Gluri-Suter-Huus

Die erste Ausstellung von Sarah Merten: Wettingen soll positiv im Fokus stehen

Sarah Merten bei der Begrüssung zu ihrer ersten selber kuratierten Ausstellung im Gluri-Suter-Huus.

Sarah Merten bei der Begrüssung zu ihrer ersten selber kuratierten Ausstellung im Gluri-Suter-Huus.

Zum Saisonauftakt präsentiert die neue Galerie-Leiterin Sarah Merten Werke der Zürcher Marc Elsner und Klodin Erb. Die Kunst soll die Budgetdiskussion ersetzen.

Die erste Wahl von Sarah Merten fiel auf die Kunstschaffenden Marc Elsner und Klodin Erb aus Zürich, die beide mit Techniken der klassischen figurativen Malerei auf sozialkritische Themen der Gegenwart verweisen. «Wettingen ist zurzeit wegen Budgetdiskussionen und Engpässen oft negativ im Fokus. Heute können wir wieder einmal einen positiven Anlass feiern», meinte Gemeinderat Philippe Rey zum Auftakt der sehr gut besuchten Vernissage.

Merten präsentierte die zwei Ausstellenden vor Erbs brandneuer und extra für das Gluri-Suter-Huus kreierten Werkserie «Avatar». Zu sehen sind auf einem fast barock anmutenden Himmelsgewölbe in Blau- und Rosatönen 15 gesichtslose Porträts. Ersichtlich sind nur noch die Frisuren. Erb spielt darauf an, dass es heute dank Apps und Bearbeitungsprogrammen ein Leichtes ist, sein Abbild mit wenigen Klicks zu verändern und neu zu gestalten.

Klodin Erb wird in der Region noch Spuren hinterlassen

«Im Handumdrehen kann sich jeder eine neue Gesichtsform oder Frisur verpassen», meinte Merten dazu. Ein Spiegel, der vis-à-vis der Serie positioniert ist, erlaubt es den Besuchern je nach Position, sich selber unter den verschiedenen Haartrachten anzuschauen.

Im zweiten Raum, den Erb bespielt, kann das Publikum regelrecht in ihre Malerei eintauchen. Erb hat im Kunsthaus PasquArt in Biel eine 21 Meter lange Vitrine auf verschiedenen Ebenen mit einem monumentalen Landschaftsbild bemalt und ist dann mit der Kamera langsam dem Bild entlang gefahren. Es ist ein fast meditatives Erlebnis, im abgedunkelten Raum die verschiedenen Lichtstimmungen zu atmosphärischen Orgelklängen an sich vorbeiziehen zu lassen. Erb hat übrigens jüngst den «Kunst am Bau»-Wettbewerb an der Kanti Wettingen gewonnen. Sie wird in der Region also bleibende Spuren hinterlassen.

Symbole für die digitale Einsamkeit

Auf den ersten Blick wirken die farbintensiven Miniatur-Ölbilder von Marc Elsener verspielt und märchenhaft. Einige muten an wie Kinderbuchillustrationen, andere erinnern an Bauernmalerei und Art brut. Doch der Schein trügt. Die Figur mit Zauberhut und Nixenschwanz, die im Mondlicht ganz allein auf einer Schaukel sitzt und auf dem Laptop ihre eigene Welt kreiert, ist ein Symbol für die digitale Einsamkeit der heutigen Gesellschaft.

Die fünf in weissen Tücher verpackten Wellnessurlauber, die es sich auf Liegestühlen gemütlich gemacht haben, werden mit Adam und Eva konfrontiert, die statt des Apfels einen Kühlturm in Händen halten. «Ich will damit thematisieren, wie viel Ressourcen wir mit unserer Wellnesskultur verbrauchen», meint Elsener. Jedes der kleinen Bilder ist mit Details gespickt, die das Kopfkino zum Laufen bringen und ganz unterschiedlich interpretiert werden können. «Das Publikum muss eine enge Beziehung zu meinen Miniaturmalereien aufbauen», erklärt Elsener, «genau das ist die Absicht meiner Kunst.»

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