Wir schreiben den 30. September 1980. Es ist das Datum des jährlichen Herbstfests der Bezirksschule Baden im Martinsberg. Was damals noch niemand ahnt: An diesem Abend wird Stadtgeschichte geschrieben. Ein kleines Stück zumindest.

Zusammen mit zwei Schulkumpels sorgt der damals 17-jährige Roland «Roli» Isler an der Fete für den nötigen Soundteppich und legt als Disc-Jockey Prism Vinylscheiben auf.

35 Jahre später gibt der mittlerweile 52-jährige Isler den DJ immer noch. Mit seinem Projekt Disco Prism feiert er am kommenden Samstag im ehemaligen Thermalbad eine Jubiläums-Party.

Ein Gespräch mit dem zweifachen Familienvater über die Zeit, als Wanderdiscos, Jeans mit weissen Streifen und Adicolor-Turnschuhe gross in Mode waren.

Der Kult im Plastiksack

Roli Isler erscheint mit einer prall gefüllten Plastiktasche zum Gesprächstermin. Es ist nicht irgendein Plastiksack. Es ist einer mit dem Aufdruck «Zero Zero». Jenem Badener Kultladen, der seinen Standort nicht nur einmal wechselte und Generationen mit Musik versorgte.

Mitgebracht hat Isler in der Tüte Fotos aus längst vergangenen Tagen und zahlreiche Plakate aus den vergangenen 35 Jahren. Isler nimmt einen Schluck Cola, dann erzählt er.

«Dass wir damals 1980 mit der Disco Prism loslegten, hatte sich schon ein, zwei Jahre vorher abgezeichnet», so Isler. Immer mehr Zürcher Wanderdiscos machten sich Ende der 70er-Jahre im Aargauer Limmattal breit. «Dagegen wollten wir was tun.»

Die Initialzündung war ein Fez 1979. «Wir feierten bei einem Kollegen daheim. Ich legte Musik mit Plattenspieler und Kassettengerät auf.» Aktuell waren damals «Funky Town» von Lipps Inc., «Rappers Delight» von der Sugarhill Gang und «Hot Stuff» von Donna Summer.

«Je länger der Abend dauerte, desto mehr Leute zwängten sich in den kleinen Bastelraum. Wir hatten im Vorfeld nur fünf Plakate aufgehängt und wurden vom Erfolg völlig überrumpelt. Da wussten wir, wir machen das.»

«MTV killed the Disco Star»

Rund 40 Party-Abende führte Isler bis 1988 mit seiner Disco durch. «Als MTV 1987 auf Sendung ging und stundenlang Musikvideos zeigte, veränderte sich das Verhalten der Leute in der Disco», so Isler, «es war nicht mehr das Gleiche. Früher kamen alle zum Tanzen, der DJ war der Chef im Haus. Nach MTV flaute alles ab. Die Leute standen vermehrt rum, alle machten auf cool.»

So zog der Badener die für ihn logischen Konsequenzen. Am 8. Oktober 1988 stieg in Fislisbach die Goodbye-Party. «Es war das erste Mal überhaupt, dass wir Alkohol ausschenkten. Dementsprechend setzten wir das Eintrittsalter auf 18 Jahre fest.»

700 Personen machten in der Mehrzweckhalle Leematten nochmals so richtig einen drauf. Dann war Schluss – aber nicht für lange.

Comeback an der Badenfahrt

«Definitiv abgeschlossen hatte ich mit der Disco Prism damals nicht», gibt Isler freimütig zu, «dafür war sie mir zu sehr ans Herz gewachsen.» Gleichwohl verscherbelte er das gesamte Equipment ins Zürchbiet – und bereute diesen Entscheid spätestens im Sommer 1997, als er an der Badenfahrt zusammen mit einigen Kollegen eine Musikbar schmiss.

Der gelernte Elektrozeichner baute eine neue Anlage zusammen und legte los wie in längst vergangenen Zeiten. «Wir hatten zehn Tage Full House. Es war eine Riesenshow.»

Es gingen weitere sieben Jahre ins Land, ehe 2004 die erste von bislang 22 sogenannten Prism Revival-Partys gefeiert wurde. Isler strahlt: «Wir haben jeweils bis 700 Besucher, die zu Musik aus den Seventies und Eighties tanzen.»

Am kommenden Samstag steigt im 2012 stillgelegten Thermalbad Baden die 23. Ausgabe. Roli Isler, er teilt sich alias DJ Prism die Arbeit am Mischpult mit DJ N.D., ist die Vorfreude förmlich anzusehen. «Wir haben mit dem ehemaligen Thermalbad bedingt durch die Verzögerungen beim Neubau eine wunderbare Location gefunden und bieten nun auch einen zweiten Dancefloor.»

Disco Prism Revival-Party

Samstag, 28. März, ehemaliges Thermalbad, Baden. Türöffnung um 21 Uhr. Mindestalter: 25 Jahre. Eintritt: 23 Franken, ab 1 Uhr noch 13 Franken.

Vorverkaufsstellen: Zero Zero, Baden und Robert Huber AG, Mellingen.