Prozess

Die feige Schläger-Truppe von Baden steht heute vor Gericht

Dank einer Überwachungskamera ermittelt: die Schläger-Truppe von Baden.

Dank einer Überwachungskamera ermittelt: die Schläger-Truppe von Baden.

Zwei Passanten bitten junge Männer, kein Altpapier herumzuwerfen – und werden spitalreif geprügelt. Das geschah vor vier Jahren in Baden, an einem Samstagabend kurz nach Mitternacht. Den sechs Tätern wird nun zwei Tage lang der Prozess gemacht.

Diese Nacht endet für einen 37-Jährigen mit einer Hirnerschütterung, einem gebrochenen Nasenbein und mehreren Prellungen. Nur, weil er einige junge Männer freundlich bat, aufzuhören.

Der 26. Februar 2011 ist ein Samstag. Ein Samstag, an dem in der Badener Innenstadt das Altpapier eingesammelt wird. Viele Haushalte stellen ihre Bündel schon am Freitagabend bereit zur Abholung.

So etwa in der Weiten Gasse. Freude daran haben sechs junge Männer Anfang zwanzig: Sie sind kurz nach Mitternacht zu Fuss unterwegs durch die Strassen und entdecken die Altpapierbündel. Packen sich einige davon, werfen sie durch die Luft.

Ein 31-jähriger und ein 37-jähriger Schweizer kommen zufällig just in dem Augenblick vorbei, als die Jugendlichen ihren Unfug treiben. Sie bitten sie freundlich, damit aufzuhören, das verteilte Altpapier wieder einzusammeln.

Faustschläge und Fusstritte

Doch: Das wollen die jungen Männer offensichtlich nicht. Sie werden sofort aggressiv. Fragen die zwei Passanten, ob sie ein Problem mit ihnen hätten. Stellen sich drohend um sie herum auf. Schubsen sie.

Dann fliegt die erste Faust – mitten ins Gesicht des einen Passanten. Es folgen Fusstritte. Der 37-Jährige geht zu Boden. Die Männer treten weiter auf ihn ein. Auch der 31-Jährige bekommt einen Fusstritt ab.

Die Polizeibeamten in Baden reagieren schnell: Sofort rücken mehrere Patrouillen aus. Sie suchen in der Gegend nach den Tätern. Doch «trotz der intensiven Ermittlungen», wie es in der damaligen Polizeimeldung heisst, gelingt den Schlägern an diesem Samstagmorgen die Flucht.

Nur: Sie merken dabei nicht, dass vier von ihnen beim Wegrennen gefilmt werden – von der Überwachungskamera in einem nahegelegenen Parkhaus.

Die kurzfristigen Folgen: Die Kantonspolizei startet mit den Bildern von der Überwachungskamera einen Zeugenaufruf. Wer einen der Männer erkenne, solle sich umgehend beim Posten in Baden melden.

Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei, sagte damals zu «Blick am Abend»: «Diese Tat ist völlig feige und brutal.»

Bald gehen erste Hinweise ein. Schliesslich können wenige Tage später sechs Täter gefasst werden.

Späte Genugtuung?

Die langfristigen Folgen: Der 37-Jährige muss im Spital mehrmals operiert werden. Er hat bis heute gesundheitliche Probleme. Und die jungen Männer, mittlerweile zwischen 23 und 26 Jahre alt, müssen sich ab heute vor dem Bezirksgericht Baden für ihre Taten verantworten.

Die Staatsanwaltschaft fordert für die zwei Haupttäter zweieinhalb Jahre respektive 18 Monate unbedingt, für die weiteren vier Täter je 12 Monate bedingt. Die Anklagepunkte: Körperverletzung, Angriff und Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz.

Der Prozess mit sechs Tätern und Verteidigern wird kein kurzer: Zwei volle Tage hat das Gericht dafür vorgesehen.

Zwei Tage, die für den 37-Jährigen nicht mit einer Hirnerschütterung, einem gebrochenen Nasenbein und mehreren Prellungen enden werden – sondern vielleicht mit der Genugtuung, dass sich seine Zivilcourage vier Jahre später doch noch ausbezahlt.

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