Killwangen

Die Bauern von Killwangen waren «Isestangen»

Killwangen ist zwar kein Bauerndorf mehr, weist aber nach wie vor nostalgische Dorfpartien auf. Foto: NN

Killwangen ist zwar kein Bauerndorf mehr, weist aber nach wie vor nostalgische Dorfpartien auf. Foto: NN

Die ehemalige Bauernsiedlung feiert dieses Jahr das 777-jährige Bestehen – es gibt ein dreitägiges Fest. Die Bauern dieser Region galten als stur und dickköpfig. Auch versuchten sie nach Kräften, die Steuern zu hinterziehen.

Die Ortsbürger von Killwangen – inklusive der auswärts wohnhaften – weisen noch heute viele Familiennamen auf. Am meisten vertreten ist Würsch, gefolgt von Scherer und Widmer. Sie alle sind Nachfahren der «Isestange». Dies ist allerdings kein Geschlechtsname, sondern ein Übername. Vor knapp 300 Jahren nannten die Einwohner der umliegenden Gemeinden die Bauern von Killwangen «Isestange», weil diese sich oft wie Brechstangen – stur und dickköpfig – benahmen und immer wieder versuchten, die Weg- und Brückenzölle zu umgehen. Manchmal sogar mit Erfolg. Doch sie mussten sich wehren, führten sie doch ein karges Leben und wurden in alten Akten als «arme Buren» bezeichnet.

Der Gemeindebann war zwar gross und umfasste auch das heutige Neuenhof. Doch jahrhundertelang war das Dorf ans Kloster Wettingen gebunden und dort abgabepflichtig. Daran erinnert noch immer der Wettinger Klosterstern im heutigen Gemeindewappen.

Von «Culliwanch» zu Killwangen

Das Kloster Wettingen unterhielt im Limmattal eine Art Miniaturstaat unter der Herrschaft des Wettinger Abtes; es war Grundherr und Leibherr und verfügte über die niedere Gerichtsbarkeit (Twing und Bann). Die Bauern mussten dem Kloster Bodenzins wie auch den Zehnten entrichten: den 10. Teil der Ernte von Korn, Roggen, Hafer, Wein, Nüssen, Obst, aber auch von Hühnern, Eiern und anderem mehr.

Brot und Wein waren die wichtigsten Erzeugnisse, welche die hiesigen Bauern dem Boden abrangen. Dabei erwiesen sie sich auch als listig. Der Killwanger Dorfchronist Hans Schädler nimmt an, dass sie den bessern, im heutigen Hinterbergengebiet gewachsenen Wein für sich behielten, den schlechteren aus dem «Rebäcker» als Zehntenwein abgaben. Die Klosterleute beschwerten sich 1790 denn auch über diesen «bösen Wein». Kam noch hinzu, dass die Killwanger Weinproduzenten beim traditionellen Umtrunk im Herbst Röhrchen ins Zehntenfass steckten und einen Teil dieses fürs Kloster bestimmten Weines selber tranken.

Doch blättern wir weiter zurück in der Geschichte. Der Ortsname taucht vor 1259 in einem Zinsverzeichnis der Propstei Zürich auf, ist aber nicht datierbar. Erstmals finden sich Name und Jahr in einer Urkunde aus dem Jahr 1234. Damals kaufte die Abtei Wettingen von einem Ritter Ruom unter Vermittlung der Grafen von Kyburg in «Culliwanch» ein Gut, das mehrere Höfe, Scheunen, eine Mühle und einen Berg umfasste.

Später kamen weitere Höfe hinzu. Bis 1310 gehörte «Culliwanch» kirchlich zu Dietikon und war hier zehntpflichtig. 1310 schenkten die Grafen von Habsburg-Laufenburg die Zehntpflicht dem Kloster Wettingen.

Man vermutet, dass der Ortsname alemannischen Ursprungs ist und auf «die Abhänge des Chullo» (Personenname) zurückzuführen sein könnte. Später mutierte der Name zu «Chulewangen», «Kulliwangen» und schliesslich Killwangen.

Freiheit für die Bauern

Über das Schicksal von Dorf und Bewohnern im Mittelalter finden sich kaum Aufzeichnungen. Pest, Tierseuchen und Trockenzeiten machten mit Sicherheit auch den Killwanger Bauern schwer zu schaffen. Ebenso litten die Menschen unter den Feld- und Beutezügen der Österreicher und Eidgenossen zwischen Zürich und Baden und der späteren Besetzung des Landes durch die Franzosen. Während der Helvetischen Revolution verkündete der Landvogt 1798 die Freiheit der Bauern in der Grafschaft Baden. Auch das Kloster Wettingen wurde gezwungen, auf die niedere Gerichtsbarkeit über Killwangen zu verzichten.

Zum Eigentum des Klosters hatte auch der Sonnenberg in Killwangen gehört. Hier liess der Abt um 1680 für die Mönche ein Erholungsheim errichten. 1841 ging die Liegenschaft in Privatbesitz über, 1919 wurde sie abgebrochen. Die schönen Wandmalereien wurden zum Teil gerettet und können heute im Historischen Museum Baden noch immer besichtigt werden.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Zur Entwicklung der Gemeinde trugen der Bau der Strasse Zürich– Baden (1765–1770) und der Bahnverbindung zwischen diesen beiden Städten wesentlich bei, zumal Killwangen eine kleine Haltestelle und 1877 eine Bahnstation erhielt. 1897 sorgte ein Tauschgeschäft für einen weitern Schub: Die Ortsbürgergemeinde Killwangen trat Baden das gefasste und ungefasste Wasser für alle Zeiten ab; dafür erstellte Baden für Killwangen eine komplette Wasserversorgung mit Hydranten samt Anschaffung einer Feuerlöscheinrichtung.

Die Einwohnerzahl von Killwangen stieg kontinuierlich an. 1778 zählte man 90 Personen, 1850 waren es 182, 1900 deren 306, 1950 dann 579, 1995 bereits 1345 und im Januar 2011 schliesslich 1805. Auch in Zukunft strebt die Behörde ein Wachstum an, nicht mit der Brechstange oder «Isestange», sondern wie es in den Leitzielen festgelegt wird: «massvoll und unter Förderung und Bewahrung einer hohen Wohn- und Lebensqualität».

Quellen: Killwanger Neujahrsblätter, Autor Hans Schädler; Neujahrsblatt 2011, Autorin Hanne Arndt; Angaben des Historikers Max Baumann.

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