Das sonnige Wetter lockt derzeit viele Wasserratten in die Badi. Doch für den Wettinger Stephan Zurfluh ist der Besuch vielmehr mit Unmut als mit Freude verbunden. Der Grund: Die Gebühren für das Frei- und Hallenbad Baden wurden per Anfang dieses Jahres erhöht. Zahlte eine erwachsene Person zuvor 6 Franken für einen Eintritt beziehungsweise 195 Franken für ein Jahresabonnement, sind es nun 8 beziehungsweise 300 Franken. Neu bei Saison- und Jahresabonnements ist zudem, dass es für Einheimische eine Ermässigung von 30 Prozent gibt.

«Ich finde das eine Abzocke», sagt Zurfluh und fügt an: «Gerade in Zeiten, in denen das Hallenbad Tägerhard Wettingen wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist.» Weil das «Tägi» erst im Frühjahr 2020 wieder öffnet, würden viele Schwimmer nach Baden ausweichen. In dieser Hinsicht sei es völlig deplatziert, dass Auswärtige für ein Saison- oder Jahresabo 30 Prozent mehr bezahlen müssen als Badener Bürger.

«Mit der Preiserhöhung setzt ein ‹Gärtlidenken› ein, in dem nicht mehr die Gesundheit der Bürger im Zentrum steht, sondern kleingeistiges wirtschaftliches Krämerverhalten», sagt Zurfluh. Er ist sich bewusst, dass ein Sportschwimmbad kaum kostendeckend finanziert werden könne. «Dennoch: Mit dem ‹Gärtlidenken› schwindet die Solidarität zwischen Gemeinden.»

Laufend Investitionen in Anlage

Für Stadtrat und Ressortvorsteher Immobilien/Infrastruktur Philippe Ramseier (FDP) ist das Gegenteil der Fall. «Seitens der Stadt Baden besteht eine sehr hohe Bereitschaft, dem «Tägi» entgegenzukommen», sagt er und fügt an: «Mit der Integration des Schwimmclubs und der Schwimmschule in den laufenden und schon sehr gut ausgelasteten Betrieb haben die Terrassenbadbetreiber einen ausserordentlichen Effort geleistet, um die Kinder und Sporttreibenden, die sonst im ‹Tägi› schwimmen, zu unterstützen.» Was die Preiserhöhung betrifft, sagt Ramseier, dass der Stadtrat letztes Jahr einer Gebührenanpassung zugestimmt habe – mit dem Ziel, die Kostendeckung zu verbessern.

Im Weiteren würden umfassende Sanierungsmassnahmen anstehen oder seien bereits abgeschlossen worden: Das Alter der Anlagen, geänderte gesetzliche Vorschriften und Normen, aber auch energetische Überlegungen würden laufend Investitionen in die Infrastruktur erfordern. Den Preisunterschied zwischen Einheimischen und Auswärtigen erklärt Ramseier wie folgt: «Mit dem Rabatt auf Abonnemente kann ein Zeichen gesetzt werden, da die Badener Bevölkerung über die Gemeindesteuern bereits den nicht über die Eintrittspreise gedeckten Rest der Betriebskosten trägt.»

Reduktion nur auf Saisonabos

Leser Stephan Zurfluh ist besorgt, dass nach der Wiedereröffnung des «Tägi» auch in Wettingen Einheimische weniger bezahlen werden als Auswärtige. «Das ist sehr kurzsichtig und aufgrund der gesundheitlichen Vorteile des Schwimmens nicht angebracht», sagt er und fügt an: «Dadurch, dass das ‹Tägi› seit Anfang dieses Jahres von einer gemeindeeigenen Aktiengesellschaft geführt wird, schwindet die Einflussnahme durch den Stimmbürger.»

Weshalb werden Wettinger Bürger nach der Wiedereröffnung des «Tägi» weniger für den Badeintritt bezahlen als Auswärtige? Der Gemeindeammann und Verwaltungsratspräsident der Tägi AG, Roland Kuster (CVP), sagt, dass der Einwohnerrat dies im Rahmen der Debatte über die «Tägi»-Leistungsvereinbarung so gewünscht hätte. «Die Reduktion beträgt 20 Prozent und betrifft nur die Saisonabonnements.» Dass mit der Einführung des Preismodells ein «Gärtlidenken» einsetze, dementiert er: «Jedes Bad verfügt über Attraktionen, die andere Bäder nicht haben.» In Baden sei es etwa das Wellenbad, in Wettingen die Liegewiese und nach der Sanierung die Rutschbahn. «Es liegt an jeder Anlage, die Preise so zu setzen, dass sie möglichst viele Besucher anlockt.»

Was die Umwandlung des «Tägi» in eine gemeindeeigene AG betrifft, sagt Kuster, dass dies für die Führung einer grossen Anlage wie das «Tägi» nötig war. «Mit unternehmerischen Strukturen können Prozesse schneller abgewickelt werden. Auch sind die Entscheidungswege kürzer.» Die Leistungsvereinbarung zwischen dem Gemeinderat und der Tägi AG stelle sicher, dass die Interessen der Gemeinde gegenüber der Betreibergesellschaft wahrgenommen würden, so Kuster. Ausserdem stünden für eine Veränderung auf strategischer Ebene nach wie vor alle parlamentarischen Wege zur Verfügung, Vorstösse etwa. «Geschäftsführer Marco Baumann setzt alles daran, möglichst marktgerecht zu operieren, um bei den Nutzern eine breite Akzeptanz zu erzielen», betont Kuster.

Stephan Zurfluh möchte nun Meinungen zum «Gärtlidenken» und der Preispolitik einholen. «Je nach dem, wie die Rückmeldungen ausfallen, möchte ich etwas dagegen tun.»