Figura Theaterfestival

Die Bäcker schufen wieder eine köstliche Surprise

Furioser Auftakt im Kurtheater Baden mit der niederländischen DudaPaiva Company und «Malediction – der Fluch». Zwei Männer dringen da mit chirurgischen Instrumenten in ihren Patienten ein und befördern ein Monster zu Tage.

Was wäre, wenn die Figurentheater-Kennerin Arlette Richner vor 20 Jahren beim Morgenkaffee nicht gesagt hätte: «Ich mache jetzt ein Festival»? Der Rest ist Geschichte. 1994 fand das erste Figura Theaterfestival in Baden mit 16 Gruppen aus dem In- und Ausland statt; für die zehnte Ausgabe 2012 wurden 32 Truppen eingeladen. Längst geniesst die im Zweijahresrhythmus ausgerichtete Biennale des Bilder-, Objekt und Figurentheaters nationale und internationale Anerkennung.

Wie sehr, war auch an der Eröffnung im Kurtheater Baden zu spüren mit Dankesadressen von Stadträtin Daniela Berger, vom Aargauer Kulturchef Hans Ulrich Glarner sowie von den Festivalleitern Katja Spiess und Markus Lerch. Lerch verglich die Programmation mit einem Prozess, an dem unterschiedlichste Bäcker beteiligt sind. Dass diese es – aller Verschiedenheit zum Trotz – am Ende aber schaffen, eine köstlich mundende Surprise zu servieren, ist ein Wunder.

Es geht um Neid

Ein solches ist auch die Eröffnungsproduktion «Malediction – Der Fluch» der niederländischen DudaPaiva Company. Zwei Männer (Duda Paiva, Ederson Rodrigues Xavier) stehen sich auf der schwarzen, nur durch hauchdünne Stoffbahnen belebten Bühne gegenüber. Wie in einer abgezirkelten Choreografie treten sie an einen Operationstisch, schieben ein Stück Stoff beiseite und dringen mit ihren chirurgischen Instrumenten in die Eingeweide ihres wimmernden Patienten ein – und befördern daraus zwei winzige rote Schuhe. Die Nerven des Publikums sind da schon zum Zerreissen gespannt – wie wird das weitergehen? Noch spannender. Aus dem Operationstuch schält sich ein Monstrum mit bösen Augen und Hakennase. Dass es grün ist, ist Absicht. Grün steht symbolhaft für Neid.

Exakt darum kreist eine Produktion, die von Urschwächen und Dämonen erzählt, die sich selbstständig machen und die beiden Männer vernichten wollen. Blitzschnell schlüpfen die Akteure von einer Rolle in die andere. Mal sind sie Täter, mal Opfer: Sie pflanzen dem Monster einen Hundekopf auf; sie formen ein Herz zu einem Froschkopf oder sie geraten in die Fänge einer riesigen grünen Hand, die sie packt und auf den Boden knallen lässt. Wer DudaPaiva zusieht, darf sie wie ein Kind bestaunen: Wie machen die das bloss? Schön, dass sie darauf keine Antwort geben.

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