Badefahrt
Die «Elektrischen» prägten die Feste

Sie symbolisierten die Internationalität von BBC/ABB auf weltoffene und doch badenerische Weise.

Roman Huber
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Der illusionistische, sich selbst speisende Wasserhahn. NJB/Ruedi Fischli

Der illusionistische, sich selbst speisende Wasserhahn. NJB/Ruedi Fischli

Ruedi Fischli

Die Namensgebung dieser Vereinigung, die sich aus BBC-, später ABB-Mitarbeitenden zum Teil höheren Ranges der Weltfirma rekrutierten, symbolisiert die Tätigkeit in der Energiebranche. In Tat und Wahrheit soll sie sich tatsächlich an ihren Firmengründer Charles Brown anlehnen, der um die vorletzte Jahrhundertwende jeweils als «Elektrischer» an Fasnachtsanlässen teilgenommen und sich dabei mit viel Schabernack unter das Volk gemischt haben soll. Dies hat der ehemalige BBC-Medienmann Martin Hug geschrieben, und zwar im illustren «Buch dazu», das nach der Badenfahrt 1997 unter Regie von Pius Achermann entstanden ist.

Der Zweckparagraf in den Statuten des seit 1984 eingetragenen Vereins beschreibt, dass es um «das gute Einvernehmen zwischen Angehörigen der grössten Firma am Platz untereinander und der Region» gehe. Salopp formuliert diene eine Badenfahrt dazu, «mit Lustbarkeiten aller Art zum guten Einvernehmen unter Menschen einer Region beizutragen».

Gegen angekratzte Firmenmoral

Konkret, so Hug, «stammen die Vereinsgründer aus dem Kreis der professionellen Muntermacher, die Anfang der achtziger Jahre die Wunden der damals etwas angekratzten Firmenmoral leckten und in der Badenfahrt eine heilende Medizin orteten. Dass die Elektrischen mit der grossen Kelle anrichteten, brachte ihnen den Beigeschmack des Gigantismus und zuweilen einige Neider ein. Doch inzwischen haben die meisten Badenfahrer ihre kräftigen Sponsoren im Hintergrund. Der elitäre Anspruch des Vereinsvorstandes – nur-Mitglieder gab es skurrilerweise nicht – indes war, einerseits mit technischen Spielereien höchster Qualität zu verblüffen, andererseits der Gesamtheit ein moralförderndes Vergnügen zu bereiten. Erwähnenswert ist ausserdem, dass die an der Badenfahrt erwirtschafteten Gewinne sinnvoll eingesetzt wurden, ob für ein Kleinstkraftwerk von Bergbauern im Sernftal, eine Feuerwehrleiter im Puschlav oder die Elektrifizierung einer Alp im Pizolgebiet.

Für ihre Präsenz an den Umzügen oder in ihrer stets unübersehbaren Festbeiz wurden jeweils die hauseigenen Lehrlinge eingespannt, was je länger wegen strengem internen Controlling schwieriger wurde. Aufgrund hoher Position in der Firma oder besonderer Verdienste für die Elektrischen mussten Firmenchefs neben der Ehrenmitgliedschaft auch bei den Getränkenamen herhalten. So waren in der Festbeiz Drinks auf der Karte wie «Luterbächler», «Top Tom», «Kafi Fritz» oder «Long Somm».

Eigenes Know-how eingesetzt

Unvergesslich ist zweifellos der freischwebende Wasserhahn (1982) als Illusion. Doch auch die legendären Festbeizen der Weltfirma hatten es in sich. An der Badenfahrt 1987 wartete sie am Theaterplatz mit einer an den Abgrund gebauten Pyramide als Beizenbau auf, währenddem die Elektrischen am Umzug – die einen Sklaventreiber, die andern als schwitzende Sklaven – eine Sphinx über die Route schleppten. Einen besonderen Akzent setzte die ABB zu ihrem 100-Jahr-Jubiläum, das sie am Regionalfest «Swiss made» mit dem unvergleichlichen Musik-/Licht-/Feuer-/Wasser-Spektakel «Limmat Magic» beim Stauwehr in der Aue und einer grossen Festbeiz im Park der Villa Boveri begingen. Im Jahre 1997 waren die Elektrischen nochmals mit einer Festbeiz an der Badenfahrt präsent, sie hiess Ampèrium.

Die Mitgliedschaft bei den Elektrischen sei ein Glaubensbekenntnis, eine Passion, ja eine Verpflichtung auf Lebenszeit bedeutet, schrieb Martin Hug damals weiter, verbunden mit der aktiven Rolle an der Badenfahrt. Nun, die Elektrischen sind inzwischen von der Badenfahrt-Bildfläche verschwunden.