Dienstagabend in der Badener Turnhalle Tannegg. Die Hallenuhr über dem Eingang zeigt 18.30 Uhr. Für die Juniorinnen und Junioren des Fechtclubs Baden, der mit seiner 107-jährigen Vereinsgeschichte zu den ältesten der Schweiz gehört, hat soeben das wöchentliche Training begonnen.

Die zehn- bis zwölf-jährigen Mädchen und Jungen nehmen ihre Startpositionen ein. Einer der Junioren bewegt sich einige Schritte in Richtung seines Gegners. Er attackiert ihn blitzschnell. Sein Trainingspartner wird immer weiter zurückgedrängt und versucht sich mit Defensivarbeit zu verteidigen.

Die Klingen kreuzen sich noch einige Male, ehe der Zurückgedrängte zum Konter ansetzt – und kurz darauf den entscheidenden Treffer landet. Dann beginnt das Duell erneut. Mit kritischem Blick beobachtet Trainer Andreas Haldimann die Trainingsfortschritte seiner Schützlinge und gibt laufend Tipps.

Leidenschaft und Durchhaltewille: Einblicke ins Training des Fechtclubs Baden.

Leidenschaft und Durchhaltewille: Einblicke ins Training des Fechtclubs Baden.

Haldimann selbst galt in seiner Jugend als grosses Talent und wurde mehrfacher Junioren-Schweizer-Meister. Anhaltende, starke Schmerzen in Knie und Hüfte beendeten jedoch frühzeitig die Fechtkarriere des damals 19-Jährigen. Die Leidenschaft für den Fechtsport sei jedoch geblieben. Er werde solange fechten wie möglich, auch wenn es Schmerzen bereite.

«Heute will ich meine Begeisterung und mein Wissen anderen weitergeben. An diesem Sport fasziniert mich alles. Vom ersten Schritt bis zum Augenblick, in dem man zum finalen Stoss ansetzt», sagt Haldimann. Überzeugt fügt er an: «Fechten ist auch Tanz, Kampf und Spiel.»

Engagement und Herzblut

Den Umgang mit Degen, Säbel und Florett erlernte der Badener im Fechtclub Otelfingen. Seit 2009 engagiert sich der 34-jährige Lagerist aber in Baden – und das mit Herzblut.

Er ist Vorstandsmitglied, kümmert sich um das Administrative und springt immer wieder als Trainer bei den Erwachsenen und Junioren ein. Sein Engagement wird beim Traditionsverein geschätzt. So wählen ihn die rund 78 Mitglieder jedes Jahr wieder zum Sportchef.

Tatkräftige Unterstützung in der Vereinsführung erhält Haldimann von der 21-jährigen Bigna Maissen. Die Bemühungen der beiden scheinen in jüngster Zeit Früchte zu tragen: Die Veteranen können seit 2010 zwei Schweizer Meistertitel im Säbelfechten vorweisen.

Auf der Juniorenebene konnte man gleich dreimal den Doppelsieg an der südbadischen Meisterschaft im Degenfechten für sich entscheiden sowie mehrfach Turniere in der Schweiz gewinnen.

Um in Zukunft an die sportlichen Erfolge – insbesondere bei den Junioren – anknüpfen zu können, hat sich Maissen etwas Spezielles einfallen lassen. Um als Einheit an die Turniere zu gehen, soll jeder Nachwuchs-Fechter einen eigenen Trainingsanzug erhalten.

Dafür sammelt Maissen nun auf «Ibelieveinyou.ch», der Crowdfunding-Plattform des Schweizer Sports, Geld für 39 Trainingsanzüge. Insgesamt 6000 Franken sind für die Fechtausrüstungen nötig. «Wir sind auf einem guten Weg, das macht uns sehr glücklich», sagt Haldimann. Es fehlen nur noch rund 1500 Franken.

Am Samstag zeigt der Verein in der Badener Bahnhofunterführung den Passanten übrigens eine Fecht-Show, um die Randsportart der Öffentlichkeit zu präsentieren.