Baden
Die besten Musiker zweier Kontinente zeigen ihr können

Künstler aus Amerika und Afrika versetzten manche Zuhörer in Trance. Der in Bamako (Mali) lebende Koité gehört zu den einflussreichsten Musikern Afrikas und tourt mit seiner Gruppe Bamada durch die ganze Welt.

Ursula Burgherr
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Offensichtlicher Spass: Habib Koité, Mama Koné und Eric Bibb (v.l.) bei ihrem Auftritt im Trafo in Baden. ubu

Offensichtlicher Spass: Habib Koité, Mama Koné und Eric Bibb (v.l.) bei ihrem Auftritt im Trafo in Baden. ubu

Das letzte Konzert im Zyklus 2012 des Vereins Trafo Music Baden hat Spitzenmusiker aus zwei ganz verschiedenen Welten zusammengebracht: US-Blueser Eric Bibb und der afrikanische Sänger/Songwriter Habib Koité pendelten lustvoll zwischen den Stilen oder liessen sie zu einem geradezu meditativen Klangteppich verschmelzen.

Hypnotisierendes Gitarrenspiel

Die Sitznachbarin im Publikumsraum sass fast das ganze Konzert über wie in Trance versunken und mit geschlossenen Augen da. Die Songs von Eric Bibb und Habib Koité rühren die Seele an und sind – so wird es im Pressetext passend beschrieben – «fern vom Dröhnen des popmusikalischen Alltagsgeschäfts». Bibb hatte mit seiner Samtstimme und seinem hypnotisierendem Gitarrenspiel schon am letzten Bluesfestival die Badener Bevölkerung erobert.

Der in Bamako (Mali) lebende Koité gehört zu den einflussreichsten Musikern Afrikas und tourt mit seiner Gruppe Bamada durch die ganze Welt. Ergänzt wurden die beiden im Trafo durch Percussionist Mama Koné, der hinter seiner Kalebasse unablässig strahlte, sodass es eine pure Freude war, ihm zuzuschauen.

Überhaupt sieht man selten Musiker, die so offensichtlich Spass haben, sich nie im Licht stehen und doch immer wieder zum lustvollen Improvisieren mit ihren akustischen Gitarren herausfordern. In Liedern wie «Going down the road feeling bad» oder «We don’t care» mischten sich bluesige Rhythmen mit erdigem Country-Style.

Musikalische Geschichten aus Mali

Koité liess seine glockenhelle Stimme zu Geschichten aus seiner Heimat ertönen, die teilweise an die alten Gesänge der Griots (Dorfälteste) erinnerten. Er sang, wie er unter einem Baum sitzt und um Regen bittet, machte dazu auf seinem Instrument mit filigranem Spiel das Prasseln der Tropfen nach.

Aber auch kritische Themen kamen zu Gehör, wie die Beschneidung der Frauen, die es in Mali leider immer noch gibt, oder die Ausbeutung des westafrikanischen Landes durch Diamantenhändler. Bei Songs aus der gemeinsamen CD «Brothers in Bamako» war es ein Genuss zu erleben, wie die zwei Interpreten eine subtile Verbindung von Blues, Jazz und dessen afrikanischen Wurzeln zum Ausdruck brachten und mit ihrer grenzüberschreitenden Musik Zeit und Raum vergessen liessen.