Analyse

Die FDP kassierte Doppelniederlage und kann sichs nicht erklären

Können sich auch nach der Wahl noch leiden: Huber und Müller beim Apéro.

Können sich auch nach der Wahl noch leiden: Huber und Müller beim Apéro.

Die FDP und die Bürgerlichen mussten in Baden gestern eine Schlappe sondergleichen einstecken. Zu denken gibt: Es gingen sehr viel mehr Leute an die Urnen. Auch die sehr hohe Zahl an leeren und ungültigen Stimmen macht die Bürgerlichen ratlos.

Es ist nicht wegzudiskutieren: Mit der FDP haben am gestrigen Wahltag die bürgerlichen Parteien der Stadt Baden in globo eine Schlappe sondergleichen einstecken müssen.

Zu bedenken ist, dass die Stimmbeteiligung exakt 10 Prozent höher gelegen ist als noch am 13. Januar. Bei einer Beteiligung von 55 Prozent aller Stimmberechtigten gibt es auch keine Diskussionen mehr über die Niederlage.

Aus Protest oder Unzufriedenheit?

Erschreckend hoch ist die Anzahl leerer und ungültiger Stimmen. Beim knappen Entscheid um den Stadtammann-Sitz, bei dem Roger Huber (FDP) auf den Sieger Geri Müller (team) lediglich 34 Stimmen einbüsste, fallen die 321 leeren und 272 ungültigen Stimmen auf.

Mit andern Worten beziehungsweise Zahlen: 593 Stimmberechtigte wollten keinem der beiden Kandidierenden ihre Stimme geben, das sind mehr als doppelt so viele wie beim ersten Wahlgang.

Dabei dürfte zweifellos ein Teil frustrierten Schneider-Wählern zuzuschreiben sein. Sie haben mit leer oder ungültig offenbar ihrer Unzufriedenheit Ausdruck gegeben oder sogar still gegen den Wahl-Deal protestiert.

Bei der CVP verwehrt man sich gegen eine Unterstellung, als Steigbügelhalter Geri Müllers fungiert zu haben. Dies wurde von CVP-Exponenten an der «Nicht-Wahlfeier» bei der FDP unterstrichen.

Auf die richtigen «Pferde» gesetzt?

Die Vergangenheit zeigte, dass in Baden jeweils bei einem Stimmenanteil zwischen 67 und 60 Prozent mit bürgerlicher Mehrheit gewählt wird.

Diesen Verteiler hätte man diesmal auch nicht annährend erreicht, wenn die leeren und ungültigen Stimmen auf das Konto von Huber gegangen wären. Und doch hätte die FDP als derzeit wählerstärkste Partei zusammen mit der SVP und Teilen der CVP den Wahlsieg erringen müssen.

Bei den Stadtratswahlen gingen 459 leere oder ungültige Stimmzettel ein. Das ist trotz der Differenz von 235 Stimmen zwischen Siegerin Ruth Müri (team) und Peter Courvoisier (FDP) bemerkenswert.

Auch bei der Stadtratswahl wurde die Frage gestellt, warum so viel Mal leer eingereicht wurde. Das sind rund doppelt so viele wie am 13. Januar. Diese Feststellung war denn auch gestern in den bürgerlichen Reihen ein besonderer Diskussionspunkt.

Entgegen dem Wahlausgang wird allgemein nicht angenommen, dass der Stadt die bürgerliche Mehrheit abhanden gekommen ist. Vielmehr liegt die Vermutung nahe – was selbst in den Reihen der FDP gestern nüchtern konstatiert wurde –, dass die Freisinnigen nicht auf die richtigen Pferde setzten.

So wurde auch intern die Personalpolitik kritisiert. Mit dem verbleibenden Stadtrat Roger Huber blieb der FDP für die Ammann-Nachfolge von Stephan Attiger wohl keine Alternative. Peter Courvoisier hingegen erwies sich klar nicht als die erhoffte Trumpfkarte.

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