Wettingen
Die Finanzen sind wieder im Lot

Die Rechnung 2015 der Gemeinde Wettingen ist geprägt vom starken Sparwillen auf allen Ebenen.

Dieter Minder
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Die Gemeinde Wettingen. (Archiv)

Die Gemeinde Wettingen. (Archiv)

Walter Schwager

«Dieses Ergebnis ist nur zustande gekommen, weil alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter äusserst sparbewusst waren, der Sparfunke ist auf alle übergesprungen», kommentiert Gemeindeammann Markus Dieth die Rechnung 2014 der Gemeinde Wettingen. Nach dem schlechten Ergebnis des Jahres 2014 – es endete mit einem Verlust von 5,7 Millionen Franken – beschloss der Gemeinderat rigorose Kostensenkungsmassnahmen. Unter Leitung von Gemeindeammann Dieth und Finanzverwalter Martin Frey wurde ein tiefgreifendes Kostencontrolling aufgebaut. Das Ergebnis lässt sich sehen: Der Personalaufwand konnte um 570 000 Franken oder 2,02 Prozent gesenkt werden, der Sachaufwand um rund 2,6 Millionen Franken oder 14,5 Prozent. Auf der Einnahmenseite profitierte die Gemeinde von zusätzlichen ausserordentlichen Faktoren in der Höhe von 3,8 Millionen Franken. Damit schliesst die Rechnung 2015 bei einem Umsatz von 107,3 Millionen Franken mit einem Gewinn von 3,6 Millionen Franken. Dieth ist überzeugt, dass die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zugunsten der Einwohner nicht gelitten hat: «Bei uns sind keine Beanstandungen eingegangen.»

Ausgaben genau kontrolliert

«Es sind viele kleinere Beträge, die zum Sparergebnis beigetragen haben», sagt Finanzverwalter Frey: «Der Gemeinderat hat das Kostenbewusstsein vorgelebt.» So fanden zum Beispiel in der ganzen Verwaltung weniger Sitzungen statt, was zu tieferen Sitzungsgeldern führte. Konsequent wurden Briefe nur noch mit B-Post versandt. Der Vergleich zwischen dem Budget und der Rechnung 2015 zeigt, dass vor allem im Bereich Soziale Sicherheit weniger ausgegeben wurde. Hier wurden viele Fälle noch genauer unter die Lupe genommen. «Wir haben aber niemanden ungesetzlich behandelt», betont Dieth.

Entwicklung Steuereinnahmen der Gemeinde Wettingen und Entwicklung Einkommens- und Vermögenssteuern
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Gemeinde Wettingen Entwicklung Schulden und Zinsen
Wettingen Steuerertrag Rechnung und Budget 2015
Gemeinde Wettingen Entwicklung Steuereinnahmen der Gemeinde Wettingen
Gemeinde Wettingen Entwicklung Nettoinvestitionen-Selbstfinanzierung
Gemeinde Wettingen Aufwandanteil in Prozent
Gemeinde Wettingen Ertragsanteil in Prozent
Gemeinde Wettingen Anteil Funktional
Gemeinde Wettingen Aufwand nach Arten

Entwicklung Steuereinnahmen der Gemeinde Wettingen und Entwicklung Einkommens- und Vermögenssteuern

ZVG

Gegenüber 2014 sind die Steuererträge 2015 um rund 3 Millionen Franken auf 58,3 Millionen Franken gestiegen. Die Zunahme verdankt die Gemeinde vor allem den Einkommens- und Vermögenssteuern. Dies ist sowohl auf die Steuerfusserhöhung auf 95 Prozent als auch auf die höhere Steuerkraft zurückzuführen. Der massive Rückgang im Jahre 2014 (Grafik) war der Auslöser des Sparjahres 2015 gewesen. Für den Gemeinderat bedeutet die Erfahrung, dass er Steuern vorsichtig budgetieren muss. Dieth bezeichnet das Steuerbudget 2016 als realistisch: «Es basiert auf den korrigierten Zahlen von 2015.»

Neue Schulhäuser für die Jugend

Netto rund 15 Millionen Franken hat die Gemeinde im letzten Jahr investiert. Der Löwenanteil entfällt auf die Erweiterung der Schulanlage Margeläcker und den Neubau des Schulhauses Zehntenhof. 6,17 Millionen Franken konnten selber bezahlen, was einen Selbstfinanzierungsgrad von 41 Prozent ergab. Um die Differenz zu bezahlen, musste die Gemeinde Schulden machen. Damit sind diese auf 72 Millionen Franken angestiegen. Die Erhöhung fand bei den kurzfristigen Schulden statt, die langfristigen sind gleich geblieben. «Bei den aktuellen Zinsen nehmen wir nur noch kurzfristiges Geld auf», sagt Frey. Für Banken lohnt es sich sogar, den Gemeinden zinsfrei Geld zu leihen, so müssen sie wenigstens keinen Negativzins bezahlen. Wie sehr sich die Zinslandschaft verändert hat, zeigt ein Vergleich über die letzten 10 Jahre. 2005 hatte die Gemeinde 24 Millionen Schulden, was sie 1,2 Millionen Franken Zinsen kostete. Letztes Jahr waren es 72 Millionen Schulden und die Zinsen betrugen noch die Hälfte davon, nämlich 600 000 Franken.

Der Gemeinderat ist überzeugt, dass nach dem Sparjahr 2015 die Gemeinde selbstsicher in die Zukunft schreiten kann. Dies zeigen auch bereits die ersten Zahlen des Rechnungsjahres 2016.

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