Baden
«Die Badenfahrt» des Zürchers David Hess ist wieder greifbar - erstmals mit farbigen Illustrationen

200 Jahre nach der Entstehung der "Badenfahrt" gibt es nun die dritte Neuausgabe. Darin sind erstmals farbige Illustrationen enthalten.

Roman Huber
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Selbstbildnis von David Hess: Der "Badenfahrt"-Autor gehörte zur Zürcher Oberschicht.

Selbstbildnis von David Hess: Der "Badenfahrt"-Autor gehörte zur Zürcher Oberschicht.

Der Verlag Hier und Jetzt hat 200 Jahre nach der Entstehung, pünktlich zur Badenfahrt 2017, «Die Badenfahrt» von David Hess wieder greifbar gemacht. Ein Auszug aus der Einleitung der Historiker Alexander Jungo und Bruno Meier:

«Der Begriff ‹Badenfahrt›, seit dem späten Mittelalter im Gebrauch, ist aufs Engste mit dem gleichnamigen Buch des Zürchers David Hess verbunden. Hess hat mit seinem Werk quasi den Prototyp einer Badekur in Baden beschrieben und gleichzeitig ein historisches Sittengemälde der Stadt und ihrer Zeit verfasst.

1815 stellte David Hess das Manuskript der ‹Badenfahrt› fertig. Der 586-seitige Band, der sich in der Zentralbibliothek Zürich befindet, beinhaltet die farbigen Bilder mit Ansichten von Baden und seiner Umgebung, die von Hess zusammen mit Sohn Adolf und seinem Schwager Peter Vischer gezeichnet und für die Druckausgabe von Franz Hegi gestochen wurden. Gedruckt wurde das Werk bei Orell, Füssli & Co. in Zürich. Die Herstellung des Buchs war anspruchsvoll und dauerte rund eineinhalb Jahre ab Dezember 1816. Wie aus der Korrespondenz Hess’ mit dem Verlag hervorgeht, sollte das Buch ursprünglich bis im Frühjahr 1817 fertiggestellt sein. Wegen grösseren Formats und knapper Produktionskapazitäten verzögerte sich der Druck. Hess gab im Juli 1817 die letzten Bogen zum Druck frei, das Buch erschien schliesslich 1818.

1924, im Jahr nach der ersten Badenfahrt, brachte der Orell-Füssli-Verlag eine Faksimileausgabe der ‹Badenfahrt› heraus. 1969 veröffentlichte der Baden Verlag eine leicht gekürzte, sprachlich modernisierte Neuausgabe des Buchs. Beide Neuausgaben sind inzwischen vergriffen.

Erstmals farbige Originalbilder

Die vorliegende Neuausgabe geht vom modernisierten Text der Ausgabe von 1969 aus. Während Orthografie und Interpunktion nochmals aktualisiert wurden, sind veraltete Begriffe wie etwa alte Monatsnamen bewusst wieder in den Text aufgenommen worden, um näher am Original zu sein. Lektürehilfe leistet ein Glossar im Anhang. Auch wurden altdeutsche und französische Textpassagen wieder originalsprachlich gesetzt. Bei den Abbildungen orientiert sich die Neuausgabe am Manuskript von David Hess. So erscheinen erstmals die farbigen Originalbilder im Druck, ebenso der beigelegte von Leonard Schulthess gezeichnete Plan des Bäderquartiers. Ergänzt wird der Band erstmals um eine Serie illustrierter Aphorismen, ‹Papp-Figürchen von Amelmehl und Zucker mit Devisen›.

Als regelmässiger Kurgast

Als David Hess ab 1805 regelmässig nach Baden zur Kur fuhr, steckte der Bäderort in einer Krise. Die grosse Zeit als Heilbad war vorbei, der Wiederaufstieg zum internationalen Tourismusort stand noch bevor. Im Spätmittelalter und zu Beginn der frühen Neuzeit war Baden der wichtigste Heilkurort nördlich der Alpen. Der europäische Adel und die Eliten der eidgenössischen Orte reisten nach Baden. Diese ‹Badenfahrten› dauerten meist sechs bis acht Wochen und bestanden neben der Kur in den Bädern aus einem regen gesellschaftlichen Leben. So dürften jährlich mehr als 2000 Kurgäste nach Baden gereist sein. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts stagnierte der Bäderort.

Kriege, neue Konkurrenz, mangelnde Investitionen in die Infrastruktur, die teilweise Zerstörung der Stadt durch die Eidgenossen 1712 und die Verlegung der Tagsatzung von Baden nach Frauenfeld, die Einquartierung napoleonischer Truppen liessen vor allem ausländische Gäste ausbleiben. Es blieb das Schweizer Stammpublikum, vorab Angehörige der Zürcher Oberschicht wie David Hess. Dieser spart nicht mit Kritik am Zustand der Bäder.

David Hess (1770–1843)

Hess wurde am 29. November 1770 geboren. Wie sein Vater Johann Rudolf Hess schlug der 17-Jährige eine Offizierslaufbahn ein, typischer Karriereweg für Söhne des Zürcher Patriziats. In einem Schweizer Regiment in holländischen Diensten erlebte er den ersten Koalitionskrieg. Der Französischen Revolution, die 1798 auch zur Umgestaltung der Schweiz führte, stand er ablehnend gegenüber. Im Jahr 1796 kehrte er in die Heimatstadt zurück. Das väterliche Erbe ermöglichte es ihm, neben seinem Amt im Grossen Rat als «tätiger Müssiggänger» seiner dichterisch-zeichnerischen Doppelbegabung nachzugehen. Neben Zeichnungen, Radierungen und Aquarellen schuf Hess ein umfangreiches Werk als Autor mit Gedichten, Erzählungen, Essays und Biografien. Er starb am 11. April 1843 in Zürich.»

«Die Badenfahrt» Donnerstag, 18.30 Uhr, Vernissage im Historischen Museum Baden.

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