Baden
Die Buchhändlerin Susanne Jäggi ist in den Olymp der Literaturkritik berufen

Die Buchhändlerin Susanne Jäggi gehört dieses Jahr der Jury des Deutschen Buchpreises an. Sie verrät der Aargauer Zeitung was das wichtigste Rezept für eine erfolgreiche Buchhandlung ist.

Pirmin Kramer
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Susanne Jäggi in ihrer Buchhandlung Librium am Badener Theaterplatz: «Im ersten Moment wollte ich der Akademie absagen.»

Susanne Jäggi in ihrer Buchhandlung Librium am Badener Theaterplatz: «Im ersten Moment wollte ich der Akademie absagen.»

SAN

Grosse Ehre für die Badener Buchhändlerin Susanne Jäggi: Sie ist in die Jury des Deutschen Buchpreises berufen worden. Dieser gilt als wichtigster deutschsprachige Literaturpreis und wird traditionsgemäss zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Oktober vergeben. Jäggi ist erst die vierte Schweizerin, die dem siebenköpfigen Gremium angehören darf, dessen Zusammensetzung jedes Jahr ändert.

Susanne Jäggi ist in Baden seit 35 Jahren als Buchhändlerin tätig, ihr «Librium» befindet sich am Theaterplatz. In Deutschland hat sie vor zwei Jahren durch den Gewinn des renommierten Julius-Campe-Preises Bekanntheit erlangt, den sie für die Mitherausgabe des Buchtipp-Magazins «5 Plus» erhielt. Dadurch dürfte auch die Akademie des Deutschen Buchpreises auf sie aufmerksam geworden sein, welche die Zusammensetzung der Jury bestimmt.

«Im ersten Moment wollte ich der Akademie absagen», erzählt Jäggi lachend. Vergangenes Jahr gehörte sie bereits der Jury des Schweizer Buchpreises an, und sie hatte sich nach der intensiven Lesezeit darauf gefreut, auch mal wieder Übersetzungen lesen zu können. Drei Tage lang erzählte sie keinem Menschen von der Anfrage der Buchpreis-Akademie, machte sich Gedanken, ob sie die anspruchsvolle Jury-Aufgabe wahrnehmen möchte, und kam zum Schluss: «Solch ein ehrenvolles Angebot kann ich nicht ausschlagen. Es handelt sich um den renommiertesten Buchpreis im deutschsprachigen Raum.»

Spätestens seit die Schweizer Autorin Melinda Nadj Abonji 2010 für ihren Roman «Tauben fliegen auf» ausgezeichnet wurde, ist der Deutsche Buchpreis auch hierzulande einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Jeder deutschsprachige Verlag kann sich mit maximal zwei Titeln für den Buchpreis bewerben. Aus den jeweils rund 150 vorgeschlagenen Werken bestimmt die Jury erst eine Longlist aus 20 und schliesslich eine Shortlist mit sechs Büchern, die sie genau unter die Lupe nimmt. Der Autor des Siegerbuches erhält 25 000 Euro Preisgeld.

Ziel des nicht unumstrittenen Buchpreises – er wird von Meckerern als «Marketing-Gewäsch» betitelt – ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen für deutschsprachige Autoren sowie das Lesen von Büchern ganz allgemein zu fördern. Diesen Zielen hat sich Jäggi seit Beginn ihrer Buchhändlerin-Karriere verschrieben, wobei es bei weitem nicht genüge, den Kunden nur die Bestsellerliste vorzustellen. «Internet-Versand und Grossketten haben uns nie dazu verleitet, unser Konzept zu ändern. Den Kunden persönliche Tipps zu geben, ist das wichtigste Rezept erfolgreicher Buchhandlungen. Das gelingt aber nur, wenn man viel liest.»

Vor Susanne Jäggi waren Buchpreis-Jury-Mitglieder mit Schweizer Pass die Kulturjournalistin Pia Reinacher (2006), Literaturkritiker Andreas Isenschmid (2012) sowie «NZZ»-Feuilletonchef Manfred Papst (2014).

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