Baden
Die Hirsebreifahrt wird im 2016 auch zu einer Badenfahrt

Im Juli 2016 steht eine ganz spezielle Hirsebreifahrt an: Der Zürcher Schiffs-Tross wird erstmals in Baden nicht nur anlegen, sondern in der Bäderstadt auch nächtigen.

Roman Huber
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Hirsebreifahrt 2006: Ein Zürcher Boot legt beim Stauwehr Aue an. AZ/Archiv

Hirsebreifahrt 2006: Ein Zürcher Boot legt beim Stauwehr Aue an. AZ/Archiv

Susi Bodmer

Die traditionelle Hirsebreifahrt ist eine historische Vergnügungsfahrt, die sich auf der Verbundenheit der Städte Zürich und Strassburg basiert. Die Fahrt dient der Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Städten.

Sie wird mit alten Holzschiffen (Langschiffen) durchgeführt, die grössten Schiffe, welche die Limmat befahren können. Seit dem Zweiten Weltkrieg findet sie alle 10 Jahre statt.

Nebst dem Limmat-Club, der für das Fahrtechnische zuständig ist, nehmen jeweils die Zunft zur Schiffleuten, die Schützengesellschaft, die Gesellschaft der Bogenschützen sowie die Zürcher Stadtmusik teil.

Sie führen stets einen Kessel Hirsebrei mit, der dann bis zur Ankunft in Strassburg warmgehalten werden soll, dies zum Zeichen dafür, dass die Fahrt innert einem Tag bewältigt worden ist.

Baden ist immer wieder beliebter Anlegeort gewesen, wenn die Zürcher Gesellschaften auf ihrer Hirsebreifahrt zu Fluss nach Strassburg fuhren. Allerdings besteht keine andere Wahl, als in Baden anzulegen, denn beim Stauwehr Aue müssen die Boote ohnehin aus der Limmat gehoben werden. Bislang ging es nach einem längeren oder kürzeren offiziellen Empfang in der Stadt Baden anschliessend weiter flussabwärts Richtung Aare und dann Rhein.

Zürichs Gesamtstadtrat ist dabei

Urs Höhn, Wasserfahrer des Limmat-Clubs Zürich, OK-Präsident Hirsebreifahrt 2016, kündigt nun für Baden ein besonders ehrenvolles Ereignis an: Am Mittwoch, 13. Juli 2016, soll der Hirsebrei in Baden über Nacht warm gehalten werden, denn die gesamte Zürcher Delegation wird in der Bäderstadt den Abend und dazu die Nacht verbringen. Nicht nur dies: Unter den Hirsebreifahrern wird sich der gesamte Zürcher Stadtrat befinden, mit Stadtpräsidentin Corine Mauch an der Spitze.

«Für die Stadt und für unsere Zunft ist das natürlich eine besondere Ehre», sagt Mario Delvecchio, Zunftmeyster der Zunft zur Sankt Cordula Baden und derzeit FDP-Kandidat bei den bevorstehenden Stadtrats-Ersatzwahlen.

Bei einer Wahl im Oktober wäre er am Empfang der Hirsebreifahrer sogar in einer Doppelfunktion engagiert. Das bedeutet für den Stadtrat Baden zudem, dass dieser für seine Mitglieder am 13. Juli ein Ferienverbot aussprechen muss.

Aus Freundschaft entstanden

Die Hirsebreifahrt wurde erstmals 1456 durchgeführt. Im 13. Jahrhundert gehörten die Zürich und Strassburg zum Bunde der Reichstädte, dem auch Basel angehörte. Zweck des politischen, militärischen und auch wirtschaftlichen Bündnisses war vor allem der Schutz, den ihnen das Reich nicht geben konnte.

Gegenseitige Hilfestellung zwischen Zürich und Strassburg liess daraus eine Partnerschaft entstehen, die dann zur ersten Hirsebreifahrt führte. Anlass war 1456 ein Freischiessen, das die Stadt Strassburg ausgeschrieben hatte.

Junge Zünfter der Schiffleuten wagten zusammen mit Schützen der Stadt den Versuch, in einem Tag nach Strassburg zu fahren. Die zweite grosse Hirsebreifahrt fand 120 Jahre später statt. Die eindrücklichste Auflage gab es 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die vergangenen Empfänge der Zürcher in Baden fielen stets in freundschaftlichem Rahmen statt, obschon es zwischen Baden und Zürich mehrere kriegerische Auseinandersetzungen gebegeben hatte. Mit Reden und Gegenreden versuchten die beiden Stadtpräsidenten jeweils, die Stadt des andern auf die Schippe zu nehmen. Nach reichem Apéro hiess es für die Zürcher jeweils am selben Tag noch weiterfahren.