Eine beeindruckende Bühne war in der reformierten Kirche in Baden aufgebaut worden, professionelle Beleuchtung und Tontechnik installiert. Und tatsächlich: Die zur Musicalbühne umfunktionierte Kirche war schon am ersten der drei Aufführungsabende bis auf den letzten Platz gefüllt.

Das Publikum – darunter ungewohnt viele junge Leute – war gespannt darauf, was es erwarten würde. Ein belehrendes Theaterstück? Eine moderne Jesus-Geschichte? Nichts von all dem ist die Story von «Stage call!», dem Cover-Musical von Benjamin Stückelberger. Es nimmt seine Zuhörer mit auf eine Lebensreise von heute – und ist die Geschichte des Hauptdarstellers Arno Leon selbst. Das Wunderkind, der seiner Klavierlehrerin als kleiner Junge durch sein Gesangstalent aufgefallen ist, begeisterte auf den grossen Opernbühnen Frankreichs. Doch als er in den Stimmbruch kommt, folgt die Ernüchterung: Seine Karriere findet ein abruptes Ende und zwingt ihn, sich neu zu orientieren und in einem ganz anderen Leben Fuss zu fassen.

Einige Jahre später sieht Arno die Ausschreibung des Castings für ein Musical von Benjamin Stückelberger. Er entscheidet sich, an diesem teilzunehmen, und wird sofort als Hauptdarsteller engagiert. Mut und Kraft kehren zurück. Zwar sollen die Bühnen dieser Welt nicht mehr sein einziges Zuhause sein. Als Key Account Manager hat er einen guten Job gefunden. Aber ab und zu wieder auf die Bretter, die die Welt bedeuten? Warum auch nicht? Denn sein Gefühl für Musik ist nicht verschwunden. Und seine Männerstimme besitzt Kraft.

Das Musical überzeugte

Die wahre Geschichte von Arno Leon berührt. Auch weil die Musical-Darsteller, die alle Laien sind, mit ihren Stimmen und der schauspielerischen Leistung überzeugen. Auch die Sänger, die Arno als Kind (Mark Alton, Lengnau) und als Teenager (Luca Zwyssig, Wettingen) verkörpern, beeindrucken. Wer diesen Abend in Baden erlebt hat, wünscht sich für das Musical Aufführungen auf grösseren Bühnen: eine berührende Geschichte von Aufstieg und Fall, von Tod und Auferstehung. (az)