LägereBräu
Die Geschichte einer Brauerei: Von Mutters Küche ins Kloster Wettingen

Die Brauerei feiert ihr 10-Jahre-Jubiläum im Kloster Wettingen. Die Erfolgsgeschichte dieses Biers begann aber schon Jahre zuvor.

Claudia Laube
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Wie es sich für eine Brauerei gehört, gibt es inzwischen auch einen Biergarten.

Wie es sich für eine Brauerei gehört, gibt es inzwischen auch einen Biergarten.

zvg

Was heute eine Aktiengesellschaft mit über 1500 Aktionären und sieben Festangestellten ist, fünf Biersorten, ein alkoholfreies Getränk, einen Biergarten und ein Bieratelier umfasst, nahm seinen Anfang im Haus, in dem Thomas Benz aufwuchs. Er befand sich in der Ausbildung zum Lebensmitteltechnologen, als ihn die Frage umtrieb: Wie ist die ideale Mischung der vier Hauptzutaten Malz, Hopfen, Hefe und Wasser, um ein qualitativ hochstehendes Bier herzustellen?

Das erste braute er noch mit dem Kochgeschirr, das er im Haushalt fand, doch schon bald benötigte er grössere Pfannen – bis die Kapazität der Küche erreicht und am Ende gar das ganze Haus mit Bierutensilien überstellt war: «Meine Eltern haben mich lange machen lassen», blickt Thomas Benz zurück, doch irgendwann hatten sie genug: «Sie wollten die Brauerei nicht mehr im Haus haben. Immerhin durfte ich aber bleiben», erinnert er sich lachend.

Vom Hobby zum Geschäft

Unter dem Casino-Restaurant Wettingen fand er einen geeigneten Raum in einem Gewölbekeller, den er mithilfe seiner Freunde aus Jungwacht und Blauring und dem Handballverein zu einer kleinen Brauerei umbaute. Das war 2003. Damals tauften sie das Bier offiziell «LägereBräu»: «Eigentlich feiern wir ja bereits 15 Jahre», muss Benz schmunzeln, aber damals sei es noch ein Hobby gewesen. Der Entscheid, die Brauerei professionell zu führen, kam wenige Jahre später – und wurde 2008 mit dem Umzug in die alte Spinnerei auf der Wettinger Klosterhalbinsel vollzogen. Seit zehn Jahren hat LägereBräu dort seine Heimat.

Hilfreiche Badenfahrt

Dass der Weg dorthin nicht ganz einfach würde, war dem heutigen CVP-Einwohnerrat klar – und trotzdem: «Das Geld für die Gründung der Aktiengesellschaft zusammenzukratzen, war schwieriger als gedacht. 2007 gab es noch kein Online-Crowdfunding, um Geld zu sammeln», erzählt Benz. Zudem wollten die Banken nicht in ein Hochrisikoprojekt, wie es eine Brauerei war, investieren.

Und so mussten er und seine Freunde kreativ werden: «Wir brauchten eine Million Franken und liessen 1000 Aktien à 1000 Franken drucken. An verschiedenen Orten präsentierten wir unser Projekt und versuchten, die Menschen mit Bildern und schönen Worten von unserem Bier zu überzeugen. Das gestaltete sich jedoch äusserst schwierig.» Die Rettung kam mit der Badenfahrt 2007: «An unserem Stand brachten wir die Aktien geschickt unter die Leute. Danach hatten wir das Geld zusammen.» Endlich konnte er mit der eigenen Brauerei durchstarten.

Vor vier Jahren hat sich Thomas Benz aus dem operativen Geschäft zurückgezogen: «LägereBräu war ein grosser Traum, den ich aufbauen wollte. Das habe ich dank der Unterstützung durch Freunde und Familie geschafft.» Und: «Man muss jedes Kind loslassen, damit es auf eigenen Beinen stehen kann.» Als Verwaltungsrat ist er aber weiterhin aktiv: «Wir wollen, dass die Grundrichtung bestehen bleibt: Nah bei den Menschen zu sein ist uns wichtig.»

Die regionale Verankerung und ihre Innovationen führten 2017 dazu, dass die Brauerei den Aargauer Unternehmenspreis für Kleinstfirmen gewann. Auch in Zukunft gehen die Ideen nicht aus: «Wir bauen zum Beispiel mit dem Bier im Holzfass einen völlig neuen Markt im Hochpreissegment auf.» Erst einmal wird aber gefeiert: Am Samstag, 25. August, wird bei der alten Spinnerei der gelbe Teppich ausgerollt und auf das erfolgreiche Geschäft mit LägereBräu angestossen.