbel angerissen hatte», erzählt die Angehörige. Im zweiten Fall beschreibt eine ehemalige Angestellte, dass ein Bewohner mit hohem Fieber ungenügende ärztliche Versorgung erhalten habe. Die Angehörigen hätten die Stationsleitung darauf angesprochen, wobei es hiess, ein Arzt habe den Bewohner untersucht und es bestehe kein Grund zur Sorge. «Die Angehörigen riefen daraufhin den Hausarzt an, der vorbeikam und den Bewohner gleich in die Notaufnahme schickte, wo eine Lungenentzündung und eine Blutvergiftung festgestellt wurden», erzählt die ehemalige Angestellte.

«Diagnostik ist komplizierter»

Die beiden Fälle kennt Ehrensperger zwar nicht, «ich habe aber Verständnis für die Angehörigen und dass sie sich sorgen», sagt er. «Dennoch ist die ärztliche Betreuung im Pflegeheim Lindenbaum sehr gut. Auch meine Erfahrungen mit dem Pflegepersonal sind meistens ausgezeichnet.» Die geschilderten Fälle könnten so in jedem Pflegeheim vorkommen, denn sie seien systembedingt. Anders als bei einer reinen Arzt-Patienten-Beziehung komme bei älteren Patienten in einem Pflegheim hinzu, dass Angehörige und Pflegepersonal involviert seien. «Das macht die Diagnostik und Betreuung komplizierter, weil jede Fremdbeobachtung gegebenenfalls eine andere Interpretation mit sich zieht.» Komme hinzu, dass die Patienten ihre Beschwerden wegen kognitiver Erkrankungen oft nicht klar formulieren könnten, erklärt Ehrensperger. «Deshalb kann auch die erfahrenste Pflegefachfrau ein Symptom fehlinterpretieren, wie dies ebenso einem Arzt passieren kann.»

Ehrensperger unterstützt das Heim: «Viele Pflegeheime haben gar keinen fixen Hausarzt. Dass jetzt für 60 Prozent der Bewohner im Senevita Lindenbaum eine Arztpraxis konstant zur Verfügung steht, ist sicher ein Pluspunkt.» Die übrigen 40 Prozent der Bewohner würden durch ihre bisherigen Hausärzte betreut.

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