Die Dorfgeschichtsabende von Max Rudolf begeisterten die Birmenstorfer. Der Verfasser der Birmenstorfer Dorfgeschichte erzählte ein- bis zweimal pro Jahr an einem Abend in der Turnhalle Geschichten aus seinem Buch. Manche der Dorfgeschichten sind jedoch noch nicht veröffentlicht worden. Das Interesse der Dorfbewohner war gross. So wurde Max Rudolf immer wieder darauf angesprochen, eine Fortsetzung der Dorfgeschichte zu veröffentlichen.

Ende 2011 fiel der Startschuss für das Projekt. Die Gemeinde nahm die Idee auf und bewilligte 2012 den Kredit von 200 000 Franken. Da Max Rudolf zu den älteren Semestern gehört, übernahm Patrick Zehnder, Historiker und Lehrer an der Kantonsschule Baden, als Leiter das Projekt. 2013 begann er mit seinem Team bestehend aus den beiden Historikern Patrick Schoeck, Corinne Rufli und dem Geschichtsstudenten Stefan Michel mit der Recherche. Patrick Zehnder und Stefan Michel sind in Birmenstorf aufgewachsen.

Zehnder schrieb schon viel über das Dorf. Seine Artikel über Birmenstorf erschienen unter anderem in den Neujahrsblättern. Stefan Michel hat noch wenig Erfahrung in diesem Bereich: «Ich sehe es als gute Gelegenheit, während meines Studiums bei einem so grossen Projekt mitzuarbeiten.» In Zukunft möchte er wie Zehnder kleinere historische Artikel publizieren.

Seit Anfang 2014 schreiben die Historiker und der Student an den Texten. Passend zum 100-Jahr-Jubiläum des Ersten Weltkrieges hat sich Michel mit dem Thema «Militarisierung» auseinandergesetzt. Dieses beinhaltet die beiden Weltkriege und den Kalten Krieg. «Wir haben den Schwerpunkt auf das 20. Jahrhundert gelegt und beschäftigen uns darum auch mit Themen wie dem Wandel der Landwirtschaft, der Veränderung der Lebenswelt des einfachen Bürgers oder der Entwicklung des Vereinslebens.» Der Umfang des Buches wird um die 200 Seiten betragen. Es soll Anfang 2016 veröffentlicht werden.

Das Internet dient heute als beste Informationsquelle. Bei Zehnder und seinem Team ist das anders: «Da es sich um die Geschichte eines Dorfes handelt, sind Informationen im Internet rar», sagt Michel. Als Quelle dient den Historikern das Gemeindearchiv. Dank der Erfindung der Schreibmaschine und des Computers gebe es viele schriftliche Quellen, Grafiken und Fotos. «Wir befragen auch ältere Dorfbewohner, die den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt haben oder alte Gemeindeammänner. Das Archiv des Bundesamtes für Landestopografie kann uns alte Landeskarten zur Verfügung stellen. Eine weitere Quelle ist das Kantonsarchiv», sagt er.

Eine Generation weitergeben

Am 7. August hielt Max Rudolf seinen letzten Geschichtsabend. Nun geht er in den Ruhestand. Die Nachfolge für ihn steht bereits fest: Patrick Zehnder, der seine Wurzeln ebenfalls in Birmenstorf hat, führt die Abende weiter. Und was ist mit dem anderen Birmenstorfer Stefan Michel? «Ich könnte mir vorstellen, die Geschichtsabende mit Patrick zusammen zu gestalten.»

Der nächste Dorfgeschichtsabend findet voraussichtlich am 18. Februar 2015 statt.