Morgens um 8.59 Uhr am Bahnhof Baden. Der Bus der Linie 1 hat eine Minute Verspätung. Der Chauffeur Jürg Schilling macht eine Durchsage: «Geschätzte Fahrgäste. Wir warten noch auf einen Arbeitskollegen – ah, da ist er ja schon.» Laut schnaufend kommt Andreas Senn angerannt. «Ich habe am Bahnhof Ost gewartet, tut mir leid», entschuldigt er sich. Dass er Ost und West verwechselt hat, ist nicht erstaunlich. Schliesslich ist Senn hauptberuflich auf dem Netz der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) unterwegs und kennt die Region Baden überhaupt nicht.

Senn ist einer von fünf Chauffeuren der VBZ, die gemeinsam mit zwei Chauffeuren der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) seit heute auf dem Streckennetz der RVBW fahren. Aufgrund von Ferien- und Langzeitabsenzen entstand bei den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen (RVBW) ein Personalengpass im Oktober. Vor allem während der Herbstferien brauchten sie dringend mehr Chauffeure.

«Besser organisiert als die Mafia»

«Wir wollten unser eigenes Personal nicht überstrapazieren, sondern die Situation entspannen», sagt René Rüegg, stellvertretender Direktor der RVBW. Um dies zu bewerkstelligen, fragten die RVBW andere Verkehrsbetriebe um Hilfe an. «Der öffentliche Verkehr in der Schweiz ist fast besser organisiert als die Mafia», erklärt Rüegg und lacht. «Wir wurden von den VBZ und den VBL hervorragend und rasch unterstützt.»

Am Montag wurden die Aushilfschauffeure zuerst theoretisch in ihre neue Aufgabe eingeführt und erfuhren mehr über den Betrieb RVBW. Gestern fuhren RVBW-Chauffeure mit den Aushilfen der VBZ und VBL die Strecken ab. Sich das Streckennetz bei nur einer Fahrt merken zu können, ist nicht leicht: «Ich hoffe, dass es jeweils mindestens einen Fahrgast gibt, der weiss, wo es langgeht», sagt Andreas Senn und schmunzelt.

Bis Ende Oktober werden die sieben Aushilfschauffeure in den Uniformen ihrer eigenen Verkehrsbetriebe in der Region Baden-Wettingen unterwegs sein und die Fahrgäste an ihr Ziel bringen. Eines hat VBZ-Chauffeur Senn bereits jetzt festgestellt: «Die Fahrgäste hier sind viel freundlicher als bei uns.»