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Die Badenfahrt hängt Zugfahrer aus Aarau ab – wer gratis reist, wer zahlt

Mit Festbändeli fahren Besucher kostenlos mit Zug oder Bus nach Baden. Doch das grösste Volksfest im Aargau ist nicht aus allen Teilen des Kantons gratis erreichbar: Das spezielle Angebot gilt zum Beispiel für Bettwiler, hingegen nicht für Aarauer.

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Badenfahrt: Hier fährt man gratis, hier muss man zahlen

Badenfahrt: Hier fährt man gratis, hier muss man zahlen

Aargauer Zeitung
Badenfahrt: Hier fährt man gratis, hier muss man zahlen

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Während zehn Tagen herrscht in Baden Ausnahmezustand. Rund eine Million Besucher werden an der Badenfahrt erwartet – aus dem ganzen Kanton und darüber hinaus. Wer eine nervenaufreibende Parkplatzsuche vermeiden will, reist am besten mit Zug oder Bus an.

«Ein attraktives öV-Angebot macht die Fahrt zur Badenfahrt besonders bequem, günstig und sicher», versprechen die Organisatoren. Die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW), Postauto und SBB setzen zusätzliche Busse und Züge ein, die bis spät in die Nacht in regelmässigem Takt verkehren.

Dazu kommt: Das Festbändeli dient als Billett. Wer aus einer der 17 «Badenfahrt-Zonen» anreist, kann mit dem Festpass gratis in Bus oder Bahn steigen und nach Baden fahren. Ein Angebot, das jeweils ab einer Stunde vor Festbeginn bis eine Stunde nach Ende gilt. Ein Blick auf die Karte zeigt aber:

Zwar reichen die Gratis-Zonen im Norden des Kantons bis Bad Zurzach und Koblenz, im Süden bis Bettwil und Meisterschwanden, im Osten von Kaiserstuhl bis Islisberg – doch die meisten Westaargauer Gemeinden befinden sich ausserhalb davon. Und auch das Fricktal, das ein Teil des Tarifverbunds Nordwestschweiz ist, wird ausgeklammert.

Ausdruck kantonsinterner Rivalität?

Das heisst: Aarauer Badenfahrt-Besucher beispielsweise müssen sich trotz Festpass ein Billett kaufen – zwei Zonen trennen sie von der kostenlosen Anreise. Flackert da die kantonsinterne Rivalität zwischen den beiden Städten auf?

Adi Hirzel, OK-Präsident der Badenfahrt, verneint: «Das hat überhaupt nichts damit zu tun. Die Badenfahrt ist ein Fest für die Grossregion Baden, doch wir freuen uns auch über Gäste von ausserhalb.» Aarauer seien genauso willkommen wie alle anderen Besucher. Die Gratis-Zonen seien von den Verkehrsbetrieben festgelegt worden und nicht zur Diskussion gestanden.

«Irgendwo muss die Grenze gezogen werden.» Besucher aus dem Kantonshauptort seien deswegen nicht ausgeschlossen, sondern müssten einfach ein Anschlussbillett kaufen und würden zumindest teilweise von der Gratiszone profitieren, sagt Adi Hirzel.

Konkret ist für die Zugfahrt von Aarau nach Baden ein Ticket für zwei Zonen notwendig, um auf der restlichen Strecke mit Festbändeli gratis zu reisen. Kostenpunkt für eine 2.-Klasse-Retourfahrt ohne Halbtax: 9.60 Franken. Das gilt auch für jene Züge, die auf der Fahrt nach Baden nicht in Lenzburg oder Wildegg, sondern nur in Brugg halten.

Was Festbesucher über die Anreise wissen müssen

Eine Million Gäste werden an der Badenfahrt insgesamt erwartet. Die Organisatoren empfehlen eine Anreise mit dem öffentlichen Verkehr. Denn zusätzliche Autoparkplätze gibt es nur wenige.

Das Badenfahrt-Organisationskomitee und die Stadtpolizei empfehlen eine Anreise mit dem Zug oder mit dem Bus. Ein grosser Anreiz, mit dem öffentlichen Verkehr nach Baden und wieder nach Hause zu gelangen, bieten die Badenfahrt-Bändeli, die für den Besuch am Fest ab 16 Jahren obligatorisch sind und als offizieller Eintritt beziehungsweise Festpass gelten.

Wer ein solches Bändeli besitzt, kann ab einer Stunde vor Festbeginn bis eine Stunde nach Festschluss in den 17 A-Welle-Zonen (siehe Grafik oben) gratis Bus sowie Zug fahren und muss kein zusätzliches Billett kaufen.

Kein Nachtzuschlag mit Bändeli

Wichtig: Für alle Fahrten, die über die Zonen hinaus führen, muss ein Anschlussbillet gekauft werden. Und: Der Nachtzuschlag ist im Bändeli inbegriffen, er muss für Fahrten innerhalb der gesamten A-Welle sowie in allen Zügen von Baden nach Zürich nicht zusätzlich gelöst werden.

Zur Erinnerung: Die 1-Tages-Festpässe für einen spezifischen Tag kosten 15 Franken und werden in Form von farbigen Armbändern verkauft, der 10-Tages-Pass in Form eines schwarzen Armbandes mit Metallplakette kostet 45 Franken.

Badenfahrt-Spezialtickets

Wer noch kein Armband besitzt, hat die Möglichkeit, vor der Reise ein sogenanntes Badenfahrt-Spezialbillet zu kaufen. Die Spezialtickets werden an allen Verkaufsstellen der SBB, an den über 200 Billetautomaten der A-Welle, beim Postauto-Fahrpersonal oder an den Automaten in den RVBW-Bussen verkauft.

Dieses Billet kann – beziehungsweise muss – später auf dem Festgelände in ein Badenfahrt-Bändeli eingetauscht werden. Denn das Organisationskomitee kontrolliert, ob die Besucher im Besitze eines Festpasses sind.

Inhaber eines Halbtax- oder Generalabos erhalten keine zusätzliche Ermässigung. Nicht möglich ist es, die Tickets online oder via Handy zu kaufen – sie sind weder auf der App der SBB oder von Postauto noch auf sbb.ch verfügbar.
Gut zu wissen: Innerhalb der Stadt wird ein Shuttle-Bus verkehren.

Er fährt alle 15 Minuten vom Bahnhof Baden-Ost via Grand Casino und Schiefe Brücke zum Landvogtei-Schloss. Auch die Fahrten mit dem Shuttle-Bus sind im Festpass inbegriffen. Für die regionalen Busbetriebe bedeutet die Badenfahrt ein grosser Zusatzaufwand.

Die SBB, Postauto sowie die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) verdichten ihr Angebot und setzen weitere Busse ein. Rund 4700 zusätzliche Fahrten werden angeboten. Die RVBW fahren täglich bis 30 Minuten nach Festende im 15-Minuten-Takt. Um die Festfreudigen an den Bahnhöfen und Haltestellen optimal zu betreuen, setzen die drei Transportunternehmen mehr als 55 Kundenbetreuer ein.

Wenig zusätzliche Parkplätze

Die Stadtpolizei teilt mit: «Wer mit dem Auto anreist, muss wissen, dass Parkplätze nur in sehr beschränkter Anzahl zur Verfügung stehen.» Prioritär werden die Parkhäuser gefüllt. Erst dann würden zusätzlich Parkplätze geschaffen: Erstens auf der Neuenhoferstrasse, stadtauswärts am Strassenrand, und zweitens auf der Zirkuswiese in Wettingen.

Pro Velo Region Baden betreibt an der Badenfahrt eine bewachte und kostenlose Velostation mit Kaffeebar beim Schulhausplatz. Bis zu 200 Velos werden unter einem Zirkuszelt vor dem Schulhaus Ländli aufbewahrt, etwas versteckt hinter den Containern der Baustelle. Ausserdem bietet die Velostation der Stadt Baden beim Bahnhof 177 Parkplätze. (Pirmin Kramer)

«Eine Gratwanderung»

OK-Präsident Adi Hirzel spricht dennoch von einem «Riesenangebot» für die Besucher, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Baden fahren. So würden etwa späte Heimkehrer davon profitieren, dass der Nachtzuschlag von fünf Franken im Festpass inbegriffen ist. Beim Stadtfest von 2012 machten die Organisatoren gute Erfahrungen mit den Gratis-Zonen. «Beschwerden gab es damals keine», sagt Hirzel.

Diese Einschätzung teilt Martin Osuna. «Das System hat sich bewährt», sagt der Geschäftsführer des Tarifverbunds A-Welle, der mit Ausnahme des Fricktals den ganzen Aargau abdeckt. Die Grenzen der Zonen für die Gratisfahrten zu ziehen, sei schwierig. «Eine Gratwanderung. Es allen recht zu machen, ist unmöglich», sagt Osuna. Letztlich sei es eine Frage der Kosten. Das Angebot auf den ganzen Kanton auszudehnen, wäre ohne finanziellen Verlust nicht möglich.

Jedes Bändeli finanziert öV mit

Pro verkauftem Festbändeli erhalten die öV-Anbieter einen bestimmten Betrag; dazu kommt eine Provision für Pässe, die sie selbst verkaufen. Wie hoch der vereinbarte Anteil ist, wollen beide Seiten auf Anfrage nicht öffentlich machen.

Den Bahnhof Baden erwartet ein Ansturm wie zu Pendlerzeiten: Die SBB setzt 66 Extrazüge ein, die Besucher an die Badenfahrt bringen sollen.

Den Bahnhof Baden erwartet ein Ansturm wie zu Pendlerzeiten: Die SBB setzt 66 Extrazüge ein, die Besucher an die Badenfahrt bringen sollen.

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Osuna sagt dazu nur: «Die Verkehrsbetriebe sollen keine Einnahmeverluste, aber auch kein super Geschäft machen. Ziel ist ein Nullsummenspiel.» Allerdings handle es sich dabei um keine exakte Wissenschaft. Das heisst: Ist der Betrag zu tief angesetzt oder nutzen weniger Besucher als erwartet die Züge und Busse, bleiben die Verkehrsbetriebe auf den Kosten für die zusätzlichen Verbindungen sitzen.

Beim Stadtfest vor fünf Jahren konnten RVBW, Postauto und SBB die Extraleistungen nicht vollständig durch die Einnahmen finanzieren. A-Welle-Geschäftsführer Martin Osuna spricht von einem verkraftbaren Verlust von mehreren tausend Franken. Ein ähnliches Ergebnis befürchtet er in diesem Jahr nicht. Die von den Organisatoren angekündigten rigorosen Eintrittskontrollen begrüsst Osuna. «Je mehr Festpässe verkauft werden, desto besser für alle Beteiligten.»