Wettingen
Die Diebe blieben mit der Beute fast im Lift stecken

Bei der Peter AG wurden exklusive Orientteppiche gestohlen – und der Lift aufgebrochen. Vor sieben Jahren wurde im Teppichgeschäft schon einmal eingebrochen.

Fabienne Eichelberger
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«Die Ausverkaufs-Teppiche, die ich gerne losgeworden wäre, haben sie da gelassen.» Markus Haas, Geschäftsführer des Einrichtungsgeschäfts Peter AG, beweist Galgenhumor. In der Nacht auf vergangenen Freitag wurden ihm Teppiche im Wert von 200000 bis 300 000 Franken gestohlen. «Es waren Kenner am Werk. Nur die allerfeinste und teuerste Ware haben sie mitgenommen», sagt Haas. Von 1000 gelagerten Teppichen wurden 60 Exemplare ausgewählt. Alle Stapel wurden durchsucht, um die exklusivsten Stücke zu erwischen. «Die haben gewütet und sich Zeit gelassen. Ein Wunder, dass sie sich nicht noch Kaffee gekocht haben.»

Haas geht davon aus, dass die Täter das Geschäft vorgängig besichtigt hatten. Vielleicht liessen sie sich sogar beraten: «Das ist schon ein komisches Gefühl», so Haas. Man beginne unweigerlich zu «werweissen». Geführt habe das zu nichts: «Mir ist niemand in den Sinn gekommen, der bei uns war und nicht in den Laden gepasst hätte.»

Bis jetzt keine Zeugenmeldung

Auch die Kantonspolizei tappt bis jetzt im Dunkeln: «Bisher haben wir keinen einzigen Zeugenhinweis erhalten», sagt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Erstaunlich sei das nicht: «Wenn die Anwohner im Bett sind, hören sie in der Regel nichts.» Die Täter seien auch nicht von der viel befahrenen Landstrasse ins Gebäude eingedrungen, sondern durch ein Kellerfenster an der Rückseite. Einfach war auch das nicht – die Fenster sind vergittert. Dass die Täter sich von diesem Hindernis nicht abhalten liessen, spreche für eine professionelle Bande: «Einen normalen Einbrecher hätte das abgeschreckt», sagt Pfister. Daher gehe auch die Polizei davon aus, dass die Täter genau wussten, welche Beute sie machen können.

«Professionell in der Auswahl der Teppiche, aber doch auch amateurhaft«, meint Haas. So seien von der Polizei offensichtliche Spuren wie halb leere Wasserflaschen gefunden worden. Der grösste Gebäudeschaden entstand aber nicht aufgrund des Einstiegs. Als die Täter im Gebäude waren, fuhren sie mit dem Lift ins Geschäft hinauf. Beim Hinunterfahren mit der Beute überhitzte der Hydraulik-Lift. Die Täter blieben stecken und mussten ihn aufbrechen. Die ganze Lift-Tür wurde hinausgewuchtet. Nur mit viel Gewalt könne ihnen das gelungen sein – leider, wie Haas sagt. Der Schaden am Lift beläuft sich auf weitere 20000 Franken.

Verkauft wird weiterhin

Ausser einer Unordnung haben die Teppich-Diebe im Verkaufsgeschäft selber glücklicherweise keine Schäden hinterlassen. Der Betriebsunterbruch dauerte darum auch nur eine Stunde. «Direkt nach der Spurensicherung durch die Polizei haben wir aufgeräumt und um 9.30 Uhr wieder geöffnet», erzählt Haas. Zwar fehlen ihm viele Einzelstücke, die klassischen Teppiche seien aber noch vorhanden.

Vor sieben Jahren wurde im Teppichgeschäft schon einmal eingebrochen. «Da war ich extrem wütend. Jetzt trage ich es einigermassen mit Fassung», sagt Haas. Am meisten bedaure er den Verlust eines Teppichs von seinem Grossvater. «Den wollte ich eigentlich einem Sammler verkaufen.»

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