Wettingen

Die Bevölkerung für Frauenhandel sensibilisieren

An der Podiumsdiskussion über Frauenhandel wurden die Probleme angesprochen und diskutiert.

Im Rahmen ihrer Maturaarbeit haben sich die beiden Kantonsschülerinnen Laura Loos und Chantal Oppliger mit dem Thema Frauenhandel beschäftigt. Am Mittwochabend fand die Podiumsdiskussion in der Westschöpfe der Kantonsschule Wettingen statt. Dazu luden sie Paula Charles (Autorin und Betroffene), Yvonne Feri (SP-Nationalrätin), Markus Gähwiler (Milieupolizist in Zürich) und Irene Hirzel (christliche Ostmission) ein.

8,8 Millionen Franken Umsatz werden täglich in der Schweiz mit Frauenhandel gemacht. Diese Zahl hat Laura Loos und Chantal Oppliger schockiert. Um dieses Thema in der Gesellschaft mehr zu sensibilisieren, veranstalteten sie diese Podiumsdiskussion.

Um die Zuschauer in das Thema einzuführen, stellten die beiden Kantonsschülerinnen zunächst ihre Arbeit vor und zeigten ein paar Fakten auf. Danach fing die Diskussion eher ruhig und dezent an.

Milieupolizist Gähwiler schilderte die Probleme, Merkmale und Gründe der Zwangsprostitution in der Schweiz. Er wurde heftig von Charles unterbrochen: «Ich habe schlechte Erfahrungen mit der Polizei in diesem Milieu gemacht. Sie waren ignorant und aggressiv. Man sah mich als Täter und nicht als Opfer», sagt sie. Gähwiler erwidert: «Die Wahrnehmung der Polizisten bei dieser Arbeit ist sehr wichtig. Die Frauen müssen Vertrauen zu der Polizei aufbauen. Nur so kann man sie erreichen.»

Wettingen: Podiumsdiskussion zum Thema Frauenhandel

Wettingen: Podiumsdiskussion zum Thema Frauenhandel

Probleme des Frauenhandels werden angesprochen und Empörungen werden laut. «Ich habe schon so viele Lesungen über dieses Thema gemacht», sagt Charles. Die Menschen können nicht mit diesem Thema umgehen, das Verständnis fehle. «Die Zusammenarbeit der Polizei zwischen den Kantonen ist sehr handgestrickt», ergänzt Gähwiler. Wir haben keine gemeinsame Datenbank, was die Arbeit sehr erschwert. «Dazu haben gewisse Kantone immer noch das Gefühl, bei ihnen passiert so etwas nicht», sagt Feri.

Heftig wird auch über die Verurteilung der Täter diskutiert. Charles meint, dass jeder Täter lebenslänglich verdient hätte, denn die Frauen seien auch lebenslänglich davon gezeichnet.

In einem sind sich jedoch alle Podiumsteilnehmer einig: Die Bevölkerung müsse mehr sensibilisiert werden, man müsse mehr hinschauen und weniger wegschauen. «Leider fehlen dazu viel zu oft die Mittel wie Geld und ausgebildetes Personal», sagt Feri. Gähwiler ergänzt, dass er sich bessere, kantons-übergreifende Zusammenarbeit wünsche. «Ich würde sofort den Föderalismus in meinem Metier abschaffen», sagt er.

Das Feedback ist sehr gut. Feri war begeistert von der Diskussion: „Die Zusammensetzung der Podiumsteilnehmer war sehr gut und differenziert. Charles fand es sehr mutig von den jungen Frauen, dieses Thema aufzugreifen und der Öffentlichkeit so zu präsentieren. «Ich bin erleichtert, dass das Interesse zu diesem Thema noch da ist.»

Laura Loos sei einfach nur froh, dass alles gut gelaufen sei, obwohl nicht alles nach Plan war: «Die Rückmeldungen der Zuschauer sind super. Viele sind sehr berührt über die Aussagen der Diskussion.»

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