Zwei Namen fallen auf der CVP-Grossratsliste auf. Reto Schmid und Roland Kuster. Ersterer war CVP-Stadtparteipräsident und sass von 1994 bis 2008 im Badener Einwohnerrat, ehe er sechs Jahre Stadtrat war. Dass der 42-Jährige ausgerechnet jetzt wieder die Rückkehr in die Politik anstrebt, macht insofern Sinn, als sein Möbelgeschäft Form+Wohnen beim Stadtturm am Donnerstag zum letzten Mal offen hatte.

Von Haus aus ein politischer Mensch

Zwar hat Schmid angetönt, «bis Ende Jahr für seine Kunden da zu sein». Doch wer den umtriebigen Schmid kennt, weiss, dass er weitere Herausforderungen suchen wird.
Vor allem drängt sich aber die Frage auf, ob die Grossratskandidatur nur der Anfang ist. Könnte sich Schmid gar eine Rückkehr als Badener Stadtrat vorstellen? Auf Anfrage des «Badener Tagblatts» gibt Schmid erst nur zögerlich Auskunft: «Bis das Kapitel Form+Wohnen ganz abgeschlossen ist, dauert es noch ein paar Monate. Danach habe ich mehrere Möglichkeiten.» Eine davon sei es, sich wieder stärker in der Politik einzubringen.

Er habe sich 2013 nur deshalb aus der Politik zurückgezogen, um mehr Zeit für Familie und Geschäft zu haben. Mit der Schliessung von «Form+Wohnen» erhalte er jetzt wieder mehr Zeit. «Die Politik ist seit meiner Jugend ein ganz wichtiger Teil meines Lebens. Ich habe die Faszination dafür nie verloren; bin von Haus aus ein politischer Mensch», betont Schmid.
Die Kandidatur für den Grossen Rat sei jetzt ein möglicher erster Schritt zurück in die Politik.

«Das Ergebnis im Oktober wird mir dann auch aufzeigen, ob die Wählerinnen und Wähler den Schmid überhaupt zurückhaben wollen in der Politik.» Wie hoch er – der bei den Stadtratswahlen erstaunlich präzise Wahlprognosen erstellte – seine eigenen Chancen denn einschätze? «Ich glaube, meine Wahlchancen sind intakt, sonst würde ich nicht antreten», bleibt er für einmal eher vage.

Reto Schmid, Baden.

Reto Schmid, Baden.

Schmid: «Stadt liegt mir am Herzen»

Zurück zur entscheidenden Frage, ob Schmid im Herbst 2017 auch ins Rennen um einen Sitz im Badener Stadtrat einsteigt. Ein Antritt hätte es drum in sich, weil die CVP mit Vizeammann Markus Schneider und Sicherheitsvorsteher Matthias Gotter bereits zwei Stadträte stellt. «Im Moment geht es um die Wahl in den Grossen Rat und um nichts anderes», betont Schmid. Eine Rückkehr in den Stadtrat sei vor den Grossratswahlen nicht das Thema. «Insofern unterstützen mich Markus Schneider und Matthias Gotter auch bei meinen Grossrats-Ambitionen.»

Bei der Frage, ob er sich gar eine Kandidatur für das Ammann-Amt vorstellen könnte, wird Schmid dann plötzlich konkret. «Wenn mein Wahlresultat im Oktober zeigt, dass die Wähler mir in Baden und der Region ihr Vertrauen schenken und ich genügend Unterstützung spüre, dann sitzen wir sicher in der Partei zusammen. Aber nochmals: Ich kandidiere im Herbst für den Grossen Rat. Was danach kommt, sehen wir dann». Aber es sei kein Geheimnis, dass er sich immer schon für das eingesetzt habe, was ihm am Herzen liege – und da gehöre die Stadt Baden klar dazu.

Kuster zur Ammann-Frage: «Ich will»

Während Reto Schmid seine Entscheidung vom Wahlausgang am 23. Oktober abhängig macht, ist für den Wettinger Gemeinderat Roland Kuster der Fall klar: Sollte der jetzige CVP-Gemeindeammann Markus Dieth als Nachfolger von Roland Brogli in den Regierungsrat gewählt werden, stünde das 57-jährige Kadermitglied der SBB Cargo in den Startlöchern. Natürlich hätten sich die Partei und er selber darüber Gedanken gemacht, das gehöre zu einer seriösen Personalplanung. «In diesem Sinn kann ich bestätigen: Ja, ich will Gemeindeammann von Wettingen werden.»

Roland Kuster, Wettingen.

Roland Kuster, Wettingen.

Kuster wohnt seit über 40 Jahren in Wettingen und ist vor gut 20 Jahren in die Politik eingestiegen. Von 1995 bis 2001 sass er im Einwohnerrat, wobei er unter anderem vier Jahre die Finanzkommission präsidierte. Nach einer kleinen politischen Auszeit wurde er 2007 zum Gemeinderat gewählt. Die Frage, ob die Grossrats-Kandidatur lediglich eine Art Wahlmotor darstelle, verneint Roland mit deutlichen Worten: «Auf keinen Fall, ich will Grossrat werden.» Gerade im Hinblick auf eine allfällige Wahl als Gemeindeammann von Wettingen sei dies sehr wichtig. «Der Ammann der zweitgrössten Aargauer Gemeinde muss gut vernetzt sein, weshalb sich ein Grossratsmandat geradezu aufdrängt.»