Wettingen
«Die Gemeinden der Region unterstützen uns»

Am 23. September müssen die Stimmberechtigten über den Projektierungskredit von 5,72 Millionen Franken fürs Tägi entscheiden. Gemeindeammann Markus Dieth und Daniel Notter als Sprecher der IG Wettingen (IG) diskutieren über die Situation.

Martin Rupf und Dieter Minder
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Gespräch zwischen Gemeindeammann Markus Dieth (links) und Daniel Notter (lG Wettingen) über den Tägi-Baukredit. Annika Bütschi

Gespräch zwischen Gemeindeammann Markus Dieth (links) und Daniel Notter (lG Wettingen) über den Tägi-Baukredit. Annika Bütschi

Herr Notter, die IG hat Bedenken gegen das Projekt Tägi angemeldet, weshalb?

Daniel Notter: Aus vielen Reaktionen, die an uns gelangen, stellen wir fest, dass die Bevölkerung nicht weis was vorgesehen ist. So war bis im Januar das definitive Projekt noch nicht bekannt, über das Aussenwarmbecken wurde erst dann abgestimmt. Für uns ist wichtig, dass die Stimmberechtigten gut informiert entscheiden können und nicht erst, wenn der Projektierungskredit ausgegeben ist. Die IG Wettingen will eine Diskussionsplattform bieten und das ist gelungen. Den Entscheid am 23. September werden wir akzeptieren.

Markus Dieth: Das ist eine wegweisende Abstimmung. Es geht nicht nur um die Ertüchtigung und Erweiterung des Tägi, es geht auch um die Frage, wie sich Wettingen positioniert. Der Kanton hat Wettingen, neben Aarau und Baden, als kantonales Zentrum in seine Planung aufgenommen. Die Gemeinde hat in den letzten Jahren eine Leaderrolle in der Region übernommen. Mit einem Ja wird diese unterstrichen.

Notter: Aus den Reaktionen, die bei der IG eingehen, stelle ich fest, dass viele Wettinger einfach Wettinger bleiben wollen und nicht nach einer Zentrumsfunktion suchen.

Dieth: Die Erkenntnis, dass grosse Aufgaben nur noch regional gelöst werden, setzt sich immer mehr durch. Das gilt auch für das Tägi. Die Wettinger haben vor 40 Jahren ein Werk für die Region geschaffen. Deshalb geht es nicht um ein neues Projekt, sondern um die Weiterführung einer bestehenden Anlage.

Notter: Vor 40 Jahren war der Bau des Tägi eine mutige Tat. Aber die Wettinger wurden bisher zu wenig in die neue Planung einbezogen.

Dieth: Bereits 2007 wurde die Bevölkerung über die Machbarkeitsstudie informiert. Seither war der Einwohnerrat intensiv an der Planung beteiligt. Die Bevölkerung wurde immer informiert. Alle Entscheide des Einwohnerrates waren referendumsfähig.

Anscheinend sind die Informationen nicht weiter geflossen, funktionierte die Verbindung zwischen Politik und Volk nicht?

Notter: Die Bürger verstehen vieles am Projekt nicht. So ist vielen nicht klar, was die Module sind und weshalb das Stadion nicht NLB tauglich ist. Die IG ist nicht gegen das Tägi, auch nicht gegen Sportarten, aber wir verstehen nicht, dass soviel Geld ausgegeben werden soll. Deshalb ist es besser, jetzt zu reden, als später.

Dieth: Im Einwohnerrat wurde in den letzten 7 Jahren sehr viel über das Tägi diskutiert. Der Kanton hatte uns sogar vorgeschlagen, eine noch grössere Eishalle zu bauen und das 50-m-Schwimmbecken zu überdecken. Beides wäre zu teuer gewesen, der Einwohnerrat hat es richtigerweise abgelehnt und damit gespart.

Wie ist der Entscheid im Einwohnerrat zustande gekommen?

Dieth: Erstmals haben im Rat zwei Beratungen zum selben Geschäft stattgefunden. Dabei wurden die Anforderungen sehr ausführlich diskutiert und die Module für das vorliegende Projekt ausgewählt.

Ist die IG gegen das ganze Projekt?

Notter: Für uns ist die Sanierung unbestritten. Wir zweifeln aber an der Grösse und Notwendigkeit der Erweiterung.

Immer wieder werden finanzielle Bedenken und Zweifel an der Kalkulation ins Feld geführt, weshalb?

Notter: Im Finanzplan steht, dass die Projektierungskosten von 5,7 Millionen im Gesamtkredit von 84 Millionen enthalten sind, dagegen sind sie in der Tabelle des Finanzplanes separat aufgeführt:

Was stimmt?

Dieth: Die 5,7 Millionen Franken sind enthalten. Der Gemeinderat den Einwohnerrat informiert.

Notter: In der Argumentation wird suggeriert, dass der Finanzplan stimmt, aber hier ist ein Fehler enthalten. Daraus ergeben sich für mich Fragezeichen zu anderen Positionen im Finanzplan.

Dieth: Der Finanzplan ist eine rollende Planung. Der Gemeinderat hat den Investitionsplan, der eine Grundlage für den Finanzplan ist, mit allen geplanten Vorhaben erstellt. Wir wollen auf der sicheren Seite sein. Erfahrungsgemäss werden nie alle Vorhaben realisiert oder es kommt zu Verzögerungen. Auf keinen Fall wollen wir uns dem Vorwurf aussetzen, wir hätten die künftigen Ausgaben geschönt. Deshalb sind im Finanzplan auch Kosten enthalten, die der Kanton auf die Gemeinden verschieben wird, wie die Spitalfinanzierung.

Wettingen steht vor grösseren Investitionen, sind sie verkraftbar?

Dieth: Wir müssen Schulhäuser bauen. Um diese finanzieren zu können, müssen wir den Steuerfuss für die Jahre 2013/2014 um 6 Prozentpunkte auf 95 Prozent erhöhen. Auf den höheren Steuerfuss ist die Gemeinde auch nach 2014 angewiesen. Die Investitionen im Tägi sind in den Jahren 2015 bis 2018 vorgesehen. Die Schulden der Gemeinde werden steigen. Wir haben deshalb den Finanzplan durch die Treuhandfirma BDO Visura prüfen lassen. Sie hat uns bestätigt, dass Wettingen dies verkraften kann, ohne dass die Verschuldungsgrenze erreicht wird. 2019 wird die hochinvestive Phase zu Ende sein. Dann wird die Gemeinde, wieder zwischen 7 und 12 Millionen Franken pro Jahr investieren und gleichzeitig ihre Schulden abbauen. In den letzten Jahren hat die Gemeinde bewiesen, dass sie Schulden abbauen und trotzdem den Steuerfuss senken kann.

Ist das nicht sehr risikoreich?

Notter: Wir fragen uns, ob das der richtige Weg ist, 100 Millionen Franken sind eine grosse Summe. Als Unternehmer muss ich genau rechnen und überlegen, wie weit ich mich verschulden kann. Es gibt viele Unsicherheiten. Ich möchte nicht, dass in einigen Jahren der Steuerfuss wegen des Tägis erhöht werden muss.
Dieth: Unsere Prognosen sind sehr genau. Das kantonale Gemeindeinspektorat hat uns schon mehrmals für genaue Punktlandungen in der Budgetierung gelobt.
Notter: Es gibt Punkte, die nicht vorhersehbar sind, wie die konjunkturelle Entwicklung.

Wie gross ist die Kostenwahrheit des vorliegenden Projektes?

Dieth: Mit dem mehrstufigen Verfahren der bisherigen Planung haben wir genauere Kosten als sonst bei einem Projektwettbewerb üblich. Deshalb erwarten wir keine Überraschungen nach oben. Wie es definitiv aussieht, werden wir sehen, wenn der Baukredit errechnet ist.

Baden und Wettingen haben sich gegenseitige Unterstützung bei den Projekten Kurtheater und Tägi zugesagt. Was passiert, wenn der Kredit am 23. September ablehnt wird?

Dieth: In Wettingen werden wir den Beitrag für das Kurtheater dem Einwohnerrat im Dezember unterbreiten. Grundsätzlich ist vereinbart, dass Gegenseitigkeit gilt. Der Einwohnerrat Baden hat seinen Anteil bewilligt. Was Wettingen bei einer Ablehnung macht, ist offen.

Notter: Viele Leute sehen in den Beiträgen eine künstliche Schwesternliebe, wie Kabarettist Edgar Zimmermann am Stadtfest sagte.

Dieth: Die beiden Beiträge sind eine Voraussetzung für den regionalen Aspekt der Geschäfte Kurtheater und Tägi. Deshalb haben auch die 20 Gemeinden der Baden Regio Beiträge von 2 Millionen Franken dafür zugesagt. Ebenso hat der Kanton einen Beitrag in Aussicht gestellt. Er dürfte zwischen 5 und 10 Millionen Franken liegen. Der Regierungsrat wird das Geschäft im Zusammenhang mit dem Baukredit behandeln.

Was passiert, wenn die Wettinger mit dem Budget 2013 die Erhöhung des Steuerfusses ablehnen?

Dieth: Das wäre ein Problem, aber nicht für das Tägi, sondern, für die Bildung. Mit dem Geld müssen wir das Schulhaus Zehntenhof ersetzten, die Schulhäuser Margeläcker aufstocken und die an der Urne beschlossenen Tagesstrukturen umsetzen.

Das Gartenbad, das Hallenbad sollen mit dem Projekt modernisiert oder wie es heisst ertüchtigt werden. Was heisst das?

Dieth: Der Badeteil wird nicht stark ausgebaut. Vorgesehen sind ein Kinderbecken im Hallenbad, das heute fehlt, was besonders die Familien bemängeln, der Saunabereich als Ersatz für die bestehende Sauna im Luftschutzkeller und das Aussenwarmbecken. Somit wird uns der Badebereich nicht mehr Verkehr bringen.

Notter: Viele Leute befürchten, dass das Schwimmen in den erneuerten Bädern teurer wird.

Dieth: Wir haben von Anfang an betont, dass wir bei den Schwimmbadpreisen konkurrenzfähig bleiben.

Braucht es den Ausbau des Eisbereiches?

Dieth: Aus Umweltschutzgründen muss die bestehende Eisanlage abgestellt werden. Wir müssen sie also ersetzen. Der Bedarf an Eisfeldern ist gegeben. In der Schweiz gibt es pro 34000 Einwohner ein Eisfeld. Schon heute sind die Eisfelder ausgebucht. Die Saison ist auf 4 Monate beschränkt. Mit der neuen Anlage können wir die Saison auf über 8 Monate ausdehnen. Die Halle ist auch für kulturelle Nutzungen vorgesehen.

Herr Notter, was unternimmt die IG, wenn sie die Abstimmung gewinnt und damit der Projektierungskredit abgelehnt wird?

Notter: Sicher kommt es zu einer eisfreien Zeit, aber wir wollen keine Sportart sterben lassen. Für uns ist die Sanierung unbestritten und deshalb muss so schnell wie möglich eine Lösung gefunden werden. Wir sind keine politische Organisation und können nicht direkten Einfluss nehmen.

Dieth: Bei einem Nein ist der Abbruch des Eisbereiches die einzige realistische Lösung. Offene Eisfelder, wie heute, sind schon vom Energieverbrauch her nicht mehr zu akzeptieren. Das müsste man all den Vereinen und Kindern erklären.

Notter: Unser Ziel ist nicht der Abbruch des Eisbereiches, sondern ein Eisbereich, der eine Schuhnummer kleiner ist. Ohne den Eisbereich können wir auch auf das Aussenwarmbecken verzichten.

Dieth: Wenn wir eine kleinere Eishalle bauen, sparen wir fast nichts. Das Parkhaus unter dem Eisbereich brauchen wir aber auch aus Sicherheitsgründen. Das Tägi liegt in einem Grundwasserschutzbereich.

Herr Dieth, Herr Notter: Wie nutzen Sie das Tägi?

Dieth: Wir gehen schwimmen, eislaufen und besuchen kulturelle Veranstaltungen oder das Restaurant. Notter: Wir besuchen das Schwimmbad und auch das Eisfeld. Persönlich bin ich regelmässiger Gast im Restaurant mit Kunden und Freunden.

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